Von der Schmiede zur Catering-Küche Das Osnabrücker Landhaus Mehring gibt es seit 1891

Von Joachim Dierks


Osnabrück. Ausflugsgaststätten lagen in den Gründerjahren meistens an Ausfallstraßen, wo man sie leicht fand und wo man sowieso regelmäßig vorbeikam. Das war die Gründungsidee auch des Kaffeehauses Mehring in Nahne. Heute fahren dort 15.000 Autos am Tag. An ein gemütliches Kaffeetrinken im lauschigen Garten ist kaum mehr zu denken. Aber die Eigentümerfamilie Plate, die auch das nahe gelegene Hotel-Restaurant Waldesruh betreibt, hat sich angepasst.

Nach mehreren Versuchen mit wechselnden Pächtern haben die Plates mit Tochter Eva-Maria und Schwiegersohn Tobias Schäfer Anfang 2018 das Heft des Handelns wieder selbst in die Hand genommen und verfolgen ein neues Konzept. Das „Landhaus Mehring“ bietet seither jeden Sonntag ein Brunch-Buffet an und an allen Tagen auf Verabredung eine Event-Bewirtung beispielsweise für Familienfeiern im Haus und Catering-Dienste außer Haus.

Die Mehring-Küche soll als eine Art Zentralküche im Bankettgeschäft auch die Gaststätte Waldesruh mitversorgen. Außerdem ist nach wie vor ein Teil der Räumlichkeiten an den Osnabrücker Arbeitskreis Familienforschung vermietet, der dort Archiv und Büro unterhält.

Mit den Wörtern „Brunch“ und „Catering“ hätte Franz Mehring wohl nichts anfangen können. Der aus Sutthausen stammende Schmied entschloss sich im Dreikaiserjahr 1888, den erlernten Beruf an den Nagel zu hängen. Er sah seine neue Berufung darin, den im Harderberg Erholung suchenden Menschen eine Einkehrmöglichkeit zu bieten.

Im 19. Jahrhundert war die Liebe zur Natur neu erwacht, erste bescheidene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung in gesunder Umgebung taten sich auf. Mehring erwarb die alte Schmiede, in der er zuvor die Pferdehufe beschlagen hatte. Sie lag verkehrsgünstig an der Stelle, wo die Landstraße nach Rothenfelde (die spätere Reichsstraße 68) auf die Chaussee nach Iburg (Reichsstraße 51) stieß. In das Wohnhaus baute er eine Gaststube ein. 1891 erhielt er die ersehnte Schankkonzession.

Mit Kind und Kegel ins Grüne

Mehring brauchte nicht viel Reklame zu machen, bald war das Haus sehr beliebt. In Scharen kamen die Ausflügler „mit Kind und Kegel“ besonders an Sonn- und Feiertagen auf ihrem Weg durch das „Himmelreich“ auf den Harderberg bei ihm vorbei und kehrten ein.

Mehring war ein tüchtiger Wirt, der sich geschickt auf die Vorlieben seiner Gäste einstellte. Eine wichtige Rolle spielte Ehefrau Gertrud, die einen viel gelobten Bauernstuten buk. Als ihr Mann 1915 starb, führte sie den Betrieb weiter und baute ihn aus. Seitdem die Straßenbahn bis zum Schölerberg fuhr, kamen noch mehr Gäste. Mutter Mehrings Bauernstuten bildete die Grundlage für die leckeren Schinkenbutterbrote mit Spiegelei, „die weit und breit ihresgleichen suchten“, wie man damals stolz verkündete.

1935 starb Gertrud Mehring, die Töchter Sophie und Anna machten weiter. Sie führten das Kaffeehaus durch die schwierige Zeit des Krieges und die entbehrungsreiche Nachkriegszeit.

Neueröffnung 1984

Aus Altersgründen übergaben sie 1976 den Betrieb an Heinz Plate und seinen Sohn Werner. Plate hatte 1952 das Kaffeehaus Waldesruh aufgebaut, das knapp zwei Kilometer entfernt gerade eben zu Georgsmarienhütte gehört, während Mehring knapp nördlich der Stadtgrenze in Osnabrück-Nahne liegt. 1983 nahmen die Plates eine Modernisierung vor und eröffneten im Mai 1984 neu unter dem Namen „Landhaus Mehring“. Im April 1991 feierten die Wirtsleute ein Fest zum hundertjährigen Bestehen des Hauses.

Als Landhaus Mehring wird das Haus Iburger Straße 240 seit Januar mit neuem Konzept betrieben. Foto: Joachim Dierks

Die goldenen Zeiten der 1950er- und 1960er-Jahren waren jedoch nicht mehr zurückzuholen. Mehring passte sich mit reduzierten Öffnungszeiten und teils neuen Nutzungen an. Seit Januar weht nun ein neuer frischer Wind im alten Landhaus. Die Eheleute Schäfer sind zuversichtlich, mit der modernisierten großen Küche und dem renovierten Saal zukünftig eine noch größere Rolle im Bankettgeschäft zu spielen.