Beteiligungsverfahren beginnt Osnabrücker Busnetz 2019: Bürgermeinung ist gefragt

Von Sebastian Stricker

Lauter bunte Striche: Fahrplanleiter Thomas Schniedermann von der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) bei der Vorstellung der Entwürfe für das neue Busnetz. Foto: Thomas OsterfeldLauter bunte Striche: Fahrplanleiter Thomas Schniedermann von der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) bei der Vorstellung der Entwürfe für das neue Busnetz. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Wie soll das Osnabrücker Busnetz der Zukunft aussehen? Die Stadtwerke haben dazu einen Plan vorgelegt. Jetzt sind die Bürger dran, ihre Meinung zu sagen und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten.

Am Donnerstag, 14. Juni, wird der Entwurf für das Osnabrücker Busnetz 2019 dem Stadtentwicklungsausschuss präsentiert, nächsten Dienstag (19. Juni) dem Fahrgastbeirat. Am Mittwoch, 20. Juni, findet ein Sonder-Mobilitätsforum für jedermann statt. Parallel startet die Bürgerbeteiligung im Internet: Bis zum 15. August haben die Osnabrücker dann Gelegenheit, sich auf swo.de/busnetz2019 zu dem Vorhaben in allen Einzelheiten äußern. Schon jetzt sind dort Karten mit Detailbetrachtungen einsehbar. (Weiterlesen: So soll das Osnabrücker Busnetz ab Herbst 2019 aussehen)

Veränderungen möglichst aufwandsneutral

„Alle eingehenden Anregungen werden aufbereitet“, verspricht Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes – weist aber zugleich darauf hin, dass „Extrawünsche auch extra kosten“. Wer mehr wolle, müsse entweder mehr Geld geben oder Einsparungen an anderer Stelle in Kauf nehmen. Vorgabe für die Planer sei gewesen, alle Veränderungen „aufwandsneutral“ umsetzen zu können – also ohne das gegenwärtige 36-Millionen-Euro-Budget für die Dienste des Verkehrsbetriebs zu überschreiten. Außerdem müsse der Schülerverkehr so bleiben, wie er ist.

Ratsbeschluss am 30. Oktober

Das Busnetz 2019 in seiner endgültigen Form soll der Rat am 30. Oktober beschließen, damit es im Herbst kommenden Jahres wirksam werden kann. Erste Rückmeldungen aus der Politik sind positiv. Die Grünen loben wesentliche Neuerungen wie Metrobus-Linien und Nordtangente, die SPD bezeichnet die gesamte Vorlage als „großen Wurf“. Zum Start des Beteiligungsverfahrens stellt unsere Redaktion die wichtigsten Punkte noch einmal genauer vor. (Weiterlesen: Osnabrücker Busnetz 2019 – Stern mit Banane)

Busnetz 2019 – per Klick auf die Grafik gelangen Sie auf eine pdf-Datei:

Busnetz 2019 Osnabrück

Neue Querverbindungen

Pye, Haste, Dodesheide: Das Busnetz 2019 sieht Haste Ost als Endpunkt der ersten, vollelektrischen Metrobus-Linie (M1) vor, die planmäßig bereits im Dezember oder Januar an den Start geht und bis Düstrup reicht. Auch die Metrobus-Linie M5 (Dodesheide/Waldfriedhof – Kreishaus/Zoo) bedient den Osnabrücker Norden. Mit der neuen, tangentialen „Bananenlinie“ 110 (verkehrt nur montags bis freitags und im 30-Minuten-Takt) werden auf den Abschnitten Dodesheide – Eversburger Platz – Klinikum Finkenhügel sowie Haste – Dodesheide – Schinkel bislang fehlende Querverbindungen geschaffen. Bereits ab August 2018 gibt es mit Stadtbus-Linie 32 eine direkte Verbindung zwischen Haste, Nettebad und Dodesheide. Pye bleibt im 20-Minuten-Takt angebunden. Heutige Kapazitätsprobleme auf Stadtbus-Linie 5 in Dodesheide sind den Plänen zufolge spätestens mit der Umstellung auf elektrische Gelenkbusse beseitigt. Der Pendelbus Widukindland soll laut Stadtwerken wegen „sehr geringer Nachfrage“ wegfallen.

Begradigte Linien

Schinkel, Schinkel-Ost, Gretesch, Lüstringen: Diesen Bereich kreuzen die Metrobus-Linien M4 (Belm/Astruper Heide – Ikea) und M3 (Schinkel-Ost – Sutthausen – Hagen). Linienbegradigungen im Bereich Schinkel/Gretesch sollen nicht nur die Stadtteile besser anbinden, sondern vor allem Fahrzeiten deutlich verringern. Von drei bis sechs Minuten Zeitgewinn allein auf der Strecke Schinkel – Neumarkt ist die Rede. Dank der geplanten Nordtangente wären Fahrgäste zwischen Schinkel und Dodesheide nicht mehr 28 Minuten, sondern nur noch 7 Minuten unterwegs. Die Endhaltestelle Gretesch wird im Entwurf aufgegeben. Eine Verlängerung der neuen Linie 110 über Rosenburg hinaus bis Hasepark ist möglich, sobald Busse wieder über die kaputte Hamburger Brücke fahren dürfen. (Weiterlesen: Stadtwerke Osnabrück testen ab 2019 fahrerlosen Bus)

