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Bürgermeister, Bauernbefreier und Historiker

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An Johann Carl Bertram Stüve erinnert in Osnabrück ein Denkmal, und eine Grundschule wurde nach ihm benannt. Als "Bauernbefreier" und "Bürgerfreund" feiern Stüve noch zwei Bronzetafeln, ganz versteckt aufgehängt in der Dielingerstraße: Diese beiden Platten kommen nun als Abgüsse auch in die Stüveschule in Schinkel.

Es war der Wunsch des scheidenden Schulleiters Tilman Pauli: In seiner frisch renovierten Schule sollten auch die beiden Denkmalplatten angebracht werden, die an die segensreiche Tätigkeit von Johann Carl Bertram Stüve (1798 bis 1872) erinnern. Weil die Platten aber in den letzten Jahren gewissermaßen mit der Wand im Durchgang zum Steinwerk Dielingerstraße 13 "verwachsen" sind und vom Haus nicht entfernt werden können, bekommt die Stüveschule morgen zwei Abgüsse als Geschenk von der Stadt.

Dabei haben die beiden Relieftafeln ohnehin eine verwickelte Geschichte. 1882 widmeten die Osnabrücker ihrem langjährigen Bürgermeister (und Stadthistoriker) Stüve zu seinem zehnten Todestag ein Denkmal in Über-Lebensgröße. Die Ausführung des Standbilds und der Tafeln am Sockel wurde dem Berliner Professor Heinrich Pohlmann übertragen. Den Ausschlag dafür gab die Ähnlichkeit der Gesichtszüge, so hieß es. Dass Pohlmann in Berlin lebte und damit kein "Hannoveraner" war, stand der Entscheidung in Zeiten der noch nicht ganz überwundenen Kleinstaaterei ja entgegen - bis jemand entdeckte, dass der Bildhauer immerhin in Scheventorf bei Iburg geboren war und damit doch als Landeskind gelten konnte.

Bis zum Jahr 1935 stand der Stüve auf dem Marktplatz, dort musste er dann den Parteiaufmärschen der NSDAP weichen. 1943 sollte er als "Denkmal ohne künstlerischen Wert" eingeschmolzen werden und überlebte im Kohlenkeller des Museums, von wo er dann 1948 in die Grünanlage vor dem Heger Tor wanderte.

Die beiden Bronzetafeln vom Sockel zeigen Stüve als "Bauernfreund" und als "Bürgerfreund". Das erinnert an seine Initiative für die Ablösungsverordnung in Hannover vom Jahr 1833, womit die leibeigenen Bauern sich endlich aus der wirtschaftlichen und persönlichen Abhängigkeit vom Grundherrn befreien konnten.

1852 wurde Stüve Bürgermeister von Osnabrück. Jetzt kümmerte er sich um die Modernisierung seiner Stadt: Eisenbahnbau, Gaswerk, Kanalisation, aber auch der Bau des ersten Krankenhauses vor dem Heger Tor gehen auf sein Konto. Die zweite Relieftafel feiert ihn deshalb als sozialen Wohltäter. Und neben ihm mit dem Aktenkoffer steht der alte Ratsdiener Landmeyer, von dem die selbstbewusste Redensart überliefert ist "Ick un de Bürgermeester", weil er unter sechs Bürgermeistern seines Amtes gewaltet hat.


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