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Tollkühme Männer auf der Netter Heide Martin Frauenheim berichtet über die Osnabrücker Luftfahrtgeschichte

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Osnabrück. Denkmalschutz wird meistens mit Burgen, Schlössern und Kirchen in Verbindung gebracht. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) nimmt sich aber auch der Technikgeschichte an. Auf einer Vortragsveranstaltung des DSD-Ortskuratoriums im Flugplatz-Lokal Atterheide blätterte der Luftfahrt-Historiker Martin Frauenheim in den Annalen der teils kuriosen Osnabrücker Luftfahrtgeschichte.

Verbindendes Element zwischen der DSD und dem Hobby-Piloten Martin Frauenheim ist der ehemalige Flugzeug-Hangar Netter Heide von 1911. Das denkmalgeschützte Relikt des ersten Osnabrücker Verkehrslandeplatzes Netter Heide gilt als älteste erhaltene Flugzeughalle Deutschlands, vielleicht sogar Europas. Das Osnabrücker DSD-Ortskuratorium hatte im vergangenen September am „Tag des offenen Denkmals“ zu Führungen durch den 600 Quadratmeter frei überspannenden Stahlbetonbau eingeladen.

„Wir hatten mit mäßigem Interesse der Öffentlichkeit gerechnet“, so Ortskuratorin Heike Knöpke, „doch dann konnte sich Martin Frauenheim, den wir für die Führungen gewonnen hatten, nicht mal eine Tasse Kaffee zwischendurch gönnen, so lebhaft war das Interesse.“ Knöpke und Frauenheim stellten fest, dass die meisten Osnabrücker gar nicht wissen, dass Osnabrück von 1914 bis 1934 hier seinen ersten Flugplatz besaß, bis die Wehrmacht das Gelände übernahm und die Winkelhausen-Kasernen mitten auf die Start- und Landebahn baute. Die Idee zu einem breiter angelegten Streifzug durch die Osnabrücker Luftfahrtgeschichte wurde geboren, die Frauenheim jetzt im voll besetzten Flughafen-Lokal in Atter einlöste.

Dabei ging der 64-jährige Maschinenbautechniker und langjährige ehrenamtliche Bürgermeister Hagens natürlich auf Osnabrücks „ersten Sturz- und Schleifenflieger“ Gustav Tweer und auf den Raketen-Pionier Reinhold Tiling ein. Ebenso erzählte er vom Bauherrn des ersten Hangars auf der Netterheide, Ernst Friedemeyer, der 1911 als 15-Jähriger erst ein Flugzeug konstruierte und danach, in dieser Reihenfolge, Flugunterricht nahm, um das Pilotenzeugnis zu erwerben. Sein Partner Evering kehrte ihm den Rücken, als der erste Flugtag am 22. Oktober 1911 in einem finanziellen Desaster endete.

Friedemeyer gewann einen neuen Partner: Hermann Patberg. Der brachte sich durch Rollen auf dem Boden und kleine Sprünge auf dem Friedemeyer’schen Flugapparat selbst das Fliegen bei. 1912 leitete eine Bruchlandung das Ende der „Flugzeug-Baugesellschaft Osnabrück“ ein. Im Osnabrücker Tageblatt hieß es: „Beim Niedergehen musste das Flugzeug, um nicht in eine Schar zuschauender Kinder zu fahren, eine scharfe Schwenkung machen, wobei ein Anprall gegen einen Baum erfolgte.“

Wenn damals ein Aeroplan 500 Flugstunden „bruchlos“ überstand, war es Grund für eine positive Erwähnung. Erst nach dem Ersten Weltkrieg verlor der Flugbetrieb das Flair einer „vagabundistischen Zirkusattraktion“, so Frauenheim. In den Jahren 1925 bis 1933 starteten von der Netter Heide aus viersitzige Focke-Wulf „Möwe“, später auch größere Linienmaschinen der „Luftverkehr Osnabrück G.m.b.H.“ und der „Deutschen Luft Hansa AG“ etwa nach Dortmund und Frankfurt oder nach Bremen und Wangerooge. Adolf Hitler landete 1932 mit einer dreimotorigen Junkers JU 52, um eine Wahlkampfrede auf dem Klushügel zu halten.


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