Ist uns die Erde untertan? „Smart Nature“: Acht künstlerische Positionen im Kunstraum Hase29

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Zurück zur Natur? Kristalle wuchern hier. Foto: Jörn MartensZurück zur Natur? Kristalle wuchern hier. Foto: Jörn Martens

Osnabrück „Smart Nature“ lautet der Titel einer neuen Ausstellung im Kunstraum Hase29, mit der acht Künstler Funktion und Stellenwert natürlicher Prozesse in Frage stellen.

Das schussartige Geräusch eines Tackers hallt durch den Raum. Jemand befestigt mit dem Werkzeug silbrige Folie auf einem sechseckigen Rahmen. Dann positioniert er das schillernde Artefakt an einer Art überdimensionalem Fußball, der durch Holzstäbe gehalten wird und innen von Neonleuchten illuminiert wird. „Boogaboo“ heißt das Gebilde, das Andreas Gehlen gerade im Kunstraum Hase29 zusammenbaut.

Gehlen ist einer von acht Künstlern, die vom Kuratorenteam der Galerie zu einer Ausstellung eingeladen wurden, die sich, parallel zur Landesgartenschau in Bad Iburg, mit dem Thema Natur beschäftigt. „Smart Natur“ lautet der Titel der Kunstschau, die künstlerisch einem Phänomen nachspürt, das auch als „Anthropozän“ bezeichnet wird. Mit dem Begriff wollen Forscher untermauern, dass wir in einem Zeitalter leben, das von dem massiven Einfluss des Menschen auf biologische und geologische Prozesse auf der Erde geprägt ist. Haben wir uns die Erde untertan gemacht? Ist der Erdball heute wirklich zum Instrument der Menschen geworden?

Begnügen wir uns etwa mit einem Stück Kunstrasen, wenn wir ein Naturerlebnis haben wollen? Das suggeriert die kroatische Künstlerin Vlatka Horvat mit ihrer Installation „Always Greener“. Dafür legt sie 35 handelsübliche Stücke Kunstrasen aus, unterschiedliche Sorten und Fabrikate, tote Materie, die nach ihrer Nutzung möglicherweise als Mikroplastik im Meer landet.

Acht unterschiedliche Aspekte von „smart nature“ liefern die von Elisabeth Lumme, Michael Kröger und Tim Roßberg ausgewählten Künstler. Hier entsteht aus kleinen, hölzernen Mosaikteilen eine Flusslandschaft, dort überwuchern Kristalle diverse Alltagsgegenstände, und auf zusammengesetzten Papierstücken findet man eine skurrile Art Roadmap eines Bauernhofs.

Fabian Bürgy stellt seinen „Embryomat“ auf. Es handelt sich um einen Apparat im Stil der 70er-Jahre: Man warf eine Münze ein, und aus einem dunklen Kanal rollte eine Kaugummikugel oder ein Plastikring. Bürgy modifiziert das nostalgische Gerät und füllt es heute mit Embryo-Figuren, die er mithilfe eines 3-D-Druckers anfertigen lässt. Statt Spaß und Genuss spendet der Apparat heute Anlass zum Nachdenken über Gentechnik und Überbevölkerung.

Hase 29: „Smart Nature“. 9. Juni (Eröffnung um 19 Uhr) bis 11. August, Di., Mi., Fr. 14–18 Uhr, Do. 16–20 Uhr Sa. 11–15 Uhr. Eintritt frei.


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