Möglichkeiten der Electronica ausgelotet Haiòn überragt Konkurrenz beim IfM-Study Up Award Pop

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Düsteres Spektakel: 
              
              Auch mit der Performance konnte die band Haiòn beim Study Up Award Pop in der Lagerhalle punkten. Foto: Swaantje HehmannDüsteres Spektakel: Auch mit der Performance konnte die band Haiòn beim Study Up Award Pop in der Lagerhalle punkten. Foto: Swaantje Hehmann

OSNABRÜCK. Die ersten waren die besten beim Study Up Award Pop des Hochschul-Instituts für Musik (IfM) in der Lagerhalle. Der innovative Electro-Act Haiòn gewann am Ende eines langen, aber kurzweiligen Abends in der Lagerhalle den diesjährigen Preis für besondere Leistungen im Studienschwerpunkt Popularmusik.   

Mit einem „insgesamt stimmigen“ Konzept „weit heraus geragt“ aus vielen „großartigen“ Bands habe die fünfköpfige Formation, befand Gastjuror Michael Rappe aus Köln stellvertretend für die vierköpfige Fachjury. Nicht nur die originelle Performance und die professionelle technisch-handwerkliche Leistung hatte die Experten überzeugt, sondern auch und vor allem die große stilistische Bandbreite, mit der Haiòn vielfältig ein ganzes Arsenal an Möglichkeiten der elektrobasierten Popmusik ausloteten, ohne aber dabei einen eigenen Stil vermissen zu lassen.

Kreative Sound-Fusionen

Innerhalb des knappen Zeitrahmens einer Viertelstunde spannte das Quintett im düsteren Licht-Ambiente mit permanent wechselnden Lead-Stimmen und im Rotationsprinzip an den Instrumenten einen großen Bogen von sphärisch-wehklagenden, morgenländisch-arabisch anmutenden Paraphrasen über atmosphärisch verdichteten und gleichzeitig reduziert pointierten Elektropop im Stil von Depeche Mode bis hin zu einem elektrisierenden „Trip To Paradise“, der hielt, was er versprach. In fließenden Übergängen wurden Tribal Sounds, House, Drum´n Base-Passagen, hämmernde Big Beats, Dubstep-Effekte und mitreißende Refrains so herzerfrischend leicht und kreativ miteinander verwoben, dass es die noch sieben nachfolgenden Acts nicht leicht haben sollten, dagegen zu bestehen.

Fette Beats und dünne Stimmen

Stefan Baranek versuchte es samt konventioneller dreiköpfiger Band mit energiegeladenen deutschsprachigen Popsongs über Liebesstress oder einen klischeezerfetzenden „Flamingo unter Pavianen“.  Fette Beats und dünne Stimmen beherrschten die Auftritte von Fanny Marie, die sich von opulentem Schlagwerk und einem Keyboarder-Duo begleiten ließ, und Beni Fahr, der immerhin mit wechselnden Outfits und drei Backgroundsängerinnen glänzen konnte. Die hatte auch Dominik Gassner als Unterstützung für seinen mundartgerechten und kraftvollen, absolut tanzbaren Austro-Pop - neben seiner fünfköpfigen Begleitband und einem erfrischenden Bläser-Trio. Eher gewöhnlich gestrickte Popkompositionen präsentierte Gabriel Zanetti, dessen Stimme aber mit buchstäblich hoher Variabilität überzeugte, während seine Band solide kollektive Gitarrenarbeit leistete.

Abfeiern und Durchatmen

Showeinlagen samt „Secco-Boy“, hüpfendem Hünen und theatralischer Entledigung des an diesem Abend viel zu warmen Pelzmantels standen beim brachialen Auftritt des Duos Digital Immigrants im Vordergrund. Wilde Electro-Percussion und irre Schlagzeuggewitter luden zum Partymachen ein, bis Sängerin und Songschreiberin Sophie mit einem virtuos vielschichtigen Akustikgitarren-Set zum Durchatmen einlud. Bei jedem Singer/Songwriter-Wettbewerb hätte sie damit abgeräumt. Beim Study Up Award Pop aber setzten Haiòn gleich zu Beginn die Maßstäbe, was facettenreiche Popmusik auf elektronischer Basis und der Höhe der Zeit betrifft.


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