„Zähneputzen im Klassenzimmer“ Zu viele Kinder im Landkreis haben Karies

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Noch zu viele Kinder haben im Landkreis Osnabrück Karies. Der zahnärztliche Dienst des Landkreises Osnabrück arbeitet seit über 30 Jahren an Schulen und Kitas, um über richtige Zahnpflege bei Kindern und Jugendlichen aufzuklären.  Foto: Archivfoto/Achim ScheidemannNoch zu viele Kinder haben im Landkreis Osnabrück Karies. Der zahnärztliche Dienst des Landkreises Osnabrück arbeitet seit über 30 Jahren an Schulen und Kitas, um über richtige Zahnpflege bei Kindern und Jugendlichen aufzuklären. Foto: Archivfoto/Achim Scheidemann

Osnabrück. Der zahnärztliche Dienst des Landkreises Osnabrück hat Bilanz in Sachen Zahngesundheit bei Kindern gezogen. Auch, wenn die Zahl der an Karies erkrankten Kinder seit 1987 insgesamt zurückgegangen ist, gibt es noch zu viele Kinder mit ungesunden Zähnen.

Seit über 30 Jahren arbeitet ein Team des Landkreises Osnabrück aus mittlerweile 17 Prophylaxefachkräften und zwei Zahnärzten in Kindertagesstätten und Grundschulen. „Die Zahl der Kinder, die ein naturgesundes Gebiss haben, ohne Füllungen, ist insgesamt im Landkreis Osnabrück gestiegen“, sagt Zahnärztin Dr. Brigitte Brunner-Strepp. „Wir zeigen Eltern und Kindern, wie richtige die Zähne geputzt werden müssen und gesunde Ernährung funktionieren“, sagt Brunner-Strepp. Spielerisch mit Theaterstücken oder praktisch mit Zahnputzübungen: Das Konzept kommt laut Brunner-Strepp an und erzielt Erfolge. Trotzdem gebe es immer noch Baustellen in Sachen Zahngesundheit bei Kindern. Vor allem in nördlichen Teilen des Landkreises.

Zahnpflege im Elternhaus

„Auffällig ist, dass mehr Kinder im Artland, in Fürstenau und Neuenkirchen Karies haben“, sagt Brunner-Strepp. „Woran das genau liegt, das können wir nicht sagen. Die Stellschraube haben wir noch nicht gefunden.“ Fest steht ihrer Meinung nach, dass gesunde Zähne keine reine genetische Angelegenheit sind, sondern mit Wissen und Bildung zusammenhängen. Karies habe mehrere Ursachen. „Die Eltern müssen ihren Kindern zuhause nicht nur zeigen, wie die Zähne geputzt werden müssen, sondern auch vermitteln, wie man sich gesund ernährt.“ Dazu gehöre auch, dass Kinder wenig Zucker in Form von Säften oder Zwischenmahlzeiten zu sich nehmen sollten. „Gerade bei dreijährigen Kindern seien die Karies-Fälle im Landkreis noch zu hoch: „Die Zahl liegt bei 12 Prozent, die muss sinken“, sagt Brunner-Strepp. Die gesündesten Zähne bei Kindern gibt es laut Brunner-Strepp in Wallenhorst, Bissendorf, Hasbergen, Hagen und Bad Rothenfelde.

Zahngesundheit beeinflusst die allgemeine Gesundheit

„Kranke Milchzähne rufen Schmerzen hervor, beeinflussen die weitere Zahnentwicklung und können Sprechstörungen hervorrufen“, sagt die Zahnmedizinerin. Außerdem könnten die Kinder psychisch unter schlechten Zähnen leiden, da sie aufgrund der bräunlichen Zähne gemobbt werden könnten. Darum sei weiterhin eine Aufklärung an Schulen und Kitas notwendig. Aber es werde mittlerweile noch eher angesetzt: „Wir verteilen schon an Geburtskliniken und bei Kinderärzten ein zahnärztliches Untersuchungsheft“, sagt Brunner-Strepp. Schon bei den Jüngsten müsse auf die richtige Zahnpflege geachtet werden, was sich dann an der Grundschule vorsetzen sollte.

Dazu merkt Dr. Gerhard Bojara vom Gesundheitsdienst des Landkreises in einer Ausschusssitzung an: „Wir bemerken, dass immer weniger Kinder im Kindergarten und Schule ihre Zähne putzen, es gibt dafür oft keine Räumlichkeiten mehr.“ Das sei vor allem in Ganztagseinrichtungen ein Problem, das einfach behoben werden könnte. „Im Prinzip können in jedem Klassenzimmer die Zähne geputzt werden, es muss nur gewollt sein.“


Dr. Brigitte Brunner-Strepp: Zahlen zur Zahngesundheit bei Kindern von 1987 bis 2017 im Landkreis Osnabrück:

Im Jahr 1987 hatte knapp die Hälfte (47,6 Prozent) der Kinder in Kindertageseinrichtungen ein naturgesundes Gebiss, also weder Karies noch Füllung. Anders ausgedrückt: Jedes zweite Kind hatte Karieserfahrung.

In 2017 waren 77,3 Prozent der Kinder naturgesund, also jedes vierte Kind hatte Karieserfahrung. Auch die Höhe des Kariesbefalls veränderte sich in dieser Zeit. Hatte in 1992 jedes Kind im Mittel zwei kariöse oder gefüllte Milchzähne, waren es in 2017 nur noch 0,76. Die Anzahl der kariösen Zähne hat sich also um rund zweidrittel reduziert.

In den Grundschulen hatte im Jahr 1987 nur knapp einviertel der Kinder (22,3 Prozent) ein naturgesundes Gebiss. Von vier Kindern hatten drei Kinder Karieserfahrung.

In 2017 waren 46,9 Prozent der Kinder naturgesund, nur noch jedes zweite Kind hatte Karieserfahrung.

Auch die Höhe des Kariesbefalls veränderte sich in dieser Zeit. Hatte in 1994 jedes Kind im Mittel 0,81 kariöse oder gefüllte bleibende Zähne, waren es in 2017 nur noch 0,21. Die Anzahl der kariösen Zähne hat sich also um dreiviertel reduziert.

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