OSB macht Bestandsaufnahme 2037 Mülleimer in Osnabrück – und doch geht das Meiste daneben

Von Dietmar Kröger

Der Modellvielfalt in der Palette städtischer Mülleimer sind kaum Grenzen gesetzt. Fotos: Jörn MartensDer Modellvielfalt in der Palette städtischer Mülleimer sind kaum Grenzen gesetzt. Fotos: Jörn Martens

Osnabrück. Axel Raue zählte die Häupter seiner Lieben, und siehe da, es waren 2037 – Mülleimer. Aufgeteilt auf 18 Modelle, finden sie sich auf einer Liste des Leiters des Osnabrücker Servicebetriebs. Raue und seine Leute wittern Handlungsbedarf.

In einer Gesellschaft, deren liebstes Hobby das Wegwerfen zu sein scheint, schallt der Ruf nach Mülleimern wie ein Echo aus jeder Ecke der Stadt. Immer wieder klingelt in der Verwaltung, beim OSB und – man mag es kaum glauben – auch in unserer Redaktion das Telefon. Dann äußert wieder einmal ein besorgter Bürger den Wunsch nach einem Mülleimer an einer bestimmten Stelle im Stadtgebiet, um der garstigen Verdreckung, die ihm die Laune schmälert, Herr zu werden.

Bürgerwünsche

Der Wunsch ist ja verständlich, muss aber bei über 2000 eigens für das Sammeln von Müll angebrachten Behältnissen doch gelindes Erstaunen auslösen. Gleichwohl nimmt der für die Tonnen zuständige OSB jeden Bürgerwunsch ernst, prüft den gewünschten Standort und entscheidet dann im Einzelfall.

Überraschendes Ergebnis

So weit, so gut. Nun bedarf es aber einiger Planung und Organisation, um des Mülleimerproblems Herr zu werden. Dazu musste erst einmal erfasst werden, wie viele der Behälter es überhaupt gibt. „Als wir mit Zählen fertig waren, war ich selber über das Ergebnis sehr überrascht“, so der OSB-Chef vor dem für seinen Eigenbetrieb zuständigen Ausschuss. Zusammengefasst auf einer Karte, ergab die Zählung ein buntes Bild. Bunt vor allem deshalb, weil die unterschiedlichen Fabrikate, Typen und Untertypen jeweils eine eigene Farbe bekamen. Auf stolze 18 Eimermodelle bringt es die Stadt. Dass jedes Modell eine wenn auch simple, so doch eigene Technik hat, macht vor allem das Entleeren, aber auch Wartung und Pflege nicht eben einfacher.

Instandsetzung bindet Arbeitszeit

Stichwort Pflege: Sollte der Zustand der Eimer in einem direkten Verhältnis zu ihrer Beliebtheit stehen, ist die Liebe der Osnabrücker zu ihren Abfalleimern schon seit Langem stark abgekühlt. Aufkleber mit allen möglichen und unmöglichen Botschaften sind dabei noch die hübschere Variante der Mülleimerverschandelung. Offensichtlich bereitet es auch viel Freude, ihren Inhalt anzuzünden oder ihnen mit einem kräftigen Tritt eine veritable Beule zu verpassen, wenn sie nicht gleich in Gänze aus der Halterung gebrochen werden. Allein die Instandsetzung dürfte schon einige Arbeitszeit beim OSB binden, die sicherlich an anderer Stelle wesentlich sinnvoller eingesetzt werden könnte.

Optimierungsmöglichkeiten

Das alles schlägt sich mithin im Zeitaufwand nieder. Geschätzte 50 Prozent der Arbeitszeit der Straßenreinigung entfallen auf die Betreuung der Sammelbehälter. Da drängt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit, vor allem aber nach Optimierungsmöglichkeiten auf. „Wir werden ein Konzept entwickeln, wie wir mit dem Thema umgehen“, kündigt Dirk Thöle an, OSB-Spartenleiter Straßenreinigung. Das dürfte auf Dauer auch eine Vereinheitlichung der Systeme umfassen, verbunden wenn möglich mit einer einfacheren Handhabung. Daran haben auch Thöles Mitarbeiter großes Interesse, denn sie müssen den oftmals schweren Inhalt der Eimer auf die Pritschen ihrer Dienstfahrzeuge wuppen. Das geht auf Dauer aufs Kreuz.

Unterflurbehälter

Eine Alternative wären Unterflurbehälter, bei denen der Müll über der Erde eingeworfen und unter der Oberfläche gesammelt wird. Das ist nicht nur optisch schöner als zum Beispiel die viel diskutierten Big Bellys, sondern auch praktischer, weil die Behälter ein großes Fassungsvermögen haben und mit Maschinen leergesaugt werden können. Während der Preis mit etwa 1200 Euro plus Einbau noch erträglich scheint, dürfte das Einbauproblem ob der vielen Kabel und Leitungen im Untergrund allerdings nicht so einfach zu lösen sein. Diese Gattung ist also bei Weitem nicht das Gelbe vom Ei.