Befragung der Hochschule Osnabrück Studie zur Gesundheitsversorgung: Osnabrück deutlich vor dem Emsland

Von Cornelia Achenbach

Ein Forschungsteam der Hochschule Osnabrück hat Menschen aus der Region nach ihrer Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung befragt. Foto: dpaEin Forschungsteam der Hochschule Osnabrück hat Menschen aus der Region nach ihrer Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung befragt. Foto: dpa

Osnabrück. Wie zufrieden sind die Menschen in Stadt und Landkreis Osnabrück und dem Emsland mit der Gesundheitsversorgung? Dieser Frage stellte sich das Forschungsprojekt „Rose“ (Region Osnabrück/Emsland) der Hochschule Osnabrück.

Das Projekt startete 2016 mit einem „Rundumschlag“, wie Lisa Galler, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team „Rose“ erläutert. „Wir haben im Grunde alles abgefragt bis auf den Bereich Pflege.“

Rund 5000 Fragebögen wurden an Haushalte in der Stadt Osnabrück sowie in den Gemeinden Bad Rothenfelde, Bersenbrück, Hagen, Merzen, Ostercappeln und Wallenhorst sowie Herzlake, Lingen und Sögel im Emsland verteilt. Rund 1000 Personen nahmen an der Befragung teil. Zusätzlich wurden 875 Fragebögen in zehn Kindertagesstätten der Landkreise Osnabrück und Emsland verteilt, um noch einmal speziell auf die Gesundheitsversorgung von Kindern in der Region zu untersuchen. Hier lag die Rücklaufquote bei gut 41 Prozent.

Hier sind die Ergebnisse:

  • Versorgung der Kinder: In der gesamten Region sind die Eltern insgesamt zufrieden mit der Gesundheitsversorgung. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, sehr zufrieden oder zufrieden zu sein. Auch bei den Behandlungen war die Zufriedenheit mit fast 90 Prozent hoch, wobei 15 Prozent der Befragten keine Angaben zu dieser Fragestellung machten. Ähnliche hohe Zufriedenheitswerte wurden erzielt bei der Frage, wie schnell im Fall eines erkrankten Kindes ein Arzttermin zu bekommen sei – zumindest laut dieser Befragung scheint es keinen Ärztemangel unter Kinder- und Jugendmedizinern zu geben. Einen deutlichen Unterschied zwischen dem Landkreis Osnabrück und dem Emsland ergab die Befragung allerdings doch: Demnach stimmen rund 30 Prozent der Befragten aus den emsländischen Gemeinden der Aussage „Ich habe das Gefühl, dass es zu wenig Fachpersonal (Hebammen, Pädagogen, Kinderkrankenschwestern) in meiner Umgebung gibt“ zu, Weitere rund 20 Prozent stimmen dieser Aussage eher zu. Im Landkreis Osnabrück sind es insgesamt nur etwa 30 Prozent, die hier voll und ganz oder „eher“ zustimmen. . (Weiterlesen: Überlastung: Kinderärzte weisen kleine Patienten ab)
  • Allgemeine Gesundheitsversorgung unter dem Bundesdurchschnitt: „Wir haben bei unserem Projekt bewusst Fragen gestellt, die bereits bekannt sind, um einen bundesweiten Vergleich ziehen zu können“, sagt Prof. Markus Lüngen von der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, der das Projekt „Rose“ leitet. Auf die Frage „Wie zufrieden sind Sie insgesamt mit der Gesundheitsversorgung“ schneidet die Region Osnabrück-Emsland schlechter ab als der Bundesdurchschnitt – und das liegt vor allem an den Rückmeldungen aus dem Emsland. Foto: NOZ MEDIEN

  • Lange Wartezeiten im Emsland: Laut der Befragung des Rose-Teams waren Behandlungsverzögerungen durch Wartezeiten auf einen Termin im Emsland besonders stark ausgeprägt. 42 Prozent der Behandlungen bei einem Orthopäden (Landkreis Osnabrück: 26 Prozent, Stadt Osnabrück: 24 Prozent) und 33 Prozent der Behandlungen bei Augenärzten (Landkreis Osnabrück: 17 Prozent, Stadt Osnabrück: 21 Prozent) konnten hier nur verzögert stattfinden. Die langen Entfernungen, die Bewohner ländlicher Regionen für eine ärztliche Versorgung auf sich nehmen müssen, spiele hingegen keine Rolle, sagt Lüngen: „Die Menschen haben sich darauf eingestellt, länger zu fahren.“ Auch Interviews mit verschiedenen Experten hätten ergeben, dass die Bewohner im ländlichen Raum wissen, dass es ohne längere Anfahrt nun einmal nicht geht, und in der Regel eine Familie auch zwei Autos besitze. „Die kleineren Dörfer sind hier auch weniger ein Problem“, meint Markus Lüngen. Es seien eher die mittelgroßen Gemeinden, die unter einem Wegzug eines Arztes leiden würden. „Wer es bislang gewohnt war, seinen Arzt zu Fuß aufzusuchen, der spürt den Verlust“, sagt der Professor. (Weiterlesen: Dem nördlichen Emsland droht ein Mangel an Zahnärzten)
  • Jüngere häufiger in der Notaufnahme als Ältere: Auf die Frage „Wann haben Sie das letzte Mal eine ärztliche Leistung außerhalb der Sprechstundenzeiten (Notfall) in Anspruch genommen?“ antworteten 44 Prozent der über 65-Jährigen: „noch nie“. Bei den 18- bis 29-Jährigen und den 30-44-Jährigen lag dieser Wert bei nur rund 23 Prozent. „Das Anspruchsdenken ist bei den Jüngeren gestiegen“, sagt Projekt-Mitarbeiterin Lisa Galler. Zugleich tendieren Jüngere bei einem häuslichen Notfall eher dazu, die Notfallversorgung der ambulant tätigen Ärzte in Anspruch zu nehmen oder selbst eine Fahrt in die Krankenhausambulanz zu organisieren, während Menschen ab 65 lieber den Rettungsdienst (112) anrufen und in der eigenen Wohnung auf den Notarzt warten (67 Prozent).
  • Informationsbedürfnis: Bei der Versorgung in Notfällen (rund 45 Prozent) und der Versorgung älterer Menschen (rund 40 Prozent) wünschen sich laut der Befragung die Menschen aus der Region mehr Informationen. Wer diese Informationen liefert – ob Kommunen, Krankenkassen oder Mediziner – ist hingegen egal.

Mit einer Bewertung der Ergebnisse halten sich die Wissenschaftler zurück – es gehe hier zunächst um eine Ist-Analyse, erläutern die Mitarbeiter des Rose-Projektteams. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts, die in Kooperation mit der Stadt Osnabrück und den Landkreisen Osnabrück und Emsland durchgeführt wurde, sollen aber dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur zur Verfügung gestellt werden, das das Projekt auch gefördert wird.