VG-Serie (9): „K 208“ Vordemberge-Gildewart: Eine Frