OPG startet Testlauf 30 Stellplätze für breite Autos im Parkhaus Ledenhof

30 neue XXL-Stellplätze im Parkhaus Ledenhof. Foto: Jörn Martens30 neue XXL-Stellplätze im Parkhaus Ledenhof. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Größere Autos, breitere Parkplätze: Die OPG hat im Parkhaus Ledenhof in Osnabrück 30 XXL-Stellplätze ausgewiesen – ohne Aufpreis. Noch.

Im dritten Untergeschoss der Ledenhof-Garage in Osnabrück sind aus 44 Standard-Stellplätzen 30 extrabreite Parkbuchten entstanden. Sie sind mit 3,30 Metern einen Meter breiter als die alten. Die niedersächsische Garagenverordnung schreibt 2,30 Meter als Mindestbreite für einen Stellplatz vor. Und an dieser Vorgabe hat sich seit vielen Jahren nichts geändert, obwohl die Autos immer größer geworden sind. Der Anteil der Geländewagen, Mini-Vans und SUV am Gesamtverkehr liegt nach Angaben der Autobranche inzwischen bei zehn Prozent. Der Trend hält an: Ein Fünftel der neu zugelassenen Autos gehört zur Gattung der Geländewagen oder SUV.

Für Mütter mit Kind

Die Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft (OPG) reagiert auf diese Entwicklung. Die neuen XXL-Stellplätze machten den Autofahrern das Ein-und Aussteigen leichter, sagt OPG-Geschäftsführer Wigand Maethner. „Außerdem wird das Risiko kleiner, mit der Wagentüre das benachbarte Fahrzeug zu beschädigen.“ Das Angebot richte sich vor allem an Eltern, die mit ihren Kindern in die City fahren. In den normalen Parkbuchten könne eine Mutter Probleme bekommen, ihr Kind aus dem Kindersitz heraus zu bugsieren. „Wir verbessern den Komfort im Ledenhof“, so Maethner.

Extragebühr?

Der Komfort kostet vorerst nichts extra. Egal, ob ein Autofahrer die XXL-Stellplätze nutzt oder eine normale Parkbucht wählt: zu zahlen ist zurzeit nur der übliche Tarif. Das kann sich aber ändern: „Wir wollen uns das zuerst anschauen und abwarten, wie die breiten Plätze angenommen werden“, sagte Maethner unserer Redaktion. Der Smart in der Riesenparkbucht? Unterbinden könnte es der Parkhausbetreiber nicht. Sollte es aber vermehrt zu solchem Missbrauch kommen, werde die OPG reagieren. Maethner kann sich vorstellen, im zweiten Schritt höhere Gebühren für die Nutzung eines Komfort-Platzes zu verlangen. Über den Preis wollte er sich nicht konkret äußern. Legen wir eine einfache Kalkulation zugrunde: Durch die XXL-Dimensionierung sind 14 der ursprünglich 44 Stellplätze entfallen. Ein XXL-Ticket müsste folglich 2,20 Euro statt 1,50 pro Stunde kosten.

Kennzeichen-Erkennung?

Dazu wären allerdings technische Eingriffe nötig. Denkbar wäre, einen Teil eines Parkdecks für Breitparker abzugrenzen und die Zufahrt mit einer zusätzlichen Schranke zu versehen. Bei der Einfahrt erhält der Autofahrer ein neues Parkticket. Das zuerst gezogene Ticket verfällt. Ein Bremer Parkhaus-Betreiber habe auf diese Weise ein komplettes Deck abgeteilt und gute Erfahrungen gemacht, sagt Maethner.

Die Apcoa Parking, mit 1,4 Millionen Stellplätzen an über 8500 Standorten und zwölf Ländern Europas größter Parkstättenbetreiber, bietet seit mehreren Jahren 3,50-m-Stellplätze mit Preisaufschlag an. Die Begründung ist einfach: besserer Komfort, höherer Preis. Kontrovers diskutiert wird dagegen die Variante, den Parktarif von der Größe des Fahrzeugs abhängig zu machen. 2015 entbrannte in Berlin darüber eine Diskussion. Der ADAC sieht dafür keine rechtliche Grundlage, weil die Größe bereits in der Kfz-Steuer berücksichtigt sei.

Der OPG-Chef strebt aber nach eigenem Bekunden eine technisch pfiffige und für die Kundschaft unkomplizierte Lösung an: eine Abrechnung über eine Kennzeichen-Erkennung. Ein entsprechendes System gebe es bereits, sei in Deutschland aber noch nicht im Einsatz. Maethner versichert, dass bei diesem Verfahren alle Anforderungen des Datenschutzes gewährleistet sind.

Alleinstellung in Osnabrück

Breitere Stellplätze für Großraumautos gab es bislang nur im L&T-Parkhaus an der Herrenteichsstraße. Die 3,30 Meter im Ledenhof sind das Ergebnis der baulichen Zwänge, weil der Abstand der Säulen kein anders Maß zuließ. Der zweite große Parkstättenbetreiber in Osnabrück, die Center-Parking GmbH, kann an der Hase keine Breitstellplätze anbieten.

Geschäftsführer Stephan Pieper sieht auch ein rechtliches Problem, denn mit der Baugenehmigung sei eine bestimmte Anzahl von Stellplätzen verbunden. Würde diese Zahl durch die Einführung von XXL-Plätzen reduziert, könnte das Ablösezahlungen zur Folge haben. Ablösezahlungen werden fällig, wenn ein Hauseigentümer die vorgeschriebene Zahl von Einstellplätzen nicht nachweisen kann.


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