Konzert in der VW-Werkshalle 2 Die Morgenland All Star Band im industriellen Umfeld

Kultur trifft Industrie: Michael Dreyer, der Festival-Leiter des Morgenland Festivals, und VW-Geschäftsführer Ulrich Riestenpatt gt. Richter unterhalten sich in der Werkshalle 2 des VW-Werks. Am Samstag spielt hier die Morgenland All Star Band. Foto: Michael GründelKultur trifft Industrie: Michael Dreyer, der Festival-Leiter des Morgenland Festivals, und VW-Geschäftsführer Ulrich Riestenpatt gt. Richter unterhalten sich in der Werkshalle 2 des VW-Werks. Am Samstag spielt hier die Morgenland All Star Band. Foto: Michael Gründel

Das Morgenland Festival Osnabrück hat in diesem Jahr einen neuen und sehr besonderen Spielort aufgetan: Die Morgenland All Star Band spielt in der Werkshalle 2 des VW-Werks.

Als Erstes fällt der Geruch auf: nach funkensprühenden Flex-Scheiben, Schweißnähten und heißem Metall. Ulrich Riestenpatt gt. Richter liebt das. „Dieser Geruch hat was“, sagt der drahtige Herr; man hört seiner Stimme an, wie ihn dieses sinnliche Erleben freut, und man sieht es im Leuchten der Augen hinter der randlosen Brille und in seinem Lächeln. „Es ist schon großartig hier“, sagt er wenig später. Und er meint das nicht, weil hier tonnenschwere Werkzeuge Blechplatten zu Heckklappen oder Kotflügel für VW und Porsche, Skoda oder Bentley pressen. Er meint das, weil die halbe Halle leer geräumt ist, um Platz zu schaffen für das Konzert der Morgenland All Star Band. Weiterlesen: Die All Star Band beim Konzert auf dem Marktplatz

Werkshalle wird zum Konzertsaal

Richter leitet das Osnabrücker VW-Werk. Der Niederlassung geht es gut; im Frühjahr hatte der Mutterkonzern in Wolfsburg angekündigt, 80 Millionen Euro in das Werk zu investieren; eine veritable Standortsicherung. Richter versteht sich aber nicht nur als kühler Unternehmer – und er wirkt auch gar nicht so. „Beim jährlichen Treffen mit Oberbürgermeister Wolfgang Griesert haben wir über eine mögliche Zusammenarbeit mit der Stadt gesprochen“, sagt er. „Wir suchten nach einer schönen Kombination.“ Die zündende Idee hatte, so Richter, Kulturdezernent Wolfgang Beckermann: Der brachte das Morgenland Festival ins Spiel. Um Ostern trafen sich Festivalleiter Michael Dreyer und Richter zum ersten Mal, und beiden fanden Gefallen an der Idee, die Werkshalle 2 zum Konzertsaal umzufunktionieren. Weiterlesen: VW baut das T-Roc-Cabrio

Hätte Dreyer geahnt, wie aufwendig sich die Vorbereitung eines derartigen Konzerts gestaltet, womöglich hätte er dann nicht so locker zugesagt. Denn auf das erste Treffen folgten Ortsbegehungen mit dem Tontechniker, mit Werks- und Brandschutz – besondere Orte erfordern eben besondere Maßnahmen. „Das war schon rasant knapp“, sagt Dreyer. Seine Euphorie bremste das aber nicht. Und Richter ist mittlerweile zum Fan der Morgenland All Star Band geworden, auch wenn er die Formation bis jetzt lediglich via Youtube gehört hat. Weiterlesen: Rony Barrak, das Groovemonster der Morgenland All Stars

„Der Stadt und den Bürgern etwas zurückgeben“

Am Samstag wird er sie live erleben und einlösen, was für ihn zum Selbstverständnis als Mitarbeiter des VW-Konzerns gehört. „Ich glaube, wir können so der Stadt und den Bürgern etwas zurückgeben“, sagt er; ein Satz, den er, leicht variiert, öfter sagt. „VW hat sich immer kulturell engagiert“, sagt er weiter, „und ich habe so etwas auch schon in anderen Werken gemacht.“ Das Morgenland Festival scheint dabei der ideale Partner zu sein, weil ein großer Teil seines Reizes aus der Begegnung unterschiedlicher Kulturen entsteht. Damit richtet sich das Konzert auch die Belegschaft, denn: „28 Nationen arbeiten hier“, sagt Richter. Damit spiegelt das kulturelle Engagement eine Realität im VW-Werk Osnabrück wider. Tatsächlich hat Ulrich Riestenpatt gt. Richter in Michael Dreyer einen Partner gefunden, der genauso begeisterungsfähig ist, wie er selbst. Dreyer hat denn auch ein besonderes Konzert bei VW konzipiert: Zunächst werden Studierende des Instituts für Musik die klanglichen Ergebnisse des Workshops Morgenland Campus präsentieren. Nach der Pause spielt die Morgenland All Star Band in der Besetzung, die am Sonntag den Pierre-Boulez-Saal in Berlin zum Kochen gebracht hat. In Osnabrück kommt dazu die Illumination durch den Lichtkünstler Philipp Geist. Und natürlich die unverwechselbare Industrieatmosphäre in der Werkshalle 2.


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