Wird der Östringer Weg zum Nadelöhr? Kontroverse um Umgestaltung der Linie 41 in Haste

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Osnabrück. An der Umgestaltung der Buslinie 41 im Osnabrücker Stadtteil Haste mehrt sich die Kritik. Anwohner bemängeln die geplante neue Linienführung und befürchten, der Östringer Weg könne zum Nadelöhr werden. Die Stadtwerke stehen jedoch hinter ihren Plänen.

Worum geht es? Die Stadtwerke Osnabrück wollen die Linie 41, die zwischen Voxtrup und Haste verkehrt, komplett elektrifizieren. Die E-Buslinie soll im nächsten Jahr gewissermaßen das Flaggschiff des öffentlichen Nahverkehrs werden. Streckenweise werden dafür Straßenabschnitte wie an der Bramscher Straße umgebaut, um die Busfahrten zu beschleunigen. Auch in Haste soll sich etwas ändern: Die Planungen der Stadtwerke sehen vor, dass die Busse nicht wie bisher eine Schleife über die Rostocker Straße fahren, sondern von der Berningstraße aus kommend den Östringer Weg durchfahren. Am Rande der Bebauung haben die Stadtwerke bereits eine bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche erworben, auf der eine neue Buswende entstehen soll – mit Ladestation für die elektrisch betriebenen Busse.

Foto: NOZ MEDIEN

Was kritisieren die Anwohner am Östringer Weg? Michael Coers und Heiner Heidemann sind keine Fundamentalgegner der Pläne. Beide halten die Idee, auf dieser Linie komplett auf E-Busse umzustellen, sogar für innovativ. Doch wirklich durchdacht ist das Vorhaben ihrer Meinung nach nicht. „Wir glauben, dass die Stadtwerke bei ihren Planungen von Voraussetzungen ausgehen, die nicht zur Realität passen“, sagt Coers, der gemeinsam mit gut zwei Dutzend Anwohnern eine Bürger-Initiative ins Leben gerufen hat.

Er hält den Östringer Weg in seiner jetzigen Form für ungeeignet, einen Busverkehr im 10-Minuten-Takt aufzunehmen. Coers zeigt ein Dilemma auf: Die Straße werde als Parkraum dringend benötigt, gerade die parkenden Autos würden es den Gelenkbussen jedoch schwer machen, den Östringer Weg zu passieren. Parkverbote würden zumindest dieses Problem lösen, aber ein anderes schaffen: Wohin mit den Autos? Die Stadt hat jedenfalls bereits durchblicken lassen, dass Parkverbote nicht zur Debatte stehen. „Ich befürchte, dass der Östringer Weg zum Nadelöhr wird – nicht nur für Busse“, sagt Coers.

Generell wünscht er sich weniger Eingriffe in die bestehenden Verkehrsstrukturen – und kritisiert daher auch den Neubau von zwei Haltestellen. Ein Knackpunkt ist für ihn, dass die Endhaltestelle nicht in die neue Buswende integriert wird, sondern ein weiteres Hindernis auf dem Östringer Weg darstellt. Auch mit der geplanten Haltestelle vor der Bäckerei Welp, gegen die Bäckermeister Rainer Welp aufbegehrt, ist Coers nicht einverstanden. „Warum wird der Halt nicht in der alten Buswende untergebracht?“, fragt Coers.

Was sagen die Stadtwerke? Joachim Kossow, bei den Stadtwerken Projektleiter für das Thema „Neue Mobilität“, befürchtet keine größeren Probleme auf dem Östringer Weg. „Wir haben auf der Ameldungstraße am Schölerberg eine vergleichbare Situation. Dort klappt das Zusammenspiel von Bussen und Autos auf recht beengtem Raum auch gut“, sagt Kossow. Er könne verstehen, dass die Anwohner eine gewisse Skepsis haben. „Wenn sich gewohnte Dinge verändern, dann gibt es immer Befürchtungen.“ Allerdings hätten die Stadtwerke ihr Vorhaben gründlich durchgespielt – und beispielsweise auch alternative Ausgestaltungen geprüft.

Dass Endhaltestelle und Buswende nicht miteinander verknüpft werden, hat laut Kossow vor allem einen Grund: „Wir wollen den Eingriff in die Natur möglichst klein halten, bräuchten bei einer Zusammenlegung aber deutlich mehr Platz als jetzt. Da spielen natürlich auch betriebswirtschaftliche Gründe eine Rolle.“ Zudem solle gewährleistet sein, dass die Fahrer während der Busladezeiten ungestört pausieren können.

Welche Sorgen machen sich die Anwohner der Rostocker Straße? Auch einige Hundert Meter weiter sind die Anwohner alles andere als glücklich mit der geplanten Ausgestaltung der Linienführung. Marc Knuffmann ist einer von vielen Bewohnern der Rostocker Straße, die täglich die Linie 41 in Richtung Düstrup besteigen. Nach den Plänen der Stadtwerke soll die erst im vergangenen Jahr erneuerte Haltestelle „Rostocker Straße“ künftig entfallen. Anwohner müssen in Zukunft einen etwas weiteren Fußweg zur Berningstraße in Kauf nehmen. „Für mich ist das ärgerlich, für ältere Bewohner des Quartiers aber ein echtes Problem. Die werden in Zukunft richtig abgehängt“, sagt Knuffmann. Er versteht nicht, warum der Halt an der Rostocker Straße auf Biegen und Brechen entfallen soll, um die Linie zu beschleunigen. „Der Zeitgewinn kann doch höchstens eine Minute betragen“, meint der Anwohner.

Was sagen die Stadtwerke? Dass Knuffmann mit seiner Schätzung gar nicht so weit danebenliegt, bestätigt Thomas Schniedermann. Der Fahrplanleiter bei den Stadtwerken bezeichnet die Veränderung der Streckenführung als „machbaren Kompromiss“ für die Anwohner der Rostocker Straße. „Natürlich ist das für einige Anwohner eine kleine Verschlechterung. Das Ziel lautet aber, die Linie 41 zu beschleunigen und da kämpfen wir um jede Minute.“

Welche Rolle spielt die Kommunikation? Sowohl die Anwohner der Rostocker Straße als auch des Östringer Wegs fühlen sich von den Stadtwerken nicht ausreichend informiert. Bisweilen schwingt der Vorwurf durch, das Prestigeprojekt solle auf Biegen und Brechen durchgezogen werden – möglichst ohne Beteiligung der Anwohner. Dem tritt Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer entschieden entgegen. „Das Projekt wurde bei einer Veranstaltung mit dem Bürgerverein und auch nochmals im Bürgerforum vorgestellt. Es wurden Ansprechpartner genannt, die immer zu erreichen sind. Die neuen Haltestellen wurden im Stadtentwicklungsausschuss beschlossen. Das Projekt in Haste wurde nicht im stillen Kämmerchen durchgezogen.“ Gleichwohl würden die Stadtwerke ihre Kommunikation hinterfragen. „Wenn wir die Betroffenen über die gewählten Wege nicht mehr erreichen, müssen wir uns Gedanken machen, wie das in Zukunft besser funktioniert“, sagt Hörmeyer.


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