Handelsmonitor 2018 Schlechte Stimmung im Osnabrücker Einzelhandel

Von Wilfried Hinrichs

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Osnabrück. Im Osnabrücker Einzelhandel stagnieren die Umsätze und wächst der Frust: Die Kaufleute geben dem Standort im Handelsmonitor 2018 nur noch die Schulnote 3. So gedämpft war die Stimmungslage noch nie seit Einführung des Handelsmonitors vor vier Jahren. Jetzt will der Handel gegensteuern.

Es sind die harten Zahlen, die auf die Gemütslage der Einzelhändler schlagen. Es sind aber auch politische Entscheidungen oder Nicht-Entwicklungen wie am Neumarkt, die die Unzufriedenheit in der Kaufmannschaft schüren. Die Zahl der Passanten ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr um knapp elf Prozent zurückgegangen, im Weihnachtsgeschäft sogar um 20 Prozent. Die Umsatzerwartungen gehen in Osnabrück eher zurück, während die Handelsumsätze bundesweit in diesem Jahr moderat um gut zwei Prozent steigen werden und die Onlinegeschäfte erneut um zehn Prozent nach oben gehen. Das Baustellenmanagement und die Verkehrspolitik in Osnabrück empfinden viele Geschäftsinhaber als suboptimal.

Zum ersten Mal auch ein „Ungenügend“

Diese Mixtur ergibt in der Stimmungsabfrage die Note 3. Im vergangenen Jahr gaben die Kaufleute noch eine 2,2, davor eine 2,8 und 2,4. Zum ersten Mal haben die befragten Einzelhändler bei ihrer Bewertung auch in die unterste Schublade gegriffen: Vier Prozent vergaben ein „Ungenügend“. Eine Sechs hatte es in den Jahren zuvor nicht gegeben. Der Anteil der Kaufleute, die „sehr zufrieden“ mit dem Standort sind, schmolz von 25 Prozent im Vorjahr auf vier Prozent zusammen.

Osnabrück entwickelt sich weniger dynamisch als Bielefeld, Oldenburg oder Münster und verliert erneut einige Punkte in der wichtigen Kategorie der Handelszentralität. Diese Kennzahl zeigt an, wie viel Kaufkraft aus dem Umland nach Osnabrück fließt. Sie ist also ein Indikator für die Anziehungskraft des innerstädtischen Einzelhandels auf die Region. Die Zentralitätskennziffer sank von 148 in 2016 auf jetzt 142. Was über 100 liegt, ist der Kaufkraftzufluss von außerhalb. In Euro ausgedrückt: Laut Handelsmonitor erwartet der Osnabrücker Einzelhandel in diesem Jahr einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro. Die Kaufkraft der Osnabrücker wird auf 1,1, Milliarden beziffert.

Gewinner ist der Fahrradhandel

Eine der Boom-Branchen ist der Fahrradhandel mit einem Plus im Vorjahr um elf Prozent. Auch Unterhaltungselektronik und Bekleidung legten um acht Prozent zu. Verlierer sind der Buchhandel, Spielwaren- und Schmuckgeschäfte. Immer mehr Geschäftsinhaber erkennen die Notwendigkeit, ihre Kunden auch online besser abzuholen und zu bedienen. Die meisten Betriebe wollen die Digitalisierung im eigenen Hause vorantreiben und würden ein „digitales Schaufester“ für den Handelsstandort Osnabrück begrüßen.

Der Leerstand hat in der Innenstadt um neun Prozent zugenommen. Laut Handelsmonitor sind 72 Flächeneinheiten unvermietet. Das ergibt eine Leerstandsquote von 7,3 Prozent. Nur in der Großen Straße gibt es keine leeren Verkaufsflächen.

Deutlich größer geworden ist das gastronomische Angebot in der Innenstadt. Der Anteil der Gastronomiebetriebe (einschließlich Filialbäckereien mit Sitzgelegenheiten) ist in der Innenstadt um vier Prozent angestiegen.

Die Herausforderungen

Was ist zu tun? „Es braucht (noch) mehr Gemeinsamkeit“, fasste Falk Hassenpflug, Handelsexperte bei der Industrie- und Handelskammer (IHK), die Einschätzungen der befragten Kaufleute zusammen. Für besonders wichtig erachten es die Geschäftsleute, eine eigene Marke „Handelsstandort Osnabrück“ zu entwickeln und im Bewusstsein der Kunden zu verankern. Osnabrück brauche einen „Pakt für eine positive Darstellung des Handelsstandorts“, wird ein Kaufmann im Handelsmonitor zitiert.

Auf Platz zwei der wichtigsten Herausforderungen steht die Verkehrsfrage: Die Kaufmannschaft fordert „Maßnahmen zur Sicherung der Erreichbarkeit“. Fahrverbote seien unbedingt zu vermeiden. Außerdem auf der Aufgabenliste: Strategien zur Entwicklung der einzelnen Quartiere, gemeinsame Aktionen zur Steigerung der Besucherfrequenz, eine Verbesserung der Kommunikation zwischen den Unternehmen und der Stadt, bessere Abstimmung zwischen Betrieben, Maklern und Immobilieneigentümern und schließlich eine größere Präsenz in den sozialen Medien und Ausbau des Onlinegeschäfts.

Rückblick: Der Handelsmonitor 2017


Der „Handelsmonitor Osnabrück“ ist eine Gemeinschaftsstudie der Osnabrück-Marketing und Tourismus GmbH (OMT), des Osnabrücker City Marketing e.V. (OCM) und der Industrie- und Handelskammer Osnabrück Emsland - Grafschaft Bentheim (IHK). Seit 2015 ist die Wirtschaftsförderung Osnabrück (GmbH) ein weiterer Partner.

Ziel ist eine bessere Positionierung des Osnabrücker Einzelhandels durch laufende Marktbeobachtungen. Der Handelsmonitor wird jährlich aktualisiert. Auch ein Vergleich von Städten mit vergleichbarer Einzelhandelsstruktur wird dadurch möglich. Dadurch wird die Basis einer strategischen Weiterentwicklung und Attraktivitätssteigerung der gesamten Osnabrücker Einzelhandelslandschaft geschaffen.

Neben der Auswertung von Branchenkennziffern und statistischen Materials werden auch die Handelsbetriebe und andere Gewerbetreibende in der gesamten Stadt Osnabrück in die Untersuchungen einbezogen, die wichtige Daten in einer Online-Befragung beigetragen haben. Darüber hinaus wird mit dem „Quartierscheck“ ein Fokus auf Handlungsfelder für ausgewählte Geschäftsstraßen vor Ort ermittelt.

Die in der Analyse und Interpretation eingesetzten Methoden werden so angewendet, dass eine fortlaufende Aktualisierung zur strategischen Steuerung ermöglicht werden kann („Monitoring“- Prinzip). Mit Hilfe der jährlichen Aktualisierungen und dem Einbau von „Sonderthemen“ sollen zukünftige Zielgruppen und Markttrends erfasst und gezielter Branchen angesprochen werden. 2018 legt der Handelsmonitor u. a. auch ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung gastronomischer Betriebe in der Innenstadt in Verbindung mit freiwerdenden Handelsflächen.

Durch die Bündelung von Daten, Fakten und Wissen der lokalen Akteure soll ein lebendiges Monitoring-Instrument für die strategische Weiterentwicklung des Oberzentrums Osnabrück dauerhaft etabliert werden. Die Ergebnisse werden öffentlich zur Verfügung gestellt.

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