Stadt informiert über Planung Radschnellweg soll bis in die Innenstadt von Osnabrück führen

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Osnabrück. Warum wird der Weg nicht jenseits des Bahndamms gebaut? Weshalb endet er an der Liebigstraße? Und wie groß ist die Gefahr, dass Fußgänger unter die Räder kommen? Auf alle Fragen gab es Antworten, als die Planer der Stadt über den Radschnellweg Osnabrück-Belm informierten.

150 Interessierte hielten es mehr als zweieinhalb Stunden auf den harten Stühlen im Schulzentrum Sonnenhügel aus, um kein Detail zu verpassen. Das Durchschnittsalter dürfte oberhalb von 60 Jahren gelegen haben, und die Fragen drehten sich überwiegend um Probleme, die Anlieger aus dem Widukindland mit dem Radschnellweg auf sich zurollen sehen. Zum Beispiel, wenn es um ihre Grundstückszufahrten geht.

Alle Grundstücke blieben weiterhin für Autos, Lieferfahrzeuge oder etwa Müllabfuhr erreichbar, versicherten Heike Stumberg und Matthias Drees vom Fachbereich Städtebau mehrfach. Aber sie brauchten mehrere Anläufe, um die Bedenken der skeptischen Anwohner auszuräumen. Die Planer wollen die Abschnitte mit den Zufahrten nicht als Radschnellweg, sondern als Fahrradstraße deklarieren. Dort haben Radfahrer Vorrang, es gilt Tempo 30, Autos sind zugelassen.

Fußwege bleiben

Angesichts der erwarteten Frequenz von 1700 Radlern am Tag werde es keine Konflikte geben, meinte Verkehrsplanerin Heike Stumberg. Sie kündigte an, dass Radschnellweg und Fußgängerweg durchgehend baulich getrennt würden. Und der Angst, dass von schnellen Radlern eine Gefahr ausgehe, hielt sie entgegen, dass auch sie die Verkehrsregeln einhalten müssten. Im Übrigen stehe für die Velofahrer nicht das Tempo im Vordergrund, sondern die Möglichkeit, ohne Barrieren sicher von A nach B zu kommen. Das zeige sich auch in Nimwegen, Göttingen und im Ruhrgebiet, wo es schon mehr Erfahrungen gebe.

Nicht alle im Publikum ließen sich davon überzeugen. Im Widukindland gebe es viele ältere Menschen, die gerne spazieren gingen, wurde den Planern vorgehalten. Und ausgerechnet dort, wo sich viele Fußgänger bewegten, wolle die Stadt nun den Radschnellweg bauen. „Warum nicht auf der anderen Seite der Bahn, bei Bauer Langsenkamp?“, fragte ein Anwohner des Bahlweges, und fügte hinzu: „Dann müsste man nicht die Bahn kreuzen“.

Haster Weg: Autos müssen warten

Stadtbaurat Frank Otte gab die Antwort: Ziel sei es, möglichst viele Menschen aufs Fahrrad zu holen, und das gelte nicht nur für Belm, sondern auch für die Siedlungen entlang der Strecke. Auf der anderen Seite der Bahn wäre der Radschnellweg aber über längere Abschnitte nicht zu erreichen, und das mache ihn weniger attraktiv.

Mehrere Fragesteller wollten wissen, warum die neue Verbindung zwischen Belm und Osnabrück ausgerechnet in der Gartlage aufhöre. An der Schlachthofstraße solle nicht das Ende sein, erklärte Planer Matthias Drees. Es gebe Pläne, den Radschnellweg über die Liebigstraße bis zum Nonnenpfad und zum Herrenteichswall zu verlängern. Dort werde es dann einen Anschluss an den Haseuferweg geben.

Als „anspruchsvolle Aufgabe“ bezeichnete er die Querung des Bahndamms am Haster Weg. Die Radler sollen Vorfahrt bekommen, wenn sie die Eisenbahnunterführung passieren, trotz der hohen Verkehrsbelastung. Mit einer intelligenten Signalsteuerung sei das aber ohne lange Wartezeiten leistbar, versicherte Drees. Ein Teilnehmer der Diskussion sah das kritisch. Bei 1700 Radlern pro Tag komme werde der Haster Weg de fakto fünf Stunden für den Autoverkehr gesperrt, rechnete er vor. Die Planer zeigten sich aber zuversichtlich, dass die Technik ein verträgliches Miteinander möglich machen werde.

Navi-Probleme

Das Vertrauen in die Technik führt andererseits dazu, dass Autofahrer offensichtlich blind ihrem Navi folgen und sich schon jetzt auf den Kalkrieser Weg verirren, obwohl der für Autos gesperrt ist. Ein gewitzter Stadtteilbewohner schlug deshalb vor, dass die Stadt absenkbare Poller einbaut und den Anwohnern eine Funkfernsteuerung zur Verfügung stellt. So etwas könne man machen, meinte Stadtbaurat Frank Otte, aber er vermute, dass die Anlieger wenig Neigung hätten, an den Kosten beteiligt zu werden.


Alles für den Klimaschutz

Flott nach Belm zu kommen, ohne den Schinkelberg erklimmen zu müssen – das klingt verlockend. Schon jetzt sind die Wege entlang der Bahn größtenteils mit dem Rad befahrbar. Aber mit dem Radschnellweg soll die Verbindung weitaus komfortabler werden. Bei einer Breite von vier Metern wird auch das Nebeneinanderfahren und das Überholen problemlos möglich. Und wer mit dem Rennrad oder Pedelec unterwegs ist, kann auch locker mit etwas höherem Tempo über den ebenen Asphalt rollen. Obwohl das eher eine theoretische Frage ist: Auch auf dem Radschnellweg gilt – für die geschlossene Ortschaft – eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h.

Der Radschnellweg ist derzeit Osnabrücks wichtigstes Klimaschutzprojekt. Mit dem Modellversuch soll der Nachweis erbracht werden, dass viele Autofahrer aufs Rad umsteigen, wenn ihnen optimale Bedingungen angeboten werden. Für die 6,4 km lange Strecke zwischen der Schlachthofstraße und dem Ortszentrum von Belm werden 7,5 Millionen Euro veranschlagt. Bund und Land beteiligen sich zu 90 Prozent an den Kosten des Klimaschutzprojekts. An der Schlachthofstraße sind die ersten 500 Meter des Radschnellweges schon fertiggestellt. Der vordere Teil der Schlachthofstraße soll ebenfalls in diesem Jahr ausgebaut werden, ebenso das Teilstück am Kalkrieser Weg.

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