Grün zum Spielen und Wirtschaften Interkultureller Garten des Mütterzentrums in Osnabrück eröffnet

Mit einem Piratenfest wurde der interkulturelle Garten Sonneneck im Mütterzentrum eröffnet. Foto: André HavergoMit einem Piratenfest wurde der interkulturelle Garten Sonneneck im Mütterzentrum eröffnet. Foto: André Havergo
André Havergo

Osnabrück. Drei Jahre hat es gedauert, nun wurde er mit einem Piratenfest eingeweiht: der Garten des Vereins Mütterzentrum Osnabrück e.V. Gestaltet wurde er mit finanzieller Unterstützung der Bohnenkamp-Stiftung und mit dem tatkräftigen Einsatz der Mitarbeiter der "Möwe".

Man sieht sofort, dass die kleinen Piraten, die durch den Garten wuseln, aus aller Herren Länder kommen. „Bei uns im Mütterzentrum treffen sich viel Kulturen und Nationen“, sagt die Vorsitzende des „Vereins Mütterzentrum Osnabrück e.V.“, Malu Piepenbrink, die selbst aus Brasilien kommt. Gemeinsam ist ihnen, „dass die meisten nur kleine Wohnungen haben und kein Grün drumherum“, so Piepenbrink. „Dafür haben wir jetzt diesen großen gemeinsamen Garten.“ Und in dem duftet es an diesem Sonntag nach Würstchen und Kaffee, nach frisch gemähtem Gras und frischen Kräutern.

Der „interkulturelle Garten Sonneneck“ ist ein echtes Paradies: die Wiese zum Herumtollen, der große Sandkasten mit Matschanlage, der Rutschhügel, die Sonnensegel. Und dazu Hochbeete für Kräuter und Gemüse, Obstbäume, Blumen, ein Grillplatz, Bänke und Sitzsäcke, Holzhütten für Werkzeug, Spielzeug und Toiletten. „Wir haben hier zwei Kleingärten zusammenlegt“, sagt Malu Piepenbrink. 

Einen Garten zu finden, war nicht leicht

Von der ersten Idee bis zur Garteneröffnung am Sonntag hat es Jahre gedauert. „Das erste Problem war, überhaupt einen Garten zu finden“, sagt Anna-Maria Schmitz-Hülsmann vom Mütterzentrum. „Die meisten Kleingartenvereine haben gleich abgewunken; die wollten uns und unsere Kinder nicht.“ Fündig geworden ist das Mütterzentrum dann im Kleingartenverein Süd in Nahne. „Die Vorsitzende, Anna Böer, hat uns in allem unterstützt“, sagt Malu Piepenbrink.

Doch wie macht man aus einer heruntergekommenen Grünfläche oben auf dem Berg und ganz am Ende des Weges einen Garten? Unter anderem mit Hilfe der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung. „Das Mütterzentrum ist mit der Frage auf uns zugekommen, ob wir das Projekt finanziell unterstützen können“, sagt Michael Prior, Geschäftsführer der Bohnenkamp-Stiftung. „Was uns daran gefiel ist, dass es um naturnahes Lernen geht, das liegt uns besonders am Herzen.“ Und, dass die Stiftung das Projekt nicht nur bezahlen sollte, sondern auch begleiten konnte. „Wir haben das Mütterzentrum mit der Möwe zusammengebracht, weil wir es gut fanden, dass ein soziales Unternehmen diesen Garten baut.“

„Für uns war das auch ein Glücksfall“, sagt Thomas Schulke, Betriebsleiter der Möwe, einer gemeinnützigen GmbH. „Wir beschäftigen viele Langzeitarbeitslose, Migranten und Flüchtlinge. An einem sozialen Projekt zu arbeiten, war für unsere Leute etwas besonders Schönes.“ Das aber mit viel Arbeit verbunden war. „Jeder Stein und jeder Sandsack musste mit der Schubkarre hier rauf befördert werden“, sagt Schulke. Und neben Kraft war auch Geduld erforderlich. „Es gab immer wieder neue Ideen, die umgesetzt werden sollten. So manches Mal haben wir etwas, das schon halb fertig war, wieder umgeplant.“

Einbrüche und Sturm

Auch sonst war manchmal der Wurm drin. „Zweimal wurde eingebrochen, und Werkzeug wurde gestohlen“, sagt Anna-Maria Schmitz-Hülsmann. „Und als unser Gartenhaus gerade fertig war, kam ein Sturm und hat es wieder abgedeckt.“ Doch das Durchhaltevermögen hat sich gelohnt. „Wir kommen jetzt schon regelmäßig mit den Kindern aus unserer Tagespflege-Gruppe hierher“, sagt Malu Piepenbrink. „Und für Mütter und Kinder planen wir Kurse, in denen wir gemeinsam den Garten pflegen, Gemüse und Kräuter anbauen, ernten, kochen und essen.“

Ein Garten, sagt Thomas Schulke von der MÖWE, „ist nicht nur Spiel und Spaß“. Er müsse auch „ordentlich bewirtschaftet werden“. Diese Aufgabe kommt jetzt auf die Frauen und Kinder des Mütterzentrums zu, aber auch auf die vielen Freiwilligen, die dort helfen. „Das Ergebnis dieser langen Umgestaltung ist einfach super“, sagt Malu Piepenbrink. „Jetzt müssen wir nur noch Leben hineinbringen.“ Das Piratenfest zur Eröffnung des Gartens war dafür schon mal ein guter Beginn.


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