13,7 Millionen Euro für Digitalisierung Ende der Kreidezeit in Osnabrücker Schulen

Von Dietmar Kröger

Osnabrück macht sich auf den Weg, die städtischen Klassenzimmer zu digitalisieren. Symbolfoto: dpaOsnabrück macht sich auf den Weg, die städtischen Klassenzimmer zu digitalisieren. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Die meisten Schulen hinken der technischen Entwicklung im IT-Bereich weit hinterher. Es fehlt an allen Ecken und Enden, beim Breitband-Anschluss ebenso wie bei der Ausstattung mit Endgeräten. Mit einem Medienentwicklungsplan will die Verwaltung den Sprung der Schulen in die digitale Gegenwart schaffen. Kostenpunkt: 13,7 Millionen Euro.

Nicht weniger als 87 Seiten umfasst der von der Firma ifib consult in Zusammenarbeit mit den Schulen und dem Schulträger erstellte Medienentwicklungsplan (MEP) für die Osnabrücker Schulen in städtischer Trägerschaft, den zunächst der Finanzausschuss in seiner Sitzung am Dienstag, 29. Mai, und in der Folge der Schul- und Sportausschuss am Donnerstag, 31. Mai, beraten wird. Der Schwerpunkt des Papiers liegt auf der pädagogischen Arbeit an Schulen. Verwaltung oder auch Unterrichtsvor- oder -nachbereitung sind ausdrücklich nicht Bestandteil des MEP. Der MEP folgt auf das Konzept „Neue Medien in die Schulen“, das aus dem Jahr 2001 stammt. Rund 500000 Euro flossen mit dem Konzept jährlich für die IT-Beschaffung in die Schulen. In den vergangenen Haushaltsberatungen stockte der Rat diesen Betrag auf eine Million Euro auf.

Rasante Entwicklung

Nun sind 17 Jahre im innovationsfreudigen IT-Bereich ein gewaltiger Zeitraum. Weder allgemeinbildende noch berufsbildende Schulen haben mit der oftmals rasanten Entwicklung Schritt halten können. In der Regel fehlten die finanziellen Mittel, aber auch das Know-how hinkte dem Fortschritt hinterher. Diese Lücken zu schließen und bis 2023 möglichst alle Schulen auf den Stand der Dinge zu bringen, ist eine Aufgabe des nun aufgelegten MEP. Schuldezernent Wolfgang Beckermann betont, der Medienentwicklungsplan gebe den Rahmen vor, der im Laufe der kommenden Jahre konkret mit Inhalt gefüllt werden müsse. Dabei ist der MEP kein bunter Wunschzettel, auf dem die digitalen Träumereien für eine bessere Schulwelt erfasst wurden. Er ist notwendiges Instrumentarium, um zum einen die digitale Weiterentwicklung an den Schulen in kommunaler Trägerschaft koordiniert voranzutreiben, gleichzeitig ist er unabdingbar, um Förderprogramme wie zum Beispiel die Digitalisierungskampagne für Schulen der Bundesregierung in Höhe von fünf Milliarden Euro anzuzapfen. Kurz gesagt: Ohne Konzept kein Geld von Bund und Land.

Funkvernetzung und den Breitbandausbau

Und so schlägt der MEP Maßnahmen in acht zentralen Bereichen vor, wobei Beckermann gleichzeitig betont, dass sich auch die Schulen – soweit noch nicht vorhanden – mit Konzepten auf den Weg machen müssen. Dass an vielen Schulen aufgrund von schwächelnden Leitungen nur tröpfchenweise Daten aus dem Netz in den Klassenraum sickern, ist eines von vielen Problemen. Deshalb zählt der MEP die Funkvernetzung und den Breitbandausbau zu den grundlegenden Maßnahmen, ebenso wie zentrale Serverlösungen, die einen einfachen Zugang zum Netz insbesondere auch über W-Lan ermöglichen.

Ein Endgerät für fünf Schüler

Das alles aber macht kaum Sinn, wenn das Verhältnis Schüler/Computer nicht stimmig ist. Soll heißen: Wünschenswert wäre ein 1:1-Verhältnis – für jeden Schüler ein Endgerät. Der MEP schlägt vor, dieses Verhältnis durch die Nutzung schülereigener Geräte bis zum Jahr 2023 umzusetzen. Eine Zwischenetappe wäre erreicht, wenn demnächst wenigstens schon ein Endgerät auf fünf Schüler käme. Dass im Jahr 2018 bei Weitem noch nicht in allen städtischen Klassenzimmern Beamer, Drucker oder Dokumentenkameras zur Verfügung stehen, kommt einem Anachronismus gleich. Auch hier sieht der MEP dringenden Handlungsbedarf.

Gewaltiger Schluck aus der Pulle

Was aber nutzt alle Technik, wenn sie mal nicht funktioniert? Support heißt das Zauberwort. Der aber ist nur durch ausreichend Personal zu gewährleisten. An dieser Stelle wird es spannend, weil die damit verbundenen Ausgaben sich dauerhaft im Haushalt niederschlagen werden. Für die 44 allgemeinbildenden und drei berufsbildenden Schulen mit dann über 6000 Endgeräten rechnet der MEP ab dem Jahr 2023 mit Personalkosten von 715000 Euro jährlich. In den Jahren zuvor sind es 520000 Euro (2020 bis 2022) und 325000 Euro im kommenden Jahr. „Wir machen hier einen großen Schritt“, sagt Beckermann. Dass 13,7 Millionen Euro verteilt auf fünf Jahre ein gewaltiger Schluck aus der Pulle sind, weiß auch Osnabrücks Schuldezernent. Aber: „Es geht hier um einen Bildungsauftrag, den wir als Stadt auszufüllen haben.“ Für Beckermann besteht also keinerlei Zweifel an der unbedingten Notwendigkeit des MEP.