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07.06.2018, 17:54 Uhr REPORTER UNTERWEGS

Beredtes Schweigen: Palästina und die Osnabrücker Delegation in Israel

Kommentar von Sandra Dorn

Moschee in der Altstadt von Jerusalem. Foto: Sandra DornMoschee in der Altstadt von Jerusalem. Foto: Sandra Dorn

Osnabrück. Israel präsentierte sich der Osnabrücker Delegation als weltoffenes Hightechland. Doch wann immer Redakteurin Sandra Dorn die Themen Palästina oder arabisch-israelische Bevölkerung ansprach, wechselten ihre Gesprächspartner rasch das Thema.

Wie leben die Araber in Israel, die immerhin 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen? Werden sie benachteiligt? Welche Rolle spielen sie als Wirtschaftspartner? Die Antworten auf solche Fragen fielen stets kurz und kühl aus. Kontakte mit diesen 20 Prozent vermittelte die Außenhandelskammer nicht. Das sollte auch der Osnabrücker Delegation zu denken geben. Israel ist ein umwerfendes Land – aber dieser Graben zwischen den Bevölkerungsgruppen ist Fakt, auch wenn die Israelis, die ich traf, ihn gern vergessen machen wollen.

Eine junge Deutsch-Israelin, die erst vor einigen Jahren nach Tel Aviv gezogen ist, erzählte mir, dass die Stadt eine große Party veranstaltete, als die israelische Sängerin Netta vor wenigen Wochen den Eurovision Song Contest gewann. Am selben Tag hatten israelische Soldaten 50 Palästinenser an der Grenze zu Gaza erschossen. „Ich konnte nicht feiern“, sagte sie.

Auf dem Rückflug nach Frankfurt saß ich neben Amos, einem 59-jährigen Israeli, der für seine drei Jahre junge Softwarefirma auf dem Weg zu einer Messe war. Nein, in der Start-up-Szene spiele die arabische Bevölkerung keine Rolle, bestätigte er. Die Höherqualifizierten seien in anderen Feldern aktiv, etwa in der Medizin. Klar ist: Solange beide Gruppen nur nebeneinander, aber nicht zusammenleben, wird dieses Land nur schwer zur Ruhe kommen.


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