Große Industriegebiete verknüpft

Fledder, Voxtrup: Diese Gegend profitiert ebenfalls von den Metrobus-Linien M1 und M5. Der stark industriell geprägte Fledder soll zudem eine eigene Stadtbus-Linie bekommen. Die 171 reicht, vom Industriegebiet West (Hafen) kommend, zunächst bis zur Hettlicher Masch, wäre aber bis Voxtrup Mitte verlängerbar. Die neu deklarierte Stadtbus-Linie 71 (Hauptbahnhof – Stresemannplatz –Voxtrup) fährt auf geradem Weg über die Hannoversche Straße. Auf dem Abschnitt Voxtrup – Innenstadt ist ein klarer 20-Minuten-Takt vorgesehen.

Klarer 10-Minuten-Takt auf der Iburger Straße

Wüste, Kalkhügel, Sutthausen, Nahne, Schölerberg: Bestimmend sind hier die Metrobus-Linien M3, M4 und M5. Wo heute auf der Iburger Straße teils Taktlücken bestehen, soll im Busnetz 2019 mithilfe des Regionalverkehrs ein klarer 10-Minuten-Takt geschaffen werden. Die Anbindung von Oesede befindet sich noch in Planung und ist voraussichtlich erst 2020 möglich. Geprüft wird auch eine zeitgerechte Bedienung des Gewerbegebiets Sutthausen, wo unter anderem die Behindertenwerkstätten liegen. Die Direktanbindung von Kreishaus und Zoo an den Hauptbahnhof entfällt. Auch der Stadtteilbus Berningshöhe wird mangels Auslastung gestrichen. Die Endstation Berningshöhe bleibt aber im 20-Minuten-Takt über die künftige Stadtbus-Linie 41 (über Neumarkt bis Darum) angebunden. (Weiterlesen: Deutschlands größte E-Bus-Flotte entsteht in Osnabrück)

Haltestelle Ikea wird zum Knotenpunkt

Hellern, Hörne, Atterfeld: Die fehlende Integration des Regionalverkehrs aus Hasbergen macht einen 10-Minuten-Takt zwischen Innenstadt und Hellern weiterhin schwierig. „Eine Finanzierung ist nicht aufwandsneutral realisierbar“, stellen die Stadtwerke Osnabrück fest. An wirtschaftlichen Lösungen werde gearbeitet. Die Haltestelle Ikea wird im Busnetz 2019 zum Knotenpunkt aufgewertet. Sie bietet als designierter Endpunkt der Metrobus-Linie M4 gute Umstiegsmöglichkeiten von und nach Atterfeld, Hellern sowie in Richtung Lotter Straße. Auf die Anbindung Hörne soll künftig verzichtet werden.

Landwehrviertel wird Metrobus-Endstation

„Extrawünsche kosten auch extra“

Atter, Eversburg: Das entstehende Wohnquartier Landwehrviertel soll mit einer bis zum Hauptbahnhof reichenden Metrobus-Linie (M2) im 10-Minuten-Takt angebunden werden. Die neue Nordtangente, die vom Heger Friedhof (Weststadt) aus halbkreisartig über Haste und Dodesheide bis zur Rosenburg (Schinkel) führt, bedient mit dem Eversburger Platz auch in dieser Ecke eine wichtige Drehscheibe. Fahrtzeiten auf der Achse Wersener Straße/Natruper Straße – Innenstadt sollen sich deutlich verkürzen. Außerdem scheint eine gute Anbindung des geplanten Park-and-Ride-Platzes am Rubbenbruchweg (P&R Rubbenbruchsee) möglich. (Weiterlesen: Vom Auto in den Bus – Osnabrück testet P&R-Ticket)


Das Osnabrücker Busnetz in Zahlen

Nach Angaben des Verkehrsbetriebs sind zurzeit jeden Tag über 150 Busse auf 24 Linien in Osnabrück und Belm unterwegs. An den mehr als 800 Haltestellen steigen jährlich 36 Millionen Menschen ein und aus, die meisten davon am Neumarkt. Dort werden den Angaben zufolge jeden Tag 45.000 Fahrgäste gezählt. Für 85 Prozent von ihnen ist der Platz entweder Start oder Ziel. Die übrigen 7000 Buskunden wechseln dort in andere Linien. Damit hat der Neumarkt allein so viele Umsteiger wie der Hauptbahnhof als zweitgrößte Busstation in der Stadt Busfahrgäste insgesamt. Der öffentliche Nahverkehr in Osnabrück ist ein kommunales Zuschussgeschäft. Die jährlichen Gesamtkosten beziffern die Stadtwerke mit 35 bis 40 Millionen Euro. Der Entwurf für das Busnetz 2019 ist laut Vorstand Stephan Rolfes aufwandsneutral. Extrawünsche würden das Angebot verteuern.