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Durch Fluten viel verloren Freunde brachten Christbaumschmuck: Vier Monate nach dem Hochwasser blickt Thomas Korte anders auf die Düte

Von Mirko Nordmann

Leben an der Düte: Vor vier Monaten plätscherte der Fluss nicht so idyllisch am Haus von Thomas Korte in Georgsmarienhütte vorbei. Foto: Mirko NordmannLeben an der Düte: Vor vier Monaten plätscherte der Fluss nicht so idyllisch am Haus von Thomas Korte in Georgsmarienhütte vorbei. Foto: Mirko Nordmann

Osnabrück/ Georgsmarienhütte. Meterhoch türmen sich die Schneemassen entlang der Eisenbahnstraße im Georgsmarienhütter Stadtteil Oesede. Vor vier Monaten stapelte sich dort nasser, stinkender Unrat zu riesigen Sperrmüllbergen. Auf der anderen Seite des Hauses von Thomas Korte gibt die friedlich dahinplätschernde Düte in verschneiter Landschaft ein idyllisches Bild ab. „Ich gucke jetzt anders zur Düte“, sagt Korte, der fast sein ganzes Leben lang direkt an der Düte wohnt.

Am 27. August floss der kleine Fluss durch sein Haus und machte den Lehrer so zu einem von mehreren Tausend Menschen in der Region, die von dem Hochwasser von Hase und Düte betroffen waren.

„Es gibt Leute, die es viel schlimmer erwischt hat als uns“, betont er immer wieder und verweist auf seinen Nachbarn in Sichtweite, dem das Wasser 70 Zentimeter im Wohnbereich stand. Nur wenige Meter die Straße weiter steht das Haus Nr. 5 mit der markant-blauen Außenfassade. Das Zeitungsfoto mit den Feuerwehrleuten, die mit einem Boot vorbeifahren, dokumentierte damals die bedrohliche Dimension des Unwetters. Heute sieht man von außen, dass im Erdgeschoss noch immer kräftig für den Wiedereinzug gearbeitet wird.

Bei Familie Korte verwüstete die Flut den Keller, wo das Wasser bis auf 1,70 anstieg. „Wir hatten Angst, dass wir total absaufen“, erinnert sich Korte. Die Treppe zum Wohnbereich wurde mit Sandsäcken abgesichert, im Erdgeschoss wurde alles, was man hochstellen konnte, in Sicherheit gebracht. Schließlich wusste in der Nacht vom 26. auf den 27. August niemand, wie hoch der Wasserpegel in den kommenden Stunden noch steigen würde. Dank der Hilfe von Freunden und Feuerwehrleuten wurden mehrere große Elektrogeräte vor den Fluten gerettet. Das meiste, was nicht eine Etage höher geschafft werden konnte, musste später auf dem Müll entsorgt werden. „Dreck, Schlamm und Gestank waren das schlimmste“, sagt er.

Lange hatte Hausbesitzer Korte damals die Ruhe bewahrt, als die Wassermassen immer weiter anschwollen. Er vertraute auf die Hochwasserschutz-Sicherungen durch ein Absperrventil für die Oberwasserentwässerung und eine 60 Zentimeter hohe Mauer im Garten. Doch das Wasser stieg weiter, und der Keller lief voll. Irgendwann zogen sich die Männer und Frauen, die stundenlang gegen das eindringende Wasser gekämpft hatten, zurück, weil der Strom immer noch lief. Später musste die Familie einige Tage ohne elektrisches Licht, warmes Essen vom Gasherd und ohne eine heiße Dusche auskommen. Weil die heruntergelassenen Fensterjalousien mit einem elektrischen Antrieb hochgezogen werden müssen, sitzt die Familie im Dunkeln. „Da sieht man, wie abhängig man ist“, sagt Korte kopfschüttelnd.

Mehrere Monate dauert es schließlich, bis die Kellerräume wieder auf Vordermann gebracht worden sind. Zwei Wochen warten die Kortes auf eine neue Heizungsanlage. Auch die Elektrik im Keller muss neu gemacht werden. An der Garageneinfahrt zeugt noch heute eine hellbraune Linie den Stand des Hochwassers.

Gerade an den Weihnachtsfeiertagen wurde die Familie wieder einmal daran erinnert, was alles im Keller lagerte und durch das Wasser zerstört wurde. Freunde brachten neuen Christbaumschmuck, einen Raclettegrill für das Festtagsessen musste man leihen. Manchmal erinnert man sich erst auf dem Weg in den Keller, dass das, was man heraufholen will, nicht mehr da ist.

Neben den materiellen Werten wiegt freilich auch der Verlust von Ideellem wie Andenken, Fotos und Erinnerungsstücken schwer. „Das war ein großer Schlag ins Kontor“, gesteht Korte, „aber trotzdem können wir sagen: Wir sind glimpflich davongekommen.“