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Winterdienst statt Ackerbau Landwirte im Osnabrücker Land nutzen auch in den kalten Monaten ihre Maschinen

Dank des Winterdienstes hat der landwirtschaftliche Lohnunternehmer Franz-Josef Balgenort-Lingemann seine Maschinen und Mitarbeiter auch zu dieser Jahreszeit im Einsatz. Foto: Hermann PentermannDank des Winterdienstes hat der landwirtschaftliche Lohnunternehmer Franz-Josef Balgenort-Lingemann seine Maschinen und Mitarbeiter auch zu dieser Jahreszeit im Einsatz. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück/Bissendorf. Parkplätze vereisen, Gehwege schneien zu, und Bahnübergänge sind nicht mehr passierbar. Auch wenn der Winter uns bislang damit verschont hat, stehen Unternehmen oder Kommunen dennoch vor der Frage, wie sie die Folgen von Schnee und Glatteis abmildern können. Eine Lösung: Zunehmend kommen Landwirte zum Einsatz.

Katrin und Markus Wermers betreiben einen landwirtschaftlichen Betrieb in Bramsche-Achmer. Ihr Augenmerk liegt auf Schweinemast und Ackerbau – und seit drei Jahren auf dem Winterdienst für die Deutsche Bahn. Möglich wurde dies durch eine Vereinbarung zwischen dem Unternehmen und dem Maschinenring Artland, in dem rund 1100 Landwirte organisiert sind. Die Maschinenringe sind zum Beispiel für Betriebshilfen oder Maschinenvermittlung zuständig. Doch seit Mitte der 90er-Jahre vermitteln sie auch Winterdienste, Tendenz steigend, berichtet Franz Josef Escher, Geschäftsführer der MR Maschinenring GmbH.

Allerdings kommen nur wenige landwirtschaftliche Betriebe für diese Aufgabe in Betracht. Man stelle sich vor, dass Kühe gemolken werden müssen, der Landwirt aber gerade Parkplätze von Schnee befreit. Anders verhält es sich beim Ehepaar Wermers. „Mit Mastschweinen ist man zeitlich einigermaßen flexibel“, sagt Markus Wermers. Schließlich sind die Fütterungszeiten automatisiert, die Kontrollgänge kann er zeitlich mit dem Winterdienst abstimmen.

Von Osnabrück-Gretesch über Bissendorf bis nach Kirchlengern ist das Ehepaar für rund 35 Bahnübergänge zuständig. Bei überfrierender Nässe müssen sie streuen, bei Schneefall mit der Schippe den Bereich zwischen den Andreaskreuzen räumen. Die Abrechnung erfolgt nach Aufwand, insofern käme es dem Ehepaar nicht ungelegen, wenn es mehr schneien würde. Gerade im vergangenen Jahr geschah das aber zu besonders ungünstigen Zeiten: „Weihnachten und Silvester fielen flach“, sagt Markus Wermers.

Die Verträge mit den Auftraggebern handelt der Maschinenring aus. Er schließt außerdem eine Winterdienstversicherung ab. Die Auftraggeber wollen in aller Regel die Haftung nicht übernehmen. Für die ausführenden Kräfte würde sich die Police kaum rechnen, denn der Räumdienst ist zeitlich begrenzt und nicht planbar.

In anderen Fällen haben Betriebe diese Dienstleistung in ihr Leistungsspektrum aufgenommen. Beispiel dafür ist das landwirtschaftliche Lohnunternehmen Balgenort-Lingemann. Die Natberger Firma stellt für landwirtschaftliche Betriebe Technik und Fahrpersonal zur Verfügung. Im Winter ruht das Geschäft. Deshalb kam Inhaber Franz-Josef Balgenort-Lingemann auf den Winterdienst.

Seit mehr als zehn Jahren ist er nun für Industriebetriebe, Verbrauchermärkte, Autohäuser und bisweilen auch für Kommunen im Einsatz. In vielen Fällen hat er mit den Auftraggebern einen festen Vertrag abgeschlossen, in dem festgelegt ist, mit welchem Satz das Räumen und Streuen eines Objektes entlohnt wird. Doch gerade in den beiden vergangenen Jahren musste Balgenort-Lingemann manchmal auf Zuruf loslegen. Betriebe und auch Kommunen waren nicht auf die Schneemassen vorbereitet und brauchten von jetzt auf gleich Unterstützung.

Und auch wenn es in diesem Jahr bislang keinen Schnee zu beseitigen gab: Einige Einsätze sind die Mitarbeiter dennoch gefahren. So mussten sie wegen drohenden Glatteises auf dem Gelände einiger Unternehmen und auf Parkplätzen Granulat streuen.


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