DRK zur Situation in der Region Osnabrück Versorgungsengpässe drohen: Zu wenig junge Blutspender

Von Frederik Tebbe


Osnabrück. Auch in der Region Osnabrück gibt es zu wenig junge Blutspender. Nach Ansicht des Deutschen Roten Kreuzes könnte das auf Dauer zu Versorgungsengpässen führen. Mit besonderen Aktionen soll der Spendernachwuchs angesprochen werden, erläutert Jürgen Engelhard vom DRK-Blutspendedienst im Gespräch mit unserer Redaktion.

Herr Engelhard, 2015 gab das Deutsche Rote Kreuz an, dass nur drei Prozent der Bevölkerung Blutspender seien. Optimal wäre es jedoch, würden sechs Prozent spenden. Wie kann man das Blutspenden attraktiver gestalten?

Wir versuchen, gerade junge Spender durch besondere Aktionen für die Blutspende zu begeistern. Dabei ist die erste Hürde, die wir nehmen müssen, die Blutspende im Bewusstsein der Leute zu verankern. Viele Menschen beschäftigen sich gar nicht damit und nehmen die Spende nicht wahr. Erst, wenn man selber betroffen ist oder im sozialen Umfeld jemand ein Blutprodukt benötigt, macht man sich Gedanken darüber, wo das Blut denn überhaupt herkommt.

Und was sind das für Aktionen?

In Osnabrück stehen wir seit einiger Zeit mit unserem großen Blutspendemobil auf dem Platz der deutschen Einheit vorm Theater und weisen dort auf die Wichtigkeit der Blutspende hin. Wir werden Anfang Juni beklebte Busse durch die Innenstadt fahren lassen, die auf die Blutspende hinweisen. Und wir gehen zum Beispiel auch in den Zoo mit dem Blutspendemobil, wo jeder Spender einen Coupon zum halben Preis auf den Eintritt erhält. Zwei- bis dreimal im Jahr sind wir beispielsweise im Select-Hotel in Hellern und im Steigenberger und bieten da die Blutspende an. Somit haben wir dort ein ganz besonderes Spendelokal, wo sich die Spender wohlfühlen können.

Und im Blutspendemobil kann man dann auch spenden oder informiert man sich dort lediglich?

Man kann dort direkt spenden. In und um Osnabrück bieten wir übers ganze Jahr fast 350 Blutspendetermine an. Also sowohl in Schulen und Dorfgemeinschaftshäusern, als auch im Mobil. Im Stadtgebiet sind es knapp 100 im Jahr. Man hat im Prinzip pro Woche zwei Gelegenheiten, zur Blutspende zu gehen, wenn man möchte.

Wie hoch ist das Spendeaufkommen in Stadt und Landkreis Osnabrück?

Wir rechnen immer mit einem sogenannten Terminschnitt, also wie viele Spender durchschnittlich zu einem Termin gehen. 2017 lag das im Landkreis bei etwa 95 Menschen und in der Stadt bei circa 65, die durchschnittlich zu einem Termin gingen. Der Landkreiswert ist sehr gut und liegt über dem niedersächsischen Landesschnitt. Der besagt, dass durchschnittlich 83 Menschen einen Termin wahrnehmen. Der Stadtwert liegt deutlich drunter, ist aber für einen Innenstadtbereich großer Städte, wenn man das mit Bremen, Braunschweig oder Hannover vergleicht, normal.

Sie sagten, Sie werben vor allem um jüngere Spender. Wie steht es denn um den Spendernachwuchs??

Wir verzeichnen eine erfreuliche Anzahl an Erstspendern. Das sind in aller Regel junge Leute. Der Wert liegt in Niedersachsen bei zehn Prozent. In Osnabrück Stadt liegt die Zahl bei 22 Prozent, im Landkreis kommen jedoch nur sechseinhalb Prozent. Wir bewegen die aber nicht immer zur zweiten und zur dritten Spende – und das ist eine Sache, die uns im ganzen Bundesland Sorgen bereitet, da zwei Drittel aller Blutspender inzwischen schon über 40 Jahre alt sind. Durch den demografischen Wandel werden die Menschen glücklicherweise immer älter, aber hierbei steigt leider auch das Risiko, häufiger auf ein Blutpräparat angewiesen zu sein. Fast ein Drittel aller Blutpräparate geht in die Krebstherapie. Wenn wir den Spendernachwuchs nicht begeistern können, befürchten wir in ein paar Jahren größere Versorgungsengpässe.

Männer dürfen sechsmal im Jahr zur Spende gehen, Frauen aber nur viermal. Wieso?

Alle blutspendeabnehmenden Organisationen unterliegen Auflagen, die vom Paul-Ehrlich-Institut und der Bundesärztekammer vorgegeben sind. Die gesetzgebenden Institutionen berufen sich auf Studien, die besagen, dass Frauen grundsätzlich weniger Eisen im Blut haben und durch die Menstruation auch noch zusätzlich Blut verlieren. Deswegen ist es aus Gründen der Spendersicherheit für Frauen sicherer, nur bis zu viermal im Jahr zu spenden.

Darüber hinaus sind Homosexuelle nicht zur Blutspende berechtigt. Warum ist das auch 2018 noch so?

Das Deutsche Rote Kreuz steht für Integration und gegen jede Form von Diskriminierung. Wir sind aber an gesetzliche Auflagen gebunden. Der Gesetzgeber sagt, das Risiko einer Infektionskrankheit, wie etwa HIV, ist unter homosexuellen Männern immer noch höher, daher gelten hier besondere Richtlinien. Dies gilt aber für alle blutspendenabnehmenden Organisationen. Wir bedauern das sehr, bei uns ist jeder herzlich willkommen. Eine Gesetzesänderung ist derzeit in der Umsetzung.

Vor der Spende gilt es, einen sehr umfangreichen, kleinteiligen Fragebogen auszufüllen, der viele Spender abschreckt. Ist der immer noch so nötig? Das gespendete Blut wird doch ohnehin noch mal untersucht.

Es geht hier um Empfänger- und Spendersicherheit. Denn viele Spender wissen zum Beispiel nicht, dass sie in einem Malaria-Gebiet waren und das Blut für andere Patienten nicht verwendet werden kann. Es ist eine lästige Formalie, aber wer Gutes tun will, nimmt diese fünf Minuten für den Fragebogen auch in Kauf. Wir haben in Deutschland aufgrund dieser strengen Richtlinien die sichersten Blutprodukte der Welt.

In NRW und vielen anderen Bundesländern gibt es inzwischen den Blutspendeausweis im Scheckkartenformat. In Niedersachsen gibt es noch den klassischen Papierausweis – wann wird der abgelöst?

Wir arbeiten mit allen Blutspendediensten an einer ganzheitlichen Lösung, aber das dauert leider noch ein bisschen.

Beim DRK gilt nach wie vor die ehrenamtliche Spende, während Kliniken in der Regel eine Aufwandsentschädigung anbieten. Wäre so etwas auch für Sie denkbar?

Das lässt das deutsche Transfusionsgesetz nicht zu. Die Weltgesundheitsorganisation sagt ganz klar, dass eine Blutspende freiwillig und unentgeltlich sein muss. Das deutsche Transfusionsgesetz lässt aber zu, dass, wenn Spender zu einer stationären Blutspende gehen oder fahren, sie für diesen Weg eine Aufwandsentschädigung bekommen können. Es ist also ein Irrtum, dass es eine bezahlte Blutspende gibt. Lediglich der Weg dahin wird entlohnt. Beim DRK ist es anders, denn wir kommen ja zum Blutspender in die Orte. So fahren wir jährlich 2,5 Millionen Kilometer mit unseren 430 Mitarbeitern der Entnahme im ganzen Land und richten gemeinsam mit dem DRK vor Ort 6500 Blutspendetermine aus. Von der Küste bis in den Harz, von der Lüneburger Heide bis ins Emsland.

Das Deutsche Rote Kreuz verkauft die Blutpräparate an die Krankenhäuser. Man sagt, ein Liter Blut koste etwa 200 Euro. Was geschieht mit dem Geld?

Wir sind eine gemeinnützige Gesellschaft. Wir dürfen mit dem Geld, das wir für die Blutkonserven bekommen, nichts machen, was unserer Satzung widerspricht. Zudem haben wir sehr hohe Auflagen von den Finanzbehörden. Wir geben im Grunde nur unsere Herstellungskosten weiter. Wenn ein Termin in Osnabrück stattfindet, dann kommt ein Entnahmeteam bestehend auf fünf bis sieben Leuten aus Springe mit dem Lkw angefahren. Es nimmt das Blut ab, fährt zurück, das Blut wird in der Nacht untersucht, verarbeitet, gelagert und in den nächsten Tagen herausgefahren. Das ist grundsätzlich der Aufwand, den das Krankenhaus bezahlt.

Darüber hinaus werden oft Kritiken laut, die besagen, das DRK verkaufe das gespendete Blut für hohe Summen ins Ausland. Können Sie dazu etwas sagen?

Das Blut, das niedersächsische Blutspender spenden, bleibt zu nahezu 100 Prozent in Niedersachsen. Wir helfen auch unseren anderen Versorgungsgebieten in Sachsen-Anhalt und Thüringen oder auch mal einem anderen Blutspendedienst, sollte hier Bedarf sein. Ins Ausland liefern wir keine Blutkonserven. Das dürfen wir gar nicht.


„Schenke Leben, spende Blut“ lautet das Motto des Deutschen Roten Kreuzes. In der Tat kann jede Blutspende leben retten. Jürgen Engelhard vom Blutspendedienst NSTOB kümmert sich unter anderem um die Spenden in Niedersachsen. NSTOB steht für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Oldenburg und Bremen. Der Blutspendedienst ist einer von sechs des Deutschen Roten Kreuzes. Daneben gibt es den Dienst Nord-Ost (Berlin, Brandenburg, Hamburg, Sachsen und Schleswig-Holstein), Mecklenburg-Vorpommern, West (NRW, Rheinland-Pfalz und das Saarland), Baden-Württemberg – Hessen und den BSD des Bayerischen Roten Kreuzes, der für Bayern zuständig ist. Das DRK benötigt zur Versorgung in Niedersachsen täglich 2300 Blutspenden. Aufgrund der Wetterlage kommen derzeit bis zu 20 Prozent weniger Spender zu den Terminen.

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