40 Jahre Pro Familia in Osnabrück „Manchmal finden wir noch Plastik-Föten im Briefkasten“

Von Corinna Berghahn

Das Team der Pro Familia Beratungsstelle in Osnabrück. Vorne in der Mitte sitzt Leiterin Karin Schlüter. Foto: Antonius GeersDas Team der Pro Familia Beratungsstelle in Osnabrück. Vorne in der Mitte sitzt Leiterin Karin Schlüter. Foto: Antonius Geers

Osnabrück. Seit 40 Jahren berät Pro Familia Frauen, Männer und Jugendliche auch in und um Osnabrück. Eine gute Gelegenheit, um an die Anfänge zu erinnern.

Es begann in der Krahnstraße 23: Dort eröffnete im Mai 1978 die Osnabrücker Beratungsstelle des deutschlandweiten Verbundes von Pro Familia. In der Gänze heißt dieser übrigens „pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung“ – und „allein das zeigt, dass wir viel mehr sind als Schwangerschaftskonfliktberatung“, sagt Karin Schlüter, Leiterin von Pro Familia in Osnabrück.

Trotzdem: „Manchmal finden wir noch Plastik-Föten im Briefkasten“, erzählt sie. Immerhin: Früher, als man noch in der Krahnstraße beheimatet war, wurde der Briefkasten schon einmal abgefackelt. „Dabei sind wir nicht Pro-Abtreibung. Aber wir wissen, dass Frauen in Not Beratungsbedarf haben – und den wollen wir im Fall der Fälle im Sinne der Frauen auch leisten.“

Initiative Osnabrücker Ratsfrauen

Doch zurück auf Anfang: Pro Familia gibt es seit 1952; damals wurde der Verband als „Deutsche Gesellschaft für Ehe und Familie“ in Kassel gegründet, um Fragen zur Sexualität und Familienplanung in einem weder staatlichen noch konfessionellen Rahmen zu beantworten. „Anlass der Gründung war damals auch die hohe Zahl an Abtreibungen – die trotz Verbots durchgeführt wurden. Diese sollten durch eine kluge Familienplanung und sexuelle Aufklärung verhindert werden“, sagt Schlüter.

Nach Osnabrück wurde Pro Familia 1978 auf Initiative einiger Ratsfrauen geholt, berichtet sie. Es war die neunte Beratungsstelle des Landesverbandes Niedersachsen.

Die Fotos zeigen Treffen bei Pro Familia Osnabrück im Jahr 1978 (oben) und im Jahr 1980. Wer die Personen sind, ist unbekannt. Foto: Jörn Martens/ Archiv Hartwig Fender/ Archiv Wichmann

In der Krahnstraße herrschten damals beengte Verhältnisse, so Schlüter. Seit 1993 arbeitet sie bei Pro Familia in Osnabrück – und kann sich noch erinnern, wie sich besuchende Schulklassen in die Räume pressen mussten. Zudem war es bis ins Jahr 1993 noch Pflicht, dass eine Ärztin bei der Konfliktberatung die Frau untersucht. Man teilte sich die Räumlichkeiten also auch noch mit einem gynäkologischen Stuhl.

Mit dem Umzug in die Georgstraße 14 im Jahr 2000 hatte man dann endlich mehr Platz für die Ratsuchenden – und der ausgemusterte Stuhl steht schon längst im Keller. „Unsere Außenstelle in Bramsche gibt es auch schon seit 1987, zudem bieten wir zweimal im Monat eine Außensprechstunde in Bissendorf an.“

Auch Männer als Berater

Familienplanung gehört immer noch zum Kerngebiet der Beratungsstelle, ist aber genauso wichtig wie die Sexualpädagogik und Sexualberatung. „Und die Konfliktberatung, an der sich viele Kontroversen entspinnen, ist ein Bruchteil unseres Angebots. Viele wissen nicht, was wir hier noch machen“, ist sich Schlüter sicher. (Weiterlesen: Pro Familia Osnabrück bietet neuen Geburtsvorbereitungskurs an)

„Seit 1992 gibt es bei uns auch beratene Männer, damit waren wir eine der ersten Stellen in Niedersachsen und sind immer noch die einzige in Osnabrück“, sagt Schlüter. Aktuell sind zwei der zehn Teilzeitstellen der Osnabrücker Beratungsstelle von Männern besetzt. Schlüter ist froh darüber, denn eines habe man gemerkt: „Gerade wenn es um Sexualpädagogik und Jugendliche geht, ist es wichtig, dass die Jungen mit einem Mann darüber reden können – und die Mädchen mit einer Frau.“

Aber brauchen Jugendliche, die sich heute quasi überall via Smartphone medial selbst aufklären können, überhaupt noch Rat von Beratungsstellen? Schlüter findet: „Auf jeden Fall. Klar wissen Kinder und Jugendliche heute mehr als früher, aber oftmals nur bruchstückweise. Diese Mosaiksteinchen können wir dann hier ohne Scham zusammensetzen.“


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