CDU und BOB weiterhin dagegen Bauantrag für Center: Am Osnabrücker Neumarkt kommt etwas in Bewegung

Von Rainer Lahmann-Lammert

Hier ragt ein Erker in die Johannisstraße: Weil damit die festgesetzte Baulinie an der Einmündung zur Seminarstraße überschritten wird, brauchte Investor Unibail Rodamco die Zustimmung des Rates. Der hat auch weiteren Änderungen beim Bau des Centers zugestimmt. Zeichnung: kadawittfeldarchitekturHier ragt ein Erker in die Johannisstraße: Weil damit die festgesetzte Baulinie an der Einmündung zur Seminarstraße überschritten wird, brauchte Investor Unibail Rodamco die Zustimmung des Rates. Der hat auch weiteren Änderungen beim Bau des Centers zugestimmt. Zeichnung: kadawittfeldarchitektur

Osnabrück. Manche hatten es schon tot geglaubt, aber jetzt kommt Bewegung in das Neumarkt-Projekt von Unibail Rodamco. Der französische Investor hat der Stadt einige Änderungswünsche für das geplante Einkaufscenter vorgetragen. Mit großer Mehrheit stimmte der Rat am Dienstagabend zu.

Spätestens am 16. Juli muss der Bauantrag für das Center bei der Stadt eingehen. So ist es im Vertrag zwischen dem französischen Konzern und der Stadt Osnabrück festgelegt. Aber die Manager von Unibail Rodamco wollen dem Oberbürgermeister noch vor den Sommerferien die erforderlichen Dokumente übergeben.

Spindel statt Rampen

Bei den gewünschten Abweichungen vom Vorhaben- und Erschließungsplan handelt es sich um Details, die sich aus der Feinplanung im Berliner Büro kadawittfeldarchitektur ergeben haben. Dabei geht es um die Verlagerung der Pkw-Stellplatzebenen und um Veränderungen der inneren Struktur. Außerdem soll ein kleiner Erker die festgesetzte Baulinie an der Johannisstraße überschreiten.

Die Planer aus dem Büro kadawittfeldarchitektur wollen die Parkebenen nicht mehr über Rampen, sondern über eine Spindel erschließen. Und die Zufahrt für Anlieferer an der Großen Rosenstraße soll etwas weiter nach Osten verschoben werden. Eine Folge dieser Änderungen ist, dass die Anlieferzone auf der Rückfront des Einkaufszentrums verkleinert wird und nicht mehr von Sattelzügen angefahren werden kann, sondern maximal von dreiachsigen Fahrzeugen in der Größe eines Müllwagens.

„Hier geht es um marginale Änderungen“, erklärte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU), der sich zuversichtlich zeigte, dass Unibail Rodamco das Bauvorhaben entschlossen über die Ziellinie bringen wird. In der Ratssitzung waren die Änderungswünsche auch kein großes Thema. Dafür gab es wieder einmal Kontroversen über Grundsätzliches, bei denen keine Fraktion zurückstecken wollte.

Nein, aber konstruktiv

Für die CDU erklärte die Beigeordnete Katharina Pötter, warum sie sich im Spagat befinde. Von Anfang an habe sich ihre Fraktion eine andersartige Nutzung am Neumarkt gewünscht, deshalb werde sie weiterhin mit Nein stimmen, aber den gesamten Prozess konstruktiv begleiten. Ratsmitglied Kerstin Albrecht vom Bund Osnabrücker Bürger (BOB) bezweifelte, dass die Center-Pläne jemals verwirklicht würden. Auf ihre Behauptung, dass die Johannisstraße durch die beabsichtigten Änderungen abgehängt werde, erhielt sie heftigen Widerspruch aus den anderen Fraktionen.

Ein positives Bild zeichnete Ratsherr Heiko Panzer (SPD): „Es geht los. Das ist die Botschaft!“ Mit dem Einkaufszentrum werde nicht nur der Neumarkt, sondern auch die Johannisstraße aufgewertet. SPD-Fraktionschef Frank Henning betonte, das 130-Millionen-Euro-Projekt von Unibail Rodamco sei in Osnabrück die größte Investition seit dem Kriegsende. Er bedauerte, dass die CDU sich weiterhin dagegen stemme, dankte aber ausdrücklich OB Griesert, dass er einen anderen Kurs verfolge als seine Parteifreunde.

Schlimmer Schrotthaufen

An CDU und BOB wandte sich der Grüne-Fraktionschef Michael Hagedorn, als er den Verdacht äußerte, deren Mitglieder wünschten sich in ihrem tiefsten Innern, dass das Center „in die Hose geht“. Dabei, so merkte er mit Blick auf das Kachelhaus am Neumarkt an, wäre es für die Stadt Osnabrück das Schlimmste, wenn „der Schrotthaufen so stehen bleibt.“ Kritische Worte richtete auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Thomas Thiele an die CDU. Es sei völlig unverständlich, dass ausgerechnet sie einem Unternehmen vor den Kopf stoße, das in Osnabrück so viel Geld investieren wolle.

Mit den Stimmen von SPD, Grünen, FDP, Linken, UWG/Piraten und dem Oberbürgermeister wurden die Änderungswünsche von Unibail Rodamco angenommen, während CDU und BOB wie angekündigt dagegen stimmten.


Wie geht es weiter?

Baugenehmigung: Sobald der Bauantrag für das Einkaufszentrum vorliegt, ist die Stadtverwaltung am Zuge. Ihr obliegt es, nach Prüfung aller Unterlagen die Baugenehmigung zu erteilen. Wenn es keine Beanstandungen gibt, dürfte die Baugenehmigung im Spätherbst 2018 vorliegen. Das könnte der Abriss der Schrottimmobilien am Neumarkt beginnen.

Fertigstellung: Laut Durchführungsvertrag, den die Stadt im Mai 2014 mit dem Centerinvestor abgeschlossen hat, ist Unibail Rodamco Westfield verpflichtet, das Einkaufszentrum „spätestens 36 Monate nach Erteilung der Baugenehmigung fertig zu stellen“. Zum Weihnachtsgeschäft 2021 sollten sich also die Türen des Einkaufszentrums öffnen. Sollte es zu Verzögerungen kommen, die der Investor nicht zu verantworten hat, wird die Frist zur Fertigstellung um sechs Monate verlängert. Das wäre dann Mitte 2022. Eine Fristverlängerung um 18 Monate würde gewährt, sollten sich dem Investor kurzfristig Chancen ergeben, das Center größer zu bauen. Im ersten Schritt ist ein Center mit 16500 Quadratmetern Verkaufsfläche geplant. Es kann in einem zweiten Schritt auf 21500 Quadratmeter ausgebaut werden.

Umbau Neumarkt: Die Stadt hat sich verpflichtet, den Umbau des Neumarktes bis zur Eröffnung des Einkaufzentrums abgeschlossen und zu haben und mindestens ein Jahr nach Eröffnung des Centers keine größeren Tiefbauarbeiten im Umfeld durchzuführen. Der Umbau hat im Mai mit Kanalarbeiten in der Johannisstraße begonnen. Geplant ist, den neuen Neumarkt bis 2021 komplett fertig zu stellen.

Neubauten: Im Herbst werden die Bauarbeiten auf dem so genannten Baulos 2 beginnen, das ist die Fläche vor dem Neumarkt-Carrée (mit H&M). Dort ist ein Geschäftshaus mit Hotel geplant. Parallel dazu soll das ehemalige Sportarena-Haus abgerissen und durch einen weiteren Hotelneubau ersetzt werden.