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Schneider ist neuer Kreishandwerksmeister Eine Wahl mit bitterem Nachgeschmack

Die neue Führungscrew der Kreishandwerkerschaft Osnabrück: Kreishandwerksmeister Siegward Schneider (5. von links), Hauptgeschäftsführer Thorsten Coch (rechts) und die Vorständler. Kleines Foto: der vorherige Kreishandwerksmeister Horst Glüsenkamp. Fotos: Pentermann/ArchivDie neue Führungscrew der Kreishandwerkerschaft Osnabrück: Kreishandwerksmeister Siegward Schneider (5. von links), Hauptgeschäftsführer Thorsten Coch (rechts) und die Vorständler. Kleines Foto: der vorherige Kreishandwerksmeister Horst Glüsenkamp. Fotos: Pentermann/Archiv

Osnabrück. Siegward Schneider heißt der neue Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Osnabrück. Punkt. Aus. Von wegen. Die Begleitumstände dieser Wahl mit Kampfabstimmung und einem verärgerten Vorgänger dürften in der Geschichte der KH wohl einzigartig sein.

Doch bevor wir zum verärgerten Vorgänger Horst Glüsenkamp kommen, erst einmal die Fakten der gestrigen Herbstdelegiertenversammlung. Friseurmeister Siegward Schneider (bisher auch stellvertretender Kreishandwerksmeister) und Reiner Möhle (Diplom-Ingenieur Versorgungstechnik) hatten ihre Hüte in den Ring geworfen. Sie standen bereit, um der KH, die die Interessen von mehr als 40 Handwerksinnungen vertritt, als Kreishandwerksmeister vorzustehen. „Ein demokratischer Vorgang“, war vor der Wahl mehr als einmal zu vernehmen. Wir bezeichnen dieses Duell als „Kampfabstimmung“. Denn soweit sich die Experten des Handwerks erinnern konnten, hat es ein ähnliches Duell auf der Ebene der Kreishandwerkerschaft bislang nicht gegeben. Wahlen zum Kreishandwerksmeister endeten stets mit satten Mehrheiten.

Nun, die Kampfabstimmung 2011 entschied der 51-jährige Friseurmeister aus Osnabrück für sich: 34 Stimmen für Schneider, 17 für Möhle, eine Enthaltung – das reichte für die erforderliche absolute Mehrheit. Der Unterlegene trug die Niederlage mit Fassung, gratulierte dem Gewinner und ging zur Tagesordnung über.

Ganz anders sah da die Gefühlswelt des Kreishandwerksmeisters der vergangenen sechs Jahre aus. Horst Glüsenkamp hatte offensichtlich schon vor einigen Tagen seinen Rücktritt erklärt, weil das Tischtuch mit den anderen Vorstandsmitgliedern zerschnitten sei, wie der Bohmter auf Nachfrage unserer Zeitung erläuterte. Mehr noch: Ihm sei bereits Anfang dieses Jahres signalisiert worden, dass er im Herbst nicht erneut als Kreishandwerksmeister antreten solle – ohne sachliche Begründung. Vor einigen Wochen habe der Vorstand dann in einem Brief an alle Innungsobermeister mitgeteilt, dass er eine erneute Glüsenkamp-Kandidatur nicht unterstützen werde. Das habe letztlich das Fass zum Überlaufen gebracht – inklusive seines vorzeitigen Rücktritts, so der Goldschmiedemeister. „Ich wäre gerne noch einmal angetreten, weil ich mir überhaupt nichts vorzuwerfen habe.“ Die Chemie im zwischenmenschlichen Bereich habe allerdings überhaupt nicht mehr gestimmt. Übrigens: Dass er im rhetorischen Bereich über Defizite verfüge, sei ihm durchaus bewusst, so Glüsenkamp. Daran habe er jedoch in den vergangenen Jahren gearbeitet. Seines Erachtens auch mit entsprechenden Fortschritten.

Schneider und KH-Hauptgeschäftsführer Thorsten Coch bestätigten gestern auf Nachfrage das erwähnte Schreiben des Vorstands. „Es gibt keinen gravierenden Vorwurf gegen Herrn Glüsenkamp“, führte Coch weiter aus. Aber der Vorstand habe sich an der einen oder anderen Stelle nicht optimal vertreten gefühlt. Und deswegen sei nach einer neuen Aufstellung gesucht worden.

Wie tief der Stachel bei Glüsenkamp und der Gegenseite sitzt, war am Montag deutlich zu spüren: Der bisherige Kreishandwerksmeister wurde kurz und knapp gewürdigt, bekam einen Präsentkorb, einen warmen Händedruck und verhaltenen Applaus. Der Bohmter verließ kurz nach der Wahl des neuen Kreishandwerksmeisters die laufende Sitzung – ohne Präsentkorb.

Bleiben zum Schluss noch einige Personalien: Der neue Kreishandwerksmeister und Friseurmeister Siegward Schneider ist, wie erwähnt, 51 Jahre alt. Bereits seit 1981 ist er selbstständig und beschäftigt derzeit nach eigenen Angaben zehn Mitarbeiter. Bei den weiteren Wahlen wurden Maurermeister Ernst Neve und Tischlermeister Mathias Vielstädte zu stellvertretenden Kreishandwerksmeistern gewählt. Dem Vorstand gehören darüber hinaus folgende Mitglieder an: Bäcker- und Konditormeister Willi Wolke, Maler- und Lackierermeister Alexander Dependehner, Fotografenmeisterin Gabriele Niehaus sowie Dachdeckermeister Maik Peschke. Elektroinstallateurmeister Stefan Lienesch wurde zum ersten stellvertretenden Vorstandsmitglied gekürt, Installateur- und Heizungsbauermeister Tim Blomenkamp zum zweiten.

Die Kreishandwerkerschaft mit Sitz im Haus der Innungen am Schölerberg ist der Zusammenschluss von 44 Handwerksinnungen. Ihr Zuständigkeitsbereich erstreckt sich über das Stadtgebiet und den Landkreis Osnabrück, für einige Innungen auch über das Emsland und die Grafschaft Bentheim. Die wichtigsten Organe sind die Delegiertenversammlung, in der alle Innungen Sitz und Stimme haben, und der siebenköpfige Vorstand. Nach außen vertreten wird die KH durch den Vorstand und die Geschäftsführung.


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