Aushängeschilder einer Gemeinde Fotograf Jörg Winde zeigt im Museumsquartier Bürgermeisterzimmer

Von Tom Bullmann

In 120 Städten hat Jörg Winde Bürgermeisterzimmer fotografiert. Foto: Thomas OsterfeldIn 120 Städten hat Jörg Winde Bürgermeisterzimmer fotografiert. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. 120 Amtsstuben deutscher Bürgermeister hat der Fotograf Jörg Winde porträtiert. 30 Stationen seiner Besichtigungstour dokumentiert er jetzt im Oberlichtsaal des Kulturgeschichtlichen Museums.

Osnabrück Welcher Osnabrücker Bürgermeister hatte Bilder von Felix Nussbaum und Paul Uwe Dreyer in seiner Amtsstube hängen? Es war Boris Pistorius, der heute als niedersächsischer Innenminister in Hannover residiert. Wer zurzeit den Oberlichtsaal des Kulturgeschichtlichen Museums Osnabrück betritt, wird an seine Amtszeit in Osnabrück erinnert. Man sieht ein großformatiges Foto, das sein Oberbürgermeisterzimmer 2010 zeigt. Allerdings geht es in der Ausstellung, zu der das Foto gehört, nicht etwa um lokale Stadtgeschichte.

„Bürgermeisterzimmer in Deutschland“ lautet der Titel der Fotoschau mit Arbeiten von Jörg Winde. 2005 hatte der Fotograf die Idee, sich in bundesdeutschen Rathäusern umzuschauen und Diensträume von Stadtoberhäuptern zu porträtieren. Mittlerweile hat er 120 Städte besucht. Dreißig Fotos wurden für die Osnabrücker Ausstellung ausgewählt.

Die Betrachtung der Exponate wird zu einem kurzweiligen Vergnügen. Da schmunzelt man über die raumhohe Giraffenfigur, die der Bürgermeister von Füssen einmal geschenkt bekam und die so aufgestellt wurde, als würde sie genüsslich an einer Grünpflanze neben seinem Schreibtisch knabbern. Man runzelt sie Stirn über die modernen Büromöbel, die nicht zur barocken Innenarchitektur des Bürgermeisterzimmers im Rathaus von Schwäbisch-Hall passen. Da sieht man kleine Zimmer in Zweckbauten, aber auch opulente Amtsstuben, die zum Aushängeschild einer Gemeinde werden, angefüllt mit repräsentativen Sammelstücken. Und man entdeckt das wohnlich wirkende Zimmer mit den frischen Blumen, die farblich zu den Überzügen der Sitzgelegenheiten und den Vorhängen an den Fenstern passen. Ob hier wohl eine Bürgermeisterin residiert?

Jörg Winde geht immer nach dem gleichen Schema vor: Aus der Perspektive des Besuchers, der gerade den Raum betritt, fotografiert er das Ambiente kühl, sachlich, distanziert. Und immer ohne Menschen: „Eine Person im Raum würde nur ablenken“, sagt der Fotograf, der den Blick des Betrachters auf die Details lenken will, mit denen sich ein Stadtoberhaupt ein Image verschafft.