Kontrastierende Trios Letztes Kammerkonzert im Theater mit Klarinettentrios

Von Jan Kampmeier

Souveränes Zusammenspiel: Michael Gäbel (Klarinette), Raphaël Walter (Cello) und Markus Lafleur (Klavier).Foto: OsterfeldSouveränes Zusammenspiel: Michael Gäbel (Klarinette), Raphaël Walter (Cello) und Markus Lafleur (Klavier).Foto: Osterfeld

Osnabrück. Im letzten Kammerkonzert der Saison am Theater stellte Michael Gäbel gemeinsam mit Raphaël Walter am Cello und Markus Lafleur am Flügel die Klarinettentrios von Louise Farrenc und Johannes Brahms vor.

Brahms‘ Klarinettentrio ist innerhalb der Gattung der Top-Favorit sowohl bei Interpreten als auch beim Publikum. Sein knapp 40 Jahre älteres Gegenstück von der französischen Komponisten Louise Farrenc hingegen ist weitgehend unbekannt. Mit Farrenc geht‘s am Sonntag Mittag los, ein hübsches, gut klingendes und heiteres Werk tönt durch das Orchesterstudio. Stilistisch scheint es, obwohl nach 1850 entstanden, noch in die erste Jahrhunderthälfte zu gehören, manchmal klingt es fast klassisch, mitunter herrscht ein sanft schwärmerischer Ton. Transparent und leicht ist es komponiert, Klarinette und Cello dürfen oft lyrisch singen, das Klavier wird immer wieder auch recht munter und geläufig eingesetzt: Louise Farrenc war selbst Pianistin und hat sich den Part vielleicht etwas virtuos in die eigenen Finger geschrieben, spielend werden aber auch die von Markus Lafleur damit fertig. Souverän funktioniert auch das Zusammenspiel, ist dies doch nicht der erste gemeinsame Auftritt der drei Musiker. Zwar bietet Louise Farrencs Trio einen melancholischen Gesang im zweiten Satz, kurze dunkel-mysteriöse Einschübe im leichten Menuett und eine andeutungsweise aufgewühlte Durchführung im sonst harmlosen Finale, doch insgesamt ist dem Werk jegliche Dramatik, Schwere und Tiefe weitgehend fremd. Damit bildet es einen ziemlichen Kontrast mit Brahms‘ Trio, einem herbstlich ernsten Spätwerk, das zugleich leidenschaftlich und fast verklärt wirkt. Farrenc ist also sicher zugänglicher, aber Brahms berührt doch ganz anders. Der Klang der drei Musiker scheint hier, nach der Pause, völlig verändert, bei Michael Gäbel schon allein deshalb, weil er nun statt der Klarinette in B die um einen Halbton tiefere in A spielt, bei Markus Lafleur, weil der Klaviersatz sehr viel dichter ist, zumal in den Bässen, doch auch Raphaël Walters Cello klingt nun voluminöser und intensiver. Sensibel interpretiert, vermittelt sich die besondere Stimmung dieser Musik selbst zur hell-sonnigen Mittagsstunde. Mit einem expressiven Andante von Nino Rota haben die Musiker noch eine besonders saftige Rarität als Zugabe parat.


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