Strafantrag Porschefahrer kann die Finger nicht vom Steuer lassen

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Osnabrück. Eigentlich war die Warnung des Gerichts ja eindeutig: 18 Monate Führerscheinsperre und sechs Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung gab es im vergangenen Jahr für einen Porschefahrer wegen seines rüpelhaften Verkehrsverhaltens. Doch der Mann mochte aufs Fahren nicht verzichten. Das könnte sich jetzt rächen.

Zweimaliges Fahren ohne Führerschein wirft die Staatsanwaltschaft dem zur Zeit seiner ersten Verurteilung 73 Jahre alten Autofahrer vor, am 23. Januar und am 6. Februar dieses Jahres. Das Amtsgerichtsurteil vom November 2017 hatte da bereits Rechtskraft erlangt.

„Wir haben einen Strafbefehl über 50 Tagessätze zu jeweils 200 Euro beantragt“, so Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer auf Nachfrage unserer Redaktion. Das macht in der Summe stolze 10.000 Euro. Dem Porschefahrer bleiben nun zwei Möglichkeiten: Entweder er akzeptiert den Strafbefehl oder er legt Einspruch ein, was ihm im Falle einer neuerlichen Hauptverhandlung ein Wiedersehen mit den Gerichtssälen des Osnabrücker Amtsgerichts bescheren würde.

Gegen den Strafbefehl sei bereits Einspruch eingelegt worden, so der Sprecher des Amtsgerichts, Ansgar Buß. Ob es zu einer Hauptverhandlung komme, bleibe abzuwarten. Geht es nach dem Anwalt des Porschefahrers, wird das nicht der Fall sein. Hans-Heino Beimesche aus Lingen vertritt den Mann. Seinen Worten nach hat er in Verhandlungen mit der Staatsanwaltschaft den Vorwurf des Vorsatzes bereits aus der Welt schaffen können. Sein Mandant habe von dem Inkrafttreten des Fahrverbots nichts gewusst. Er hätte es zwar wissen können, aber nicht unbedingt wissen müssen, so Beimesche. Das habe er auch der Staatsanwaltschaft so vermitteln können. Auch stehe nur noch ein Verstoß gegen das Fahrverbot zur Debatte. Derzeit gehe es, so Beimesche weiter, noch um die Höhe der Geldbuße. Ob es zu einem neuerlichen Verfahren vor dem Amtsgericht kommt, ist also noch ungewiss. Ganz ohne Strafe wird der Porschefahrer aber wohl nicht davonkommen.

Spannend bleibt die Frage, ob es auch noch zu einem Widerruf der Bewährung aus dem ersten Urteil kommt. Zur Erinnerung: Der Mann war im November des vergangenen Jahres vom Amtsgericht zu sechs Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu einer zweijährigen Bewährungszeit, 3000 Euro für die Opferhilfe Niedersachsen und einer 18-monatigen Führerscheinsperre verurteilt worden, weil die Richterin es für erwiesen hielt, dass der Cayenne-Fahrer in einem besonders schweren Fall Widerstand gegen zwei Vollzugsbeamte geleistet hatte, als diese ihn am 11. Januar 2017, stoppen wollten, weil er auf seinem Weg von Fürstenau nach Osnabrück die erlaubte Geschwindigkeit überschritten hatte. Der Fahrer habe versucht, die Polizisten mit seinem schweren Fahrzeug abzudrängen, zeigte sich die Richterin seinerzeit überzeugt. Der 73-Jährige hatte das Urteil damals akzeptiert.

Dass er sich dann aber doch kurze Zeit später wieder ans Steuer setzte, könnte nun Einfluss auf seine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe haben. Die Staatsanwaltschaft kann beim Amtsgericht den Antrag stellen, die Bewährung zu widerrufen. Sollte das Amtsgericht einem solchen Antrag folgen, wäre für ein halbes Jahr definitiv Schluss mit Porschefahren, denn dann müsste der 73-Jährige einrücken und den sechsmonatigen Freiheitsentzug absitzen, den ihm das Amtsgericht im ersten Verfahren verordnet hatte. Hierzu wollte sich Beimesche nicht äußern. Das sei dann Sache der Anwälte aus dem ersten Verfahren.

Das Verfahren gegen die Ehefrau des Potschefahrers, weil sie ihn im Wissen um die Tatsache, dass sein Führerschein eingezogen sei, habe fahren lassen, sei bereits ohne Auflagen eingestellt, so Beimesche.


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