Logistikkonzept in Arbeit Stadt will Transporte für die Osnabrücker City bündeln


Osnabrück. Lastenräder für die letzte Meile, Zwischenlager für die Innenstadt, gebündelte Transporte: Die Belieferung von Geschäften und Endkunden in Osnabrücker soll künftig effizienter und ressourcenschonender funktionieren. Das Projekt „Mobile Zukunft“ erarbeitet ein Citylogistik-Konzept.

Selbst wenn nur Kleinigkeiten ausgeliefert werden, sind fast immer große Dieselfahrzeuge unterwegs, und die stehen im Stau, belasten die Luft, quetschen sich durch die Fußgängerzone oder parken auf dem Radweg. Und weil jedes Unternehmen nur seine eigenen Transporte im Blick hat, kommt es ständig zu Parallelfahrten. Das soll sich ändern. Citywow!, ein Beraternetzwerk aus Unternehmern und Forschern, hat im Auftrag von „Mobile Zukunft“ eine Voruntersuchung erarbeitet. Hinter dem Projekt „Mobile Zukunft“ stehen zu gleichen Teilen die Stadt und die Stadtwerke, hinter Citywow! der in Osnabrück als Textillogistiker (Meyer & Meyer) bekannte, aber im operativen Geschäft nicht mehr aktive Rolf Meyer mit seinem Cousin Michael Meyer.

Vorteile für den Handel

Das Citylogistik-Konzept soll ein Bestandteil des Masterplans Green City werden, der mit Geldern aus dem Dieselfonds von Bundesregierung und Automobilindustrie gefördert wird. Stadtbaurat Frank Otte ist überzeugt, dass alle Seiten davon profitieren werden. So könne der Einzelhandel darauf zählen, dass die Ware problemlos zum Kunden komme und dass in den Geschäften mehr Fläche für Beratung und Verkauf zur Verfügung stehe. Was jetzt schon gut funktioniere wie die Citylogistik von Schäffer solle auf keinen Fall kaputt gemacht, sondern mit einbezogen werden, versichert Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes.

Das Team von Citywow! hat Experteninterviews geführt und viele Klagen über den Ist-Zustand vernommen. Etwa, dass lokale Anliefermöglichkeiten fehlen und Parken vielerorts unmöglich ist, dass die Anlieferzeiten nicht zum Geschäftsverlauf passen und dass die Erreichbarkeit der Stadt „brutal schlecht“ sei. Unterschiedliche Statements gab es zu den Ladezeiten in der Fußgängerzone. Da wurde zum einen moniert, dass die Logistikdienstleister unmöglich bis 10.30 Uhr alle ihre Aufträge erledigen könnten. Weil sich die Lieferwagen tatsächlich bis in die Mittagszeit durch die Große Straße zwängen, sehen andere das innerstädtische „Einkaufserlebnis“ in Gefahr.

Nachts anliefern

Logistikprofi Meyer erwartet, dass es nicht nur beim Paketvolumen erhebliche Steigerungen geben wird, sondern auch beim Gesamtverkehrsaufkommen. Kurier-, Express- und Paketdienstleister gingen mehr und mehr dazu über, die Ware noch am Tag der Annahme auszuliefern, zudem müssten Warentransporte auch auf anderen Verkehrsträgern möglich sein, zum Beispiel in Taxis. Die Abwehr von Branchenriesen wie Amazon und Zalando mache es erforderlich, dezentrale Liefersysteme einzurichten. Damit könne sich der Warenbestand in den Innenstädten allerdings verdoppeln, vermerkt Meyer.

Citywow! empfiehlt, die Innenstadt-Warenströme zu bündeln. Den Beteiligten ist klar, dass es eine große Herausforderung sein wird, mit allen wichtigen Playern Vereinbarungen zu treffen. Bei der Belieferung von Geschäften sollen verstärkt die Tagesrandzeiten genutzt werden. Mit Schleusen in den Geschäften oder Tauschkoffern wäre auch eine Nachtanlieferung möglich, sofern eine Lärmbelästigung für die Anwohner ausgeschlossen werden kann, etwa durch die Verwendung von E-Fahrzeugen. Dabei könnten vorhandene Strukturen genutzt werden, wie sie der Buchhandel aufgebaut hat.

Weniger Emissionen

Ein zentrales Element für die Citylogistik sollten nach Ansicht von Meyer mehrstufige, flexible und dynamische Distributions- und Lagerhaltungsstrukturen sein. Dazu gehört auch ein Micro-Hub am Neumarkt, ein Umschlagpunkt, an dem die Sendungen nur für kurze Zeit verbleiben, um dann zum Beispiel mit Lastenrädern an den Empfänger weitergeleitet zu werden. Weitere Logistik-Hubs könnten in den Mobilitätsstationen der Stadtwerke eingerichtet werden.

Aufgabe der Stadt sei es, die Logistiker bei der Errichtung von Hubs zu unterstützen, betont Meyer. Und denkt dabei an Kooperationsanreize für Paketdienstleister oder die Auflage, dass nur E-Fahrzeuge zu den Hubs fahren dürfen. Am Ende werde es möglich sein, den Verkehr zu konsolidieren und die Emissionen zu reduzieren, kündigt der Logistiker an.


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