DJ Hello Psychaleppo unter Antisemitismusverdacht Morgenland Festival Osnabrück: Wird die Party zum Politikum?

Von Ralf Döring

Mischt arabische und westliche Musik – und verfolgt antizionistische Politik? Samer Saem Eldahr, bekannt als DJ Hello Psychaleppo. Foto: Leva SaudargaiteMischt arabische und westliche Musik – und verfolgt antizionistische Politik? Samer Saem Eldahr, bekannt als DJ Hello Psychaleppo. Foto: Leva Saudargaite

Unter Antisemitismus-Verdacht war das Morgenland Festival Osnabrück bisher noch nicht gestanden. Doch jetzt wirft eine Gruppe aus München genau das einem Künstler vor, der am Samstag beim Festival auftritt. Der sagt indes, er sei „zu 100 Prozent nicht antisemitisch“.

Mit DJ Hello Psychaleppo wird an diesem Samstag die lange Festivalnacht des Morgenland Festivals Osnabrück ausklingen. Laut Plan soll der DJ aus Aleppo ab 23 Uhr die Lagerhalle mit seinem Mix aus arabischer Musik und Electro, Dubstep und Industrial in Ekstase versetzen. Ein schöner Gedanke eigentlich, denn die Musik trägt die Grundidee des Morgenland Festivals, nämlich das spannungsvolle Miteinander westlicher und arabischer Kultur, auf den Dancefloor. Weiterlesen: VW bereitet sich auf das Konzert der All Star Band vor

Boykott, weil Israel als Sponsor auftritt

Doch es droht Ungemach: Eine Gruppe namens „Münchner Bürger gegen Antisemitismus und Israelhass“ (MBAI) fordert das Festival und Festivalchef Michael Dreyer auf, sich von dem Künstler zu distanzieren. Samer Saem Eldahr, so der bürgerliche Name des DJ, war im vergangenen Jahr, so scheint es, dem Boykottaufruf des internationalen Aktivisten-Netzwerks BDS (Boycott, Divestments, Sanctions) gefolgt und hatte seine Teilnahme am Pop-Kultur-Festival in der Berliner Kulturbrauerei abgesagt. Der Grund: Der Staat Israel war bei dem Festival als Sponsor aufgetreten.

„Hello Psychaleppo wird nicht beim Pop-Kultur Festival spielen, weil die Israelische Botschaft das Festival unterstützt“, schrieb der DJ damals auf seiner Facebook-Seite. Außerdem dankt er seinen Fans und den Künstlern, die ihn auf das Sponsoring durch Israel aufmerksam gemacht hätten. Seine Bitte um Verzeihung für die Absage verbindet er mit der Hoffnung, „euch auf einer anderen Bühne zu treffen.“

Israelprotest mit prominenter Unterstützung

Die Initiative BDS vereint unter ihrem Dach rund 170 zumeist palästinensische Nicht-Regierungs-Organisationen. Seit 2005 fordert BDS Künstler und Sportler, aber auch Wissenschaftler, Politiker und Unternehmer auf, Israel zu boykottieren, weil der Staat, so die BDS-Argumentation, ein Apartheidsregime gegen die Palästinenser errichtet habe. Immer wieder wird in dem Zuge dem Staat Israel das Existenzrecht abgesprochen, und auch antisemitische Töne mischen sich in den lautstark formulierten Protest. Gleichwohl hat die Initiative auch im Westen prominente Unterstützer, etwa den Pink-Floyd-Gitarristen Roger Waters. Auch folgen keineswegs nur Künstler aus dem Arabischen Raum den Boykottaufrufen: Im vergangenen Jahr sagten die schottischen Hiphop-Popper Young Fathers ihre Teilnahme beim Pop-Kultur-Festival ab.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters kritisierte den Boykott damals scharf, Kultursenator Klaus Lederer nannte ihn „widerlich“. Gleichwohl geht für BDS der Kampf weiter: „Wie schon im Jahr 2017 wurde Pop-Kultur auch im Jahr 2018 wieder zum Boykott-Ziel des internationalen BDS-Netzwerks (Boycott, Divestment and Sanctions) und PACBI (Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel) erklärt“, schreibt das Popfestival auf seiner Homepage. Doch die Macher bekräftigen: „Wir lassen uns durch Boykott nicht einschüchtern.“ Andere Institutionen boykottieren ihrerseits den Boykott: So hat die Ruhrtriennale das Konzert mit den Young Fathers abgesagt, weil sich die Band nicht ausdrücklich von BDS distanziert. „Wir schlussfolgern daraus ausdrücklich nicht, dass die Band antisemitisch sei und es ist mir in diesem Zusammenhang wichtig zu betonen, dass Kritik an der Politik der derzeitigen israelischen Regierung nicht per se mit Antisemitismus gleichzusetzen ist“, sagt Intendantin Stefanie Carp dazu. Aber: „Die Ruhrtriennale distanziert sich hingegen in aller Form von der BDS-Bewegung und möchte mit der Kampagne in keinerlei Verbindung stehen.“ Hier geht es zur Pressemitteilung der Ruhrtriennale

„Die persönliche Entscheidung von DJ Psychaleppo“

Während DJ Psychaleppo demnächst in Osnabrück eintrifft, hat Michael Dreyer bereits reagiert. „Seit nunmehr 14 Jahren gibt es das Morgenland Festival Osnabrück“, schreibt er in seinem Statement, das der Neuen OZ vorliegt. „Kein einziges Mal ist es hier zu antisemitischen Äußerungen gekommen. Regelmäßig haben wir jüdisch-israelische Gäste.“ Weiter heißt es: „Es war die persönliche Entscheidung von DJ Psychaleppo, einen Auftritt beim Pop-Kultur-Festival abzusagen, da offensichtlich die Künstler nicht über die Unterstützung des Festivals durch die israelische Botschaft informiert waren.“ Samer Saem Eldahr bestätigt das mehr oder weniger: „Ich bin jemand, der sich seine eigenen Gedanken macht, seine eigenen Wünsche und Vorstellungen hat“, sagt er im Gespräch mit der Neuen OZ. Außerdem betont er: „Ich bin zu 100 Prozent nicht antisemitisch.“ Im Gegenteil: „Ich wünsche mir mehr Harmonie und mehr gute Taten“, und seinen Beitrag zu einer besseren Welt leistet er über seine Musik. So ist er bei seiner Absage für das Pop-Kultur-Festival im letzten Jahr allein seinem eigenen Wunsch gefolgt, sich nicht durch die Politik instrumentalisieren zu lassen –auch nicht durch die Initiative BDS. Die kennt er lediglich dem Namen nach.

So scheint es sinnvoll, wenn Dreyer nicht durch vorschnelle und hitzige Reaktionen die Auseinandersetzung noch befeuert. „Gerne bin ich bereit, über dieses wichtige Thema zu reden – aber in aller Ruhe, auf einer Podiumsdiskussion.“