„Lippenbekenntnis“ UWG und Piraten kritisieren OHG wegen Wildtierzirkus-Gastspiel

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Raubtiershow im Circus Krone sorgt immer wieder für Diskussionen. Vor dem Gastspiel des Zirkusses in Osnabrück kritisieren UWG und Piraten die Osnabrücker Herdbuchgenossenschaft. Sie stelle als Eigentümerin der Veranstaltungsfläche an der Halle Gartlage wirtschaftliche Interessen vor das Tierwohl. Symbolfoto: dpa/Tobias HaseDie Raubtiershow im Circus Krone sorgt immer wieder für Diskussionen. Vor dem Gastspiel des Zirkusses in Osnabrück kritisieren UWG und Piraten die Osnabrücker Herdbuchgenossenschaft. Sie stelle als Eigentümerin der Veranstaltungsfläche an der Halle Gartlage wirtschaftliche Interessen vor das Tierwohl. Symbolfoto: dpa/Tobias Hase

Osnabrück. Auftritte von Wildtierzirkussen sorgen in Osnabrück weiterhin für Diskussionen: Zwar hob der Stadtrat sein vor rund zwei Jahren beschlossenes Verbot wegen rechtlicher Bedenken auf, dennoch kritisieren UWG und Piraten nun die Osnabrücker Herdbuchgenossenschaft (OHG), auf deren Gelände im Juli der Circus Krone gastiert.

Konkret geht es um die 13 Vorstellungen des Zirkusses zwischen dem 4. und 10. Juli an der Halle Gartlage, deren Eigentümer die OHG ist. In der Jubiläums-Show „Evolution“ werden nach Krone-Angaben eine Reihe von Wildtieren zu sehen sein, darunter Raubkatzen und Nashörner. Die Stadtrats-Fraktionsgruppe der UWG und Piraten wirft der OHG vor, wirtschaftliche Interessen dem Tierwohl vorzuziehen.

„Wir waren sehr erfreut darüber, dass sich die OHG unserem Ratsbeschluss angeschlossen hatte und diesen konsequent an potenzielle Interessenten weitergeben wollte. Auch wenn es rein rechtlich zulässig ist, sind wir der Meinung, dass solche Gastspiele mit Wildtieren in Osnabrück nichts zu suchen haben“, wird UWG-Mann Wulf-Siegmar Mierke in einer Mitteilung zitiert.

Wildtierverbot auf tönernen Füßen

Die Vorgeschichte: Eigentlich hatte der Stadtrat Auftritte wie diesen verhindern wollen, als sich die Mehrheit der Kommunalpolitiker im Jahr 2015 für ein Verbot von Wildtierzirkussen auf städtischen Flächen aussprach.

Doch der Beschluss hielt der Realität nicht lange stand: Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht stellte in einem vergleichbaren Fall aus Hameln fest, dass Beschlüsse wie dieser unzulässig in die Berufsfreiheit der Zirkusunternehmen eingreifen. Allein aus tierschutzrechtlichen Gründen könne ein Gastspiel von Wildtierzirkussen nicht untersagt werden, so die Bewertung der Richter. Vielmehr müsse der Bund für eine entsprechende rechtliche Grundlage sorgen – was freilich bislang nicht geschehen ist. „Das Wildtierverbot stand schon von vornherein auf tönernen Füßen“, sagt Marius Keite (CDU), Vorsitzender des zuständigen Ausschusses für Feuerwehr und Ordnung im Gespräch mit unserer Redaktion.

Appell an die OHG

Auf Initiative von CDU, SPD, Grünen und BOB hob der Stadtrat daher im November vergangenen Jahres das Verbot auf. „Wir waren zum Handeln gezwungen, da eine rechtlich sehr problematische Situation bestand“, so Keite. Gleichzeitig sprachen sich die Ratsmitglieder weiterhin gegen die Haltung und das Zurschaustellen von Wildtieren in Zirkussen aus – ein Beschluss ohne rechtliche Bindung für Veranstalter und Vermieter wie die OHG. Inhalt des Beschlusses war zudem lediglich ein Appell an die OHG, weiterhin nur Zirkussen ihre Flächen zu überlassen, die keine Wildtiere mitführen.

Vorwurf aus der Politik

Pikant: Die OHG hatte nach dem ersten Ratsbeschluss durchblicken lassen, sich dem Wildtierverbot auf ihren Flächen anzuschließen. In der Realität ist Krones Gastspiel nicht das erste eines Wildtierzirkusses seit Beginn der Diskussion. Vor diesem Hintergrund wirft Nils Ellmers (Piraten) der OHG nun ein „Lippenbekenntnis“ vor.

Kurz nach dem Ratsbeschluss stand ein Gastspiel des Zirkus Probst im Raum. Seinerzeit hieß es vonseiten der OHG, der Auftritt könne aufgrund bereits unterschriebener Verträge nicht abgesagt werden. „Wir waren allerdings der festen Überzeugung, es handle sich um das letzte Gastspiel eines Wildtierzirkusses in unserer Stadt. Das Ganze ist unverständlich, gerade weil uns heutzutage Zirkusse wie Roncalli beweisen, dass es auch ohne Wildtiere eine atemberaubende Show geben kann. Traurig, dass das gegebene Wort der OHG nur ein Lippenbekenntis war“, wird Ellmers in einer Mitteilung zitiert.

Vereinbarungen schon älter

Die Vereinbarung mit dem Zirkus Krone sei unabhängig vom Ratsbeschluss schon vor längerer Zeit getroffen worden, sagt OHG-Cheforganisator Ferdinand Hartmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Gleiches gelte für einen geplanten Auftritt des Wildtier-Zirkusses Charles Knie im kommenden Jahr.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN