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Täuschungsversuchen vorbeugen Tricks an den Osnabrücker Gymnasien: Vom Spickzettel zum Smartphone

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<em>Handys</em> müssen vor den Abiturklausuren in Osnabrücker Schulen abgegeben werden. Wer dennoch mit einem erwischt wird, kann den Stift sofort hinlegen: Täuschungsversuch. Foto: Stefanie HiekmannHandys müssen vor den Abiturklausuren in Osnabrücker Schulen abgegeben werden. Wer dennoch mit einem erwischt wird, kann den Stift sofort hinlegen: Täuschungsversuch. Foto: Stefanie Hiekmann

Osnabrück. Bevor es an die Arbeit geht, müssen die Handys abgedrückt werden. An keiner der Osnabrücker Schulen, an denen zurzeit Abitur geschrieben wird, gibt es da eine Ausnahme. Wer es dennoch wagt, ein Zweithandy mit in den Prüfungsraum zu nehmen und dabei erwischt wird, kann den Stift direkt beiseitelegen. Die Arbeit wird dann mit null Punkten bewertet – Täuschungsversuch.

Die Zeiten haben sich geändert. Vor fünf Jahren war der Spickzettel noch das Mittel der Wahl – sofern man es denn auf Hilfsmittel im Abitur angelegt hatte. Viel größer und dicker sind die heutigen Helferlein gar nicht mal. Aber sie haben es in sich und lassen den alten Spickzettel ziemlich niedlich in der Ecke stehen: Denn internetfähige Smartphones können nicht nur drei oder vier Stichwörter, sondern eigentlich alles mit in den Klausurraum tragen, was Schüler dort benötigen. Das World Wide Web, kurz „www“, sitzt neben dem Prüfling.

Sicherlich kann ein einfacher Interneteintrag längst nicht bei jeder Arbeit weiterhelfen, doch es gibt durchaus Fächer, bei denen man durch einen kurzen Besuch im Netz vorankommen kann: „Wenn einem ein mathematischer Ansatz fehlt oder man Hilfe bei lateinischen Texten sucht, kann das schon helfen“, bestätigt Josef Krotzek, Schulleiter des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums (GSG).

Doch genauso wie an allen anderen Schulen sind Handys am GSG während der Abiturprüfung verboten. „Wir haben sehr intensive Gespräche geführt“, so Krotzek. Die Prüflinge seien detailliert darüber unterrichtet worden, was passiert, wenn sie ein Handy mit in den Prüfungsraum nehmen. „Das ist ein Täuschungsversuch, das gibt ganz klare Sanktionen“, sagt der Schulleiter. Mindestens wird die Arbeit mit null Punkten bewertet. Im vergangenen Jahr habe es diesen Fall sogar einmal gegeben.

Keine hohen Stapel

„Wir schauen auch verstärkt auf die Tische“, sagt Krotzek. So dürften Schüler ihre Unterlagen und Schreibmaterialien nicht beliebig auf ihren Tischen stapeln. „Die Geräte sind so klein, die passen da sonst viel zu schnell mal in eine Lücke.“ Die betreuenden Lehrkräfte müssen sofort sehen können, was genau auf den Platten liegt.

„Für die Schüler ist das ein hohes Risiko“, betont Wolfgang Schwenderling, Oberstufenkoordinator des Carolinums. „Ich denke schon, dass das ein bisschen abschreckt!“ Ganz gleich, ob ein Handy gerade genutzt wird oder nicht – wird es während der Abiturprüfung entdeckt, ist die Arbeit beendet. „Wir haben da in der Informationsveranstaltung zum Abitur deutlich drauf hingewiesen“, so Schwenderling. Zu Beginn der Prüfung werden alle Handys eingesammelt und vorne auf das Pult gelegt.

Genauso läuft es auch am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium. „Und wir haben in der Belehrung zum Abitur auch das Szenario vorgestellt, dass ein zweites Handy mit in die Prüfung gebracht wird. Das wäre dann schon ein schwerer Täuschungsversuch“, erläutert Oberstufenkoordinatorin Annette Averdiek-Bolwin. Darüber hinaus werde nicht nur im Prüfungsraum ein Auge auf die Schüler geworfen. Auch die Flure seien beaufsichtigt. Zudem werde über jeden Toilettengang Protokoll geführt – mit minutengenauen Zeitangaben. „Das ist in ganz Niedersachsen so“, erklärt Averdiek-Bolwin. Die „Verordnung über die Abschlüsse in der gymnasialen Oberstufe“ sehe das so vor. Wenn man anhand dieses Protokolls dann sehen würde, dass ein Schüler zehn bis fünfzehn Minuten weg wäre, wäre das schon sehr auffällig, findet die Lehrerin.

Überwachung

Während die Osnabrücker Schulen bei ihren Schülern auf Ehrlichkeit setzen und sie einfach nur warnen, ihre Handys mit in die Klausuren zu nehmen, gehen andere Schulen in Deutschland einen Schritt weiter: In einem Gymnasium in Odenthal werden laut einem Bericht der „Rheinischen Post“ sogenannte Frequenzmessgeräte eingesetzt, um mitgebrachte Handys im Prüfungsraum ausfindig zu machen. Ist das Gerät eingeschaltet, sieht der Lehrer das am Ausschlag seines Messgeräts. Ähnlich geht auch ein Lehrer aus Witten vor, wie die „Ruhr Nachrichten“ berichten. Er prüft über sein eigenes Handy, welche anderen aktivierten Bluetooth-Geräte im Raum sind. Schüler, die die Bluetooth-Funktion ihres Handys nicht ausgestellt haben, fliegen damit auf.

Wobei Nachforschungs-Aktionen, wie sie in Odenthal oder in Witten betrieben werden, Grenzen haben. So weist Dieter Paul, Oberstufenkoordinator des Gymnasiums Oesede darauf hin, dass nur „im Rahmen des Erlaubten“ kontrolliert werden darf. „In die Taschen gucken dürfen wir zum Beispiel nicht.“ Glücklicherweise sei am Gymnasium Oesede aber bisher noch nie ein Täuschungsversuch mit dem Handy vorgefallen. Zumindest nicht aufgeflogen. Wie übrigens an den meisten Osnabrücker Gymnasien.


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