Textilsauna im Osnabrücker Nettebad In „Klein-Finnland“ bleibt der Bikini angezogen

Von Lea Wittkopf

Eine Koivu-Saunakabine zieht mit Hilfe eines Krans in die neue Saunalandschaft „Klein-Finnland“ um. Foto: Swaantje HehmannEine Koivu-Saunakabine zieht mit Hilfe eines Krans in die neue Saunalandschaft „Klein-Finnland“ um. Foto: Swaantje Hehmann

lewi Osnabrück. Die Stadtwerke Osnabrück errichten im Nettebad den neuen Saunabereich „Klein-Finnland“. Das Besondere: Es handelt sich um ein Textilsaunadorf, in dem die Besucher ihre Badebekleidung anlassen.

Für so manchen erfahrenen Schwitzer ist die Abkehr vom FKK-Zwang in der Sauna nichts weniger als der ultimative Tabubruch. Doch sie entspricht dem Kundenwunsch und ist zudem internationaler Trend. „Wir kommen mit dem neuen Angebot dem zunehmenden Bedarf unserer Gäste nach“, erläutert Stadtwerke-Bäderchef Wolfgang Hermle. In Italien oder den USA würde man sofort herauskomplementiert, tauchte man unbekleidet in einer Sauna auf. Und selbst in Finnland, dem großen Vorbild der Saunakultur, gibt es inzwischen zumindest geschlechtergetrennte Bereiche. „Dieser Trend schwappt mehr und mehr auch zu uns nach Deutschland über“, sagt Hermle.

Dies hätten auch Kundenbefragungen der Stadtwerke am Nettebad bestätigt. Über 40 Prozent der Kunden gaben demnach an, eine Textilsauna nutzen zu wollen, sollte es diese künftig geben. Anhand dieser Umfragewerte sehen die Stadtwerke großes Potenzial in dem neuen Angebot.

Besonders unter Jüngeren gebe es durch die Präsentation in sozialen Medien ein stark genormtes Schönheitsideal. Viele seien deshalb mittlerweile unsicher, was die Ästhetik des eigenen Körpers angeht, nennt Hermle eine Begründung für den Anti-FKK-Trend. „Klein-Finnland“ richtet sich dementsprechend vorrangig an Saunaeinsteiger, junge Menschen und Familien. Auch die Temperatur in den neuen Hütten ist mit 65 bis 58 Grad Celsius niedriger als gewöhnlich und damit eher für Sauna-Anfänger sowie für Familien mit Kleinkindern interessant. In den anderen Saunen des Nettebades bleibt alles beim Alten.

Am Dienstagvormittag wurden die beiden KoivuKabinen des Loma-Saunagartens von einem Kran in den Nettebad-Außenbereich versetzt. Dort soll auf etwa 635 Quadratmetern das neue Dorf im urigen Finnland-Stil errichtet werden. „Wir möchten, dass man in eine andere Welt eintaucht, in der man sich sehr wohlfühlt“, betont Projektleiter Jürgen August.

Die drei Schwitz- und eine Ruhehütte mit Platz für bis zu 51 Personen sind durch einen Übergang vom Freizeitbad aus zu erreichen. Nutzern wird ein Aufpreis von 3,90 Euro berechnet. Durch die neu gewonnenen Kapazitäten solle es auch in den stark besuchten Saunanächten zur Entlastung kommen, so August. Des Weiteren wird „Klein-Finnland“ auch für geschlossene Veranstaltungen wie Jungesellenabschiede zur Verfügung stehen.

Bis das neue Saunadorf am 1. Oktober in Betrieb genommen werden soll, steht noch einiges an Arbeit bevor. Diese verrichten die Stadtwerke ganz ohne Hilfe von außen: „Ich bin schon etwas stolz darauf, dass wir alles komplett aus eigener Hand machen“, freut sich Jürgen August.


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