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Das Carolinum im Jahr 1970 – Abiturienten erinnern sich Als die Rolling Stones noch Steine des Anstoßes waren

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Fast wie damals: Nur war 40 Jahre später der Direktor der jüngste von allen. Helmut Brandebusemeyer zeigte den Ehemaligen, wie sich das Carolinum entwickelt hat. Foto: Jörn MartensFast wie damals: Nur war 40 Jahre später der Direktor der jüngste von allen. Helmut Brandebusemeyer zeigte den Ehemaligen, wie sich das Carolinum entwickelt hat. Foto: Jörn Martens

jweb Osnabrück. Harald Grieger hatte die längsten Haare in seiner Klasse. Als er 1970 am Carolinum das Abitur bestand, war seine Frisur eine Provokation. 40 Jahre später machte er sich auf die Suche nach seinen ehemaligen 17 Klassenkameraden. Am Wochenende trafen sich die Schüler der altsprachliche Klasse wieder – zum ersten Mal und beinahe vollzählig.

Willy Brandt war Bundeskanzler, und Hans Steidl leitete das Gymnasium Carolinum. Vier Jahrzehnte später ist Helmut Brandebusemeyer sein Nachfolger. Und der zeigte jetzt den Männern des ehemaligen Jungengymnasiums, was sich alles in ihrer alten Schule verändert hat. In dieser Runde war der gegenwärtige Direktor der jüngste von allen – denn der befand sich 1970 noch in der achten Klasse eines Gymnasiums.

„Dass es Ihnen gut geht, sieht man“, fand Oberstudiendirektor Brandebusemeyer nach einem kurzen Blick über die recht lässig wirkenden Männer – ob im Anzug oder in Jeans. Auch ihr letzter Klassenlehrer befand sich darunter: Rainer Dierkes, der die damaligen Jugendlichen in Deutsch und Sport unterrichtet hatte. Er erinnerte sich an sie als „lebendige Klasse“ – der es wohl auch damals bereits gut ging, denn: „Es gab unter diesen Schülern keine Spannungen.“

Gleichwohl erinnerten sich die Ehemaligen auch an die Zeit der Studentenbewegung und des Vietnam-Kriegs. Franz Haverkamp erzählte von Diskussionen mit „politisierten Klassenkameraden“ auf der einen Seite und Lehrern, die im Zweiten Weltkrieg Soldaten gewesen waren, auf der anderen. Die „jugendliche Unbarmherzigkeit“ habe da so manchen Konflikt befeuert. Doch gab es im Unterricht auch Brücken zwischen den Generationen. Siegfried Flaspöhler etwa durfte ein Referat über die Rolling Stones halten, die damals auch Steine des Anstoßes waren.

Neun der damaligen Schüler sind schließlich selbst Lehrer geworden, drei davon Schulleiter. Einer von ihnen ist Karl Große Kracht, jetziger Direktor der Angela-Schule in Haste. Franz Haverkamp ist Psychologe bei der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück. Fritz Kennepohl wurde Ingenieur und zog nach München. Bernhard „Beppo“ Pohlmann ist als Teil der Gebrüder Blattschuss mit seinem Lied „Kreuzberger Nächte“ bekannt geworden. Clemens Strugalla stattete als Bildhauer unter anderem die Frankfurter Paulskirche mit Reliefs aus. Werner F. Ebke – Jura-Professor mit zwei Doktortiteln und Herausgeber der Neuen Osnabrücker Zeitung – kommentierte diese Karrierebeispiele so: „Es ist der Schule gelungen, unsere so unterschiedlichen Fähigkeiten zu fördern.“

Alle erinnerten sich auch noch an die Sporthalle der Schule, die damals erst zehn Jahre alt war und jetzt das Sorgenkind der Schule ist, weil das Geld für eine Modernisierung fehlt. Der ehemalige Klassenlehrer Rainer Dierkes erinnerte sich: „Sie war damals schon nicht mehr modern.“ Jetzt hat das Carolinum bei der Verteilung des Geldes zugunsten einer anderen Halle vermutlich den Kürzeren gezogen.

Doch am Wochenende stand die Vergangenheit im Mittelpunkt. Clemens Strugalla hatte seine alten Schülerzeitungen mitgebracht und sein grünes Schülertagebuch, aus dem er vorlas. Vieles hat sich seitdem geändert, und Harald Grieger, der Arzt wurde und nach Bremen zog, trägt die Haare jetzt ganz kurz.


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