Genregrenzen gesprengt Study Up Award Jazz im Blue Note: Siegreiches „Schwagtett“

Von Matthias Liedtke

Feinperlig: 
              
              Das Trio um Pianist Gleb Tchepki (links) eröffnete den Study Up Award Jazz 2018 im Blue Note. Foto: Jörn MartensFeinperlig: Das Trio um Pianist Gleb Tchepki (links) eröffnete den Study Up Award Jazz 2018 im Blue Note. Foto: Jörn Martens

Osnabrück Puristisch, poppig, pittoresk: Eine Handvoll ganz unterschiedlicher Formationen aus dem Studienschwerpunkt Jazz des Instituts für Musik (IfM) konkurrierte im Blue Note um den Study Up Award, der am Ende an das „Schwagtett“ vergeben wurde.

Dabei hatte die vierköpfige Jury die schwere, wenn nicht sogar eigentlich unmögliche Aufgabe, aus einer großen Bandbreite an Stilen, die kaum miteinander vergleichbar sind, doch einen Sieger zu küren. Dass es das Quintett um Schlagzeuger Lukas Schwegmann geworden ist, mag neben persönlichen Geschmacksfragen auch dem Umstand geschuldet sein, dass es den fünf jungen Musikern gelang, pittoreske Klangbilder zu erzeugen, die den Jazz in ungewöhnliche Dimensionen trieb. Die große Handtrommel, das Saxofon und die Bassklarinette setzten auch morgenländische Akzente, während sich Gitarre und Kontrabass spannende, vom Schlagzeug pointiert moderierte Duelle lieferten. Beim Stück „Quasimodo“ vermochte man bei geschlossenen Augen auch dank entsprechender Tempo- und Rhythmuswechsel dessen buckligen Namensgeber geradezu durch die dunklen Gassen auf luftig offene Plätze und zurück kriechen und laufen sehen.

Erfrischend innovativ

Mit fein perlendem, puristischem Jazz des nach Pianist Gleb Tchepki benannten Trios hatte der äußerst abwechslungsreiche und kurzweilige Abend im Blue Note begonnen.  Dabei ließen die mitunter verspielten Kompositionen aber auch Raum für Brüche und gebremste Exzesse. Ungleich ungebremst und „To The Bone“ wirbelnd agierte dagegen zum Abschluss das Kölner Jazz-Fusion-Quartett Yottagon. Mit filigranster Technik und nahezu orgiastischer Spielfreude demonstrierten die Musiker um den ehemaligen IfM-Studenten und Saxofonisten Henning Vetter, der den Trostpreis für das schönste Hemd des Abends erhielt, mit komplexen Klangstrukturen, wie erfrischend und innovativ junger Jazz heute sein kann.

Schlagzeug zur Nachtruhe

Dazwischen kam schließlich auch noch die Jazz-Pop-Fraktion zu ihrem Recht. Clara John verlieh dabei ihrem Quartett eine so variable wie kraftvolle, oft in ungeahnte Höhen getriebene Stimme der Marke „Female Power Pop“. Ansätze von düsteren Spoken-Word-Passagen wurden immer wieder fröhlich weggerockt. Mit Keyboard, Gitarre und Ukulele begleitete das durchgehend weibliche Trio Luah seine bezaubernd leichtfüßigen Vokalharmonien selbst, die aber auch schon mal in kanonartige, repetitive Stimmduelle mündeten. Als buchstäblich schlagkräftige männliche Verstärkung holten sich die drei Damen Lukas Schwegmann dazu, der sich somit selbst Konkurrenz machte. Mit seinem siegreichen „Schwagtett“ lieferte er als Zugabe noch eine besinnlich leise Ballade zur Nachtruhe. Wohl selten hat man ein Schlagzeug zärtlicher gehört.