Hauptschule Innenstadt Osnabrücker Hauptschüler kämpfen für ein besseres Image

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Sie gehen gerne auf die Hauptschule Innenstadt und sind stolz darauf (von links): Benjamin Hellmich, Gabrielle Dorsten, Jacqueline Froese, Ioan Comsa. Foto: Sandra DornSie gehen gerne auf die Hauptschule Innenstadt und sind stolz darauf (von links): Benjamin Hellmich, Gabrielle Dorsten, Jacqueline Froese, Ioan Comsa. Foto: Sandra Dorn

Osnabrück. Den Schülern der Hauptschule Innenstadt in Osnabrück reicht es: Ständig werde über ihre Schule gelästert und bei Bewerbungen hätten sie schlechte Karten, nur weil sie die Hauptschule besuchten, beschweren sie sich. Dabei sei das schlechte Image überhaupt nicht gerechtfertigt.

Es muss sich schon sehr viel Frust angestaut haben, dass vier Zehntklässler der Hauptschule Innenstadt an einem Freitagvormittag plötzlich in unserer Redaktion aufkreuzen, um der Redakteurin einen Brief zu überreichen. Aus der geplanten kurzen Übergabe wird ein langes Gespräch. Die 16- und 17-Jährigen haben vieles, das sie endlich einmal loswerden wollen.

„Nur weil man auf eine Hauptschule geht, ist man nicht gleich unterbelichtet“, sagt Benjamin Hellmich, 17. „Wir haben Ziele, wollen arbeiten, der Gesellschaft etwas zurückgeben.“ Jacqueline Froese, 17, Klassensprecherin der 10a, ergänzt: „Nur weil man auf eine Hauptschule geht, wird man nicht gleich Hartz-IV-Empfänger.“

Arbeitgeber skeptisch

Aber leicht sei es nicht, einen Ausbildungsplatz zu finden – eben weil sie Hauptschüler seien. „Wenn man sagt, man geht auf die Hauptschule Innenstadt, wird man gleich abgelehnt“, berichtet Gabrielle Dorsten, 16. Oder man ernte mindestens einen skeptischen Blick, meint Jacqueline.

Und dann wären da noch die Reaktionen von Schülern anderer Schulen. Das gehe von Lästern am Schultor bis hin zu veritablem Mobbing. Blicke und Äußerungen, die verletzen. „Es ist doch nur eine Schule“, betont Benjamin Hellmich, „es gibt auf einem Gymnasium auch Probleme.“

Schlägerei vor anderthalb Jahren hängt bis heute nach

Es war ausgerechnet ein Artikel unserer Zeitung, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. In einem Bericht über Jugendkriminalität und die Pläne für ein Haus des Jugendrechts in Osnabrück hatten wir erwähnt, dass es Ende 2016/Anfang 2017 Schlägereien gegeben hatte, an denen Schüler der Hauptschule Innenstadt beteiligt waren, weil der Fall bis heute nicht vor Gericht verhandelt wurde. „Dieser Vorfall ist noch ungeklärt, sodass es keine konkreten Hinweise gibt, dass nur Schüler/innen unserer Schule beteiligt waren“, schreibt Jacqueline Froese in ihrem Brief. „Außerdem fand dieser Vorfall auf einem öffentlichen Platz und nach der regulären Schulzeit statt. Aber schon wieder wurde dieser alte Beitrag ausgegraben und sogar verlinkt.“

Nun ja, dass solche Vorfälle nicht verschwiegen werden dürfen, das sehen die vier ein. Doch ihr Problem beschreibt Ioan Comsa, 16, so: „Wir bezahlen für die Fehler anderer.“ Diejenigen, die damals an den Gewalttaten beteiligt waren, seien alle längst nicht mehr auf ihrer Schule. Was bleibe, sei der schlechte Ruf der Lehranstalt.

Ja, diese körperlichen Auseinandersetzungen würden der Schule immer noch nachhängen, sagt Schulleiter Christoph Wiebke. Natürlich habe die Hauptschule Innenstadt auch Probleme, mit Verspätungen und Schulschwänzen etwa. „Das sind aber Probleme, die an anderen Schulen auch bestehen“, so Wiebke. „Wir versuchen den Schülern das zu geben, was sie benötigen.“ Das Leitbild der Schule sei, Konflikte nicht mit Gewalt zu lösen. Drei Schulsozialarbeiter seien für die Schüler stets ansprechbar.

„Die Hauptschule nimmt dich so, wie du bist“

Keiner der vier Jugendlichen versteht, warum immer nur negative Ereignisse in den Vordergrund gestellt würden. Sie gehen gerne auf ihre Schule. „Die Hauptschule nimmt dich so, wie du bist“, betont Jacqueline Froese. Alle vier gehen in die Klasse 10a und haben bereits einen Ausbildungsplatz sicher, Jacqueline als Bäckereifachverkäuferin, Ioan als Umweltschutztechniker, Gabrielle als Kauffrau im Einzelhandel und Benjamin als Anlagenmechaniker. Hauptschüler, die jedoch davon träumten, Zahnarzthelferin zu werden, hätten keine Chance. Das finden sie ungerecht. Ioan: „Wir sind normale Menschen wie alle anderen, wie Gesamt- und Gymnasialschüler.“


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