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Optische Täuschung in Perfektion Galerie Letsah zeigt Werke von Sigrid Oltmann

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Stillleben mit morbider Note: ein Fasan in Auflösung und Kirschen, prall wie das Leben. Foto: Klaus LindemannStillleben mit morbider Note: ein Fasan in Auflösung und Kirschen, prall wie das Leben. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Wer zurzeit die Galerie Letsah besucht, sollte Fantasie mitbringen. Obwohl die dort ausstellende Künstlerin Sigrid Oltmann keineswegs abstrakt arbeitet, führt sie den Betrachter mit ihren Stillleben und Trompe-l’œils (illusionistische Bilder, die nicht vorhandene Räumlichkeit vortäuschen) aufs Glatteis. Denn nicht alles, was Oltmann in realistischer Manier malt, hat in der Wirklichkeit Bestand. Und bisweilen bekommen die Bilddetails geradezu surrealistische Züge.

Zum Beispiel das Werk „Gründonnerstag“: Natürlich erzählt das Werk mit den Tulpen in einem Tonkrug eine Geschichte, die mit einer gewissen Abneigung der Künstlerin gegenüber Passion und Auferstehung Jesu zu tun hat. Da findet man autobiografische Hinweise wie Pinsel und Palette, da schaut ein schlauer Vogel hinter dem Topf hervor, da befinden sich zwei Füße, die unvermittelt in einem schwarzen Gekrackel enden, und in einem Akt der Zerstörung wurden Blüten des üppigen Blumenstraußes mit roter Farbe übermalt. Das an ikonologischen Hinweisen reiche Bild ist zur Interpretation freigegeben: „Ich mag es eigentlich nicht, wenn der Betrachter zu sehr ins Bild und in seine Thematik geführt wird“, sagt Oltmann. Es müsse genug Platz für eigene Bewertungen und Assoziationen sein.

Kein Problem, wenn man sich „Birdy“ anschaut, einen aufgehängten Fasan, der bereits beginnt, sich zu zersetzen, und eine Blutspur zu einer Schüssel mit reifen Kirschen zieht. „Japanisches Trompe-l’œil“ nennt die in der Nähe von Frankfurt lebende Künstlerin derweil ein Werk, mit dem sie die optische Täuschung perfektioniert, indem sie dem Bild einen Rahmen im Rahmen malt, in dem Zettel mit japanischen Schriftzeichen aufgeklebt sind und in der ein zerknülltes Papier eine Metamorphose zu menschlichen Fingern vollzieht. Geheimnisvoll schaut einen dagegen ein Auge aus einem Leopardenfell an, das in einem Bild mit dem vielsagenden Titel „Im Käfig“ auftaucht.

„Damals war ich es“ heißt die Ausstellung, ein Titel, der Bezug nimmt auf die Zeit zwischen 1985 und 1989, als Oltmann Vorsitzende des Bundes Bildender Künstler (BBK Osnabrück-Emsland) war und in dieser Funktion regionalen Künstlern fördernd unter die Arme gegriffen hat.

Galerie Letsah, Süntelstraße 49: „Damals war ich es“. Bilder von Sigrid Oltmann. Bis 3. Juli, Do.–So. 14–19 Uhr und nach Vereinbarung.

Tel. 0541/6001255.


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