Im Einklang mit der Natur Erstes Picknick-Konzert im Botanischen Garten

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Besondere Atmosphäre 
              
              und Natur-Akustik beim Picknick-Konzert mit der Jungen Philharmonie im Botanischen Garten. Foto: Swaantje HehmannBesondere Atmosphäre und Natur-Akustik beim Picknick-Konzert mit der Jungen Philharmonie im Botanischen Garten. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Das Experiment ist geglückt: Der Botanische Garten der Universität wurde am Samstagabend dank des Euregio Musikfestivals zum luftigsten und grünsten Konzertsaal der Stadt – Cellist Manuel Lipstein und die Junge Philharmonie verbanden Klassik mit Vogelgezwitscher.    

Dabei behielten sich die Veranstalter noch bis zum Nachmittag vor, das Konzert aufgrund einer Gewitterwarnung in die Aula des gegenüberliegenden Hochschulgebäudes zu verlegen. Als sich dann aber sogar Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Bäume auf die Picknickwiese zwischen Tropenhaus und Steinbruch bannten, konnten die Decken ausgebreitet und die kulinarischen und klingenden Leckerbissen angerichtet werden. Dabei erwies sich Frederick Delius´ fast lautmalerisch anmutende Vertonung des „ersten Kuckucksrufs des Frühlings“ als vortreffliche Wahl für das musikalische Amuse-Gueule unter freiem Himmel – trotz bereits sommerlicher Temperaturen. In zart fließendem Tempo setzte die Junge Philharmonie Osnabrück die Töne in harmonischen Einklang mit den realen Vogelstimmen aus der sie umgebenden Natur.

Abgesang und Aufbruch

Der erste Hauptgang stand hernach ganz im Zeichen des diesjährigen thematischen Schwerpunkts des Euregio Musikfestivals, dem Cello. Als junger Meister dieses Instruments brillierte der erst 16-jährige Manuel Lipstein im Rahmen des Cellokonzerts op. 85 von Edward Elgar, das unter dem Eindruck des Endes und der Folgen des Ersten Weltkriegs auch als melancholischer Abgesang auf eine glanzvolle Epoche und gleichzeitig vorsichtige, grüblerische Aufbruchsfanfare in ein neues Zeitalter gelesen werden kann.  Fehlerfrei und mit höchster Konzentration begleitete das von Christopher Wasmuth souverän geleitete Orchester den bereits mehrfach ausgezeichneten Nachwuchscellisten bei der anspruchsvollen, meisterhaft gelösten Aufgabe, diese Ambivalenz mit angemessenem Pathos, frischem Wind und parallel zur wogenden Bewegung der Grashalme virtuos in mal ruhend sanft, mal zackig unruhig, mal energisch dramatisch gestrichene und mitunter gar neckisch gezupfte Tonfolgen zu transformieren. Als barocke Solo-Zugabe wählte Lipstein die Sarabande aus der vierten Cello Suite von Johann Sebastian Bach.

Musik lag in der Luft

Nach der Pause zeigte sich die Junge Philharmonie ganz in ihrem Element, als sie in die Abenddämmerung hinein Antonin Dvoraks achte Sinfonie in G-Dur zum Besten gab. Auch das entpuppte sich als zur Sommerstimmung passende Wahl, handelt es sich doch um ein vergleichsweise fröhlich-gelöste, überwiegend freudig erregte und in den umrahmenden Allegri zuweilen gar melodie- und schunkelselige Komposition mit naturgemäß erhöhtem Bläsereinsatz. Nicht nur das Adagio lud hingegen zwischendurch auch zum entspannten Zurücklehnen und Genießen der frischen, mit Musik erfüllten Luft ein. Als in zunehmender Dunkelheit Bühne und Bäume in warmes Licht getaucht worden waren, wurde zum Desert des englischen Musik-Menüs noch einmal Tee serviert: Dmitri Shostakovics als Musical-Nummer „Tea For Two“ bekannt gewordener „Tahiti Trot“ kam mit fröhlich klimperndem Vibrafon und erschöpft seufzenden Bläsern beim Picknick-Publikum so gut an, dass sogar noch ein zweiter Aufguss in tieferer Tonlage nachgereicht werden musste.


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