Osnabrücker Stadtjugendpfleger Hans-Georg Weisleder geht in den Ruhestand

Von Ulrike Schmidt


Osnabrück. Er ist ein Querdenker, manchmal auch ein Querkopf, der im Interesse von Jugendlichen auch schon mal ganz schön stur sein kann. Nach 32 Jahren bei der Stadt Osnabrück, davon 25 Jahre als Leiter des Fachdienstes Jugend, geht Hans-Georg Weisleder in den Ruhestand.

Er ist 67 Jahre alt und der älteste Mitarbeiter der Stadt. Nach Erreichen des Pensionsalters hat er aus freien Stücken noch einmal 20 Monate draufgelegt. Doch nun ist Schluss.

Hans-Georg Weisleder war es wichtig, die Jugendsozialarbeit fest in Osnabrück zu installieren. Das ist ihm in mehr als drei Jahrzehnten gelungen.

Rückblick ins Jahr 1986: Über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme kommt der spät berufene Sozialpädagoge ins Haus der Jugend, um es konzeptionell neu aufzubauen. In Konkurrenz zur nahe gelegenen Lagerhalle schwächelt das Haus, das zuvor großartige Jahre gehabt hat. Weisleder entwickelt ein Konzept rund um Kultur- und Jugendbildung, auch wenn seine Vorgesetzten ganz andere Vorstellungen haben.

Im Zuge der Jugend-Kulturarbeit gründet Weisleder 1990 den Verein Fokus (Forum Osnabrück für Kultur und Soziales), der in zwei Jahren sein 30-jähriges Bestehen feiert.

1992 wird Weisleder Koordinator für Jugendarbeit und Stellvertreter des damaligen Stadtjugendpflegers Heinz-Ludwig Hoge, dessen Amt er ein Jahr später übernimmt. In Zeiten steigender Jugendarbeitslosigkeit macht sich Weisleder dafür stark, die Jugendwerkstatt Dammstraße von einem finanziell angeschlagenen überregionalen Wohlfahrtsverband zu übernehmen. Seither werden im Zentrum für Jugendberufshilfe arbeitslose junge Menschen mit besonderem Förderbedarf an Arbeit oder Ausbildung herangeführt. Hier können schulmüde Jugendliche ihre Schulpflicht erfüllen, hier hat Weisleder das Übergangsmanagement Schule und Beruf installiert. Es entwickelt sich ein Netzwerk, das 2006 beim bundesweiten Wettbewerb „Jugend in Arbeit“ Landessieger wird. Lohn der Arbeit: 50000 Euro Preisgeld.

Viele Fördermittel eingeworben

Generell ist Weisleder findig, wenn es darum geht, Förderprogramme bei Bund, Land, Jobcenter und Agentur für Arbeit zu nutzen. 20 bis 25 Millionen Euro hat er nach eigener Schätzung auf diese Weise nach Osnabrück geholt. Mit Fördermitteln verschiedenster Art schiebt Weisleder die Schulsozialarbeit an, die bei freien Trägern angesiedelt wird.

Schulschwänzen ist eine Ordnungswidrigkeit. Doch das Verhängen von Bußgeldern ist für den Sozialpädagogen Weisleder kein Weg, die Situation zu verbessern. Seiner Ansicht nach müssen die Ursachen für das Schwänzen erkannt und abgestellt werden, unter anderem in der Koordinierungsstelle Schulverweigerer und im Projekt „Auszeit“. Sein Osnabrücker Konzept haben inzwischen auch andere Jugendämter übernommen.

Das Kinder- und Jugendbüro, ebenfalls in seiner früheren Form preisgekrönt, der Beirat für Kinderinteressen und das Jugendparlament sind weitere Angebote aus Weisleders Ideenschmiede, selbstverständlich immer nur möglich durch politische Zustimmung. Die Jugendberufsagentur und die eingangs erwähnten Planstellen für die Jugendsozialarbeit gehören in die letzten Arbeitsmonate des 67-Jährigen.

Genervt von Spardebatten

Damit hat er seine Vorstellung von möglichst präventiver Jugendhilfe umsetzen können. „Ich bin glücklich, dass ich diesen Job machen konnte“, sagt Weisleder rückblickend. Aber ihn hat auch einiges genervt. Die ständigen Vorschläge bei den Haushaltsberatrungen, ein Jugendzentrum zu schließen, findet er ebenso lästig wie unnötig.

Richtig getroffen hat ihn im vergangenen Jahr die erregte Diskussion, nachdem Angeln nicht mehr ins Ferienpass-Programm aufgenommen werden sollte. Die heftigen Reaktionen, auch aus der Politik, haben ihn nicht umstimmen können: „Für mich gehört das Töten von Lebewesen nicht in den Ferienpass.“ Durchsetzen konnte er sich mit diesem Standpunkt letztlich nicht. Eine Angelaktion ist auch in diesem Sommer wieder im Angebot.

Am Freitag wird er offiziell im großen Kreis verabschiedet, in der Dammstraße, wie er es sich gewünscht hat. Hand-Georg Weisleder ist aber kein Typ, der die Hände in den Schoß legt. In den kommenden Monaten wird das Leben nach der Arbeit geplant – ein Studium vielleicht, aber auf jeden Fall politisches Engagement.