Landes-Schülertheatertreffen Was beinhaltet „Darstellendes Spiel“ als Schulfach?

Von Christine Adam


Osnabrück. Noch nicht lange kann im „Darstellenden Spiel“ an niedersächsischen Schulen Abitur machen. Stefanie Westphal vom Fachverband Schultheater erklärt vor dem Niedersächsischen Schülertheatertreffen in Osnabrück Wissenswertes über das junge Schulfach, über Inhalte und Ausbildung zum Theaterlehrer.

Schultheater – dazu fallen den meisten nicht mehr ganz jungen Menschen wohl die freiwilligen Theater-AGs ihrer eigenen Schulzeit ein. Tatsächlich existiert das „Darstellendes Spiel“ als eigenes Schulfach in Niedersachsen noch gar nicht so lange. Erst seit zehn Jahren kann es sogar abiturrelevant sein. Schon an rund 120 niedersächsischen Schulen gibt es das Fach in der Oberstufe (Sekundarstufe II) und teilweise in der Sekundarstufe I (als Wahlpflichtfach). Der Fachverband Schultheater – Darstellendes Spiel Niedersachsen hat mit daran mitgewirkt, ein Kerncurriculum für „Darstellendes Spiel“ zu erarbeiten, das zum neuen Schuljahr 2018/19 in Kraft treten soll.

Chance zur Vernetzung

All das erzählt Stefanie Westphal in einem Gespräch kurz vor Beginn des mittlerweile 20. Niedersächsischen Schülertheatertreffen s, das vom 4.-8. Juni erstmals in Osnabrück über die Bühnen geht. Westphal ist Vorsitzende des Fachverbands, in der engeren Planungsgruppe des Treffens und selbst Lehrerin am Artland-Gymnasium in Quakenbrück – logischerweise auch für das neue Fach. Jetzt freut sie sich auf das Treffen der zehn Teams und ihrer Produktionen, die aus 13 Regionalwettbewerben ausgewählt worden sind. Schülern wie Lehrern biete es die Chance auf Austausch, Vernetzung und nicht zuletzt Weiterbildung in Workshops. „Die Seherfahrung bei Schülern ist nicht gerade groß“, bedauert sie, „es ist nicht besonders attraktiv ins Theater zu gehen“. Als Gründe nennt wie weite Wege im Flächenland Niedersachsen und die Kosten natürlich.

Studium möglich

Doch zurück zum noch jungen Schulfach „Darstellendes Spiel “, das sich ähnlich laut Westphal bislang nur in Bayern und Berlin entwickelt. Man kann es in Niedersachsen im Hochschulverbund Hannover – Braunschweig – Hildesheim mit Bachelorabschluss als Theaterpädagoge studieren oder als Lehramtsausbildung mit Masterabschluss. „Der größte Teil der Theaterlehrkräfte, 1500 Kollegen seit 2001, hat sich aber berufsbegleitend weitergebildet. Mit dem Nachteil, dass sie ohne Nachweis der entsprechenden Lehrbefähigung keine Abiturprüfung abnehmen dürfen“, gibt Westphal zu bedenken.

Bei Schülern ist das neue Fach beliebt und wir „sehr, sehr gern gewählt, beobachtet die Lehrerin, die „Darstellendes Spiel“ seit 2000 unterrichtet. Sie hält es als gute, ganzheitliche Ergänzung zum kognitiven Lernen an der Schule. Wie verläuft nun aber konkret der Unterricht?

Am Anfang ein Warm-up

„Jede Stunde beginnt mit einem Warm-up für Körper, Stimme, Geist“, sagt sie. Dann wird ein inhaltlicher Schwerpunkt der Stunde gesucht, etwa das Requisit. „In Theorie und Praxis wird beleuchtet, was es bedeutet, welche Atmosphäre man mit ihm schaffen oder wie man es verfremden kann.“ Dann kommt die Partnerarbeit mit ins Spiel, die das Requisit in Szene setzt. Diese Szene wird dann präsentiert und bekommt von der ganzen Gruppe Feedback. „Ergebnisse sind oft Gruppenergebnisse und keiner kann sich entziehen“, sagt die Lehrerin schmunzelnd, „das schult die Teamfähigkeit“. Doch natürlich werde auf Hemmungen Rücksicht genommen.

Am Ende steht die Leistungsbewertung wie bei jedem Schulfach, schriftliche Klausuren für den theoretischen Teil, mündliche Prüfungen, wenn ein spielpraktischer Teil dabei ist, etwa um den Verfremdungseffekt in Bertolt Brechts epischem Theater dazustellen.

„Wer schon als Schüler Theater spielt, lernt sich von anderen Seiten kennen“, meint sie. Dann überrascht sie mit dem schönen Satz „Theater macht stark“ – auch für ein Leben nach der Schulzeit.


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