Student der Hochschule Osnabrück Osnabrücker entwickelt App für Frauen mit Fehlgeburten

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Der Osnabrücker Designstudent Tim Moesgen hat eine App namens „Not Alone“ entwickelt, die Frauen mit Fehlgeburten vernetzen kann. Foto: Hochschule OsnabrückDer Osnabrücker Designstudent Tim Moesgen hat eine App namens „Not Alone“ entwickelt, die Frauen mit Fehlgeburten vernetzen kann. Foto: Hochschule Osnabrück

Osnabrück. Jede fünfte Schwangerschaft in Deutschland endet mit einer Fehlgeburt. Um Betroffene miteinander in Kontakt zu bringen, hat Designstudent Tim Moesgen von der Hochschule Osnabrück die App „Not Alone“ entworfen. Bei der bedeutendsten Konferenz für Mensch-Maschine-Interaktionen in Kanada wurde die Anwendung vorgestellt.

Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben, macht der Verlust in der Regel noch lange schwer zu schaffen. In ihre Trauer mischt sich oft Einsamkeit. Die App „Not Alone“ (Nicht allein) will den Betroffenen helfen, sich gegenseitig auszutauschen und zu ermutigen. (Weiterlesen: Wenn Frauen früh ihr Kind verlieren)

Technische Lösung für menschliche Probleme

Konzipiert wurde die Anwendung von dem Osnabrücker Hochschulstudenten Tim Moesgen während eines Praktikums an der Drexel University in Philadelphia (USA). „Es war immer mein Traum, nicht bloß schöne Dinge zu designen, sondern mit meiner Arbeit auch Menschen zu helfen, die es in der Gesellschaft nicht so leicht haben“, sagt Moesgen, der am Campus Westerberg im Bachelorstudiengang „Media and Interaction Design“ studiert. Bei seinem Aufenthalt in Amerika habe er in einem Forschungslabor mitgearbeitet, wo sich die Wissenschaftler unter anderem genau mit der Frage beschäftigen, wie sich Probleme von sozial benachteiligten Gruppen mithilfe geeigneter Technologien lösen lassen. Dieser Ansatz habe ihm gefallen.

„Not Alone“ schafft Alternative zum überforderten Umfeld

Zusammen mit der Doktorandin Nazanin Andalibi, die in ihrer Dissertation an der US-Hochschule der Frage nachgeht, welche Art von Technologie speziell für Frauen mit Fehlgeburten bei der Aufarbeitung hilfreich sein könnte, plante Moesgen schließlich die Plattform „Not Alone“. Denn eine Umfrage zu Beginn habe gezeigt, „dass gerade der Wunsch nach Austausch und Vernetzung mit anderen Betroffenen groß ist“, erklärt der Osnabrücker. Da das persönliche Umfeld mit dem Thema Fehlgeburt meist überfordert sei, gebe es für die Frauen im Alltag kaum Gelegenheiten, um über den Tod des Kindes im Mutterleib zu reden. „Und so war die Idee eines eigenen sozialen Netzwerks in Form einer App geboren.“ (Weiterlesen: Fünf Fakten zur stillen Geburt)

Funktionale und nutzerfreundliche Gestaltung

Für die praktische Umsetzung war Moesgen schließlich allein zuständig. „Uns war zwar klar, was die App können sollte. Nämlich Vernetzung und Austausch bieten, sowohl durch persönliche Nachrichten als auch über öffentliche Beiträge.“ Doch von der Theorie bis zum Prototypen war es ein weiter Weg. Insgesamt fünf Monate war der Student der Hochschule Osnabrück damit beschäftigt, die App nicht nur funktional, sondern auch nutzerfreundlich zu gestalten.

Heraus kam ein handliches Programm, in dem Nutzerinnen unter dem Schutzmantel eines Pseudonyms und beliebigen Profilbildes ihre Erfahrungen rund um die Fehlgeburt miteinander teilen können – so anonym und diskret, aber auch so offen und ehrlich, wie es den jeweiligen Vorlieben entspricht. Kommentarfelder und Symboltasten erlauben es, auf Einträge zu reagieren und Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Ortsangaben helfen, Leidensgenossinnen in der Nähe zu finden. Darüber hinaus ermöglicht die App einen Kontaktabgleich mit sozialen Medien wie Facebook, Instagram oder auch Twitter. (Weiterlesen: Alles zum Thema Schwangerschaft auf noz.de/schwangerschaft)

Zukunft der App ist offen

Alles in allem eine Idee, die auch die Fachwelt aufhorchen ließ: Im April wurden Moesgen und Andalibi zur bedeutendsten wissenschaftlichen Konferenz für Mensch-Maschine-Interaktionen nach Montreal in Kanada eingeladen. Für den Osnabrücker war die „CHI Conference“ (Computer-Human Interaction) ein einmaliges Erlebnis: „Ich hätte mir nie träumen lassen, einmal bei so einem renommierten Event ein eigenes Projekt vorstellen zu dürfen.“

„Der Wunsch nach Austausch und Vernetzung mit anderen Betroffenen ist groß“

Wie es nun mit der App weitergeht, sei noch nicht ganz klar. Es könne durchaus sein, dass „Not Alone“ in der jetzigen Form gar nicht an den Start gehen wird. „Dazu müssten erst noch weitere Tests durchgeführt werden“, sagt der Student. In erster Linie hätten er und seine amerikanische Kollegin wissenschaftliche Pionierarbeit leisten wollen. Andere Forscher können und sollen jetzt darauf aufbauen.


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