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„Es ist ein echter Missstand“ IHK rügt Unterrichtsversorgung an Berufsschulen der Region Osnabrück

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Osnabrück. Der Präsident der IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, Martin Schlichter, hat am Donnerstag die Unterrichtsversorgung an den Berufsschulen der Region scharf kritisiert: „Dass die Unterrichtsversorgung unserer Berufsbildenden Schulen noch immer unter 90 Prozent liegt, ist ein echter Missstand.“

Die duale Ausbildung könne nur erfolgreich sein, wenn auch die Berufsbildenden Schulen stark sind. Dafür müssten sie auch in der Fläche mit Personal, Räumen und Technik ausgestattet werden.

Tonne zu „messbaren Anstrengungen“ aufgefordert

Schlichter forderte den niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) beim sogenannten „IHK-Mittagsgespräch“ in Osnabrück zu „messbaren Anstrengungen“ zur Verbesserung der Situation auf. Tonne entgegnete, dass er es für falsch halte, dass das Land bislang auf eine groß angelegte Kampagne für den Lehrerberuf verzichtet habe und betonte: „Wir benötigen eine Werbekampagne.“ Es sei eine besondere Herausforderung, Berufsschullehrer zu gewinnen, wenn es gesamtwirtschaftlich gut laufe. Tonne lobte, dass Studieninteressierte mit einem bereits abgeschlossenen Hochschulstudium (Diplom oder Bachelor) in der Elektrotechnik oder im Maschinenbau den Weg über einen Quereinstieg-Masterstudiengang für diese Fachrichtungen an der Uni Osnabrück wählen können.

„Es fehlen uns die Bewerber“

Der Leiter des Studienseminars Osnabrück, Dieter Manthey, monierte: „Wir würden gerne mehr Lehrer ausbilden, aber es fehlen uns die Bewerber. Wir müssen den Beruf des Berufsschullehrer attraktiver machen.“ Manthey hatte bereits vor einigen Wochen konstatiert, dass das Image des Berufs gelitten habe. Einerseits locke die Wirtschaft gerade in den Ingenieurberufen mit besser dotierten Jobs, andererseits sei die Unkenntnis bei Schulabgängern über die vielfältigen Möglichkeiten als Berufsschullehrer sehr groß.

Berufsschulen sollen regionale Kooperationen prüfen

Tonne regte an, dass die Berufsschulen regionale Kooperationen und Bündelungen der Aufgaben prüfen sollten. Allerdings halte er „möglichst große Wohnortnähe“ ebenfalls für bedeutend. Darüber hinaus wolle er prüfen, wie das Verfahren des Seiteneinstiegs verbessert werden könne, um die Unterrichtsversorgung zu verbessern. Wichtig war ihm dabei aber zu betonen: „Wir müssen die Qualität der Ausbildung hochhalten.“

Unterrichtsausfälle an Berufsschulen

Der Mangel an Berufsschullehrern hatte bereits zu Unterrichtsausfällen an Berufsschulen in der Region Osnabrück geführt. An vier von fünf Berufsschulen in Osnabrück lag die Unterrichtsversorgung zuletzt bei unter 90 Prozent. Die Unterrichtsversorgung an den allgemeinbildenden Schulen in der Region lag in den vergangenen Jahren hingegen überwiegend bei 100 oder knapp 100 Prozent.

Mehr Berufsorientierung

Schlichter nannte beim Gespräch zur beruflichen Bildung darüber hinaus die Berufsorientierung an den allgemeinbildenden Schulen, insbesondere an den Gymnasien, als eine der wichtigsten Stellschrauben, um das duale System der beruflichen Bildung „wieder fit zu machen“. Die Berufsorientierung müsse ein verpflichtendes Element in der Lehrerausbildung werden.

Tonne stimmte Schlichter zu: „Die Berufsorientierung ist Aufgabe aller Schulen, insbesondere der Gymnasien, um den Blick zu weiten, welche Möglichkeiten einer dualen Ausbildung es überhaupt gibt.“ So könnten auch später Studienabbrüche vermieden werden.


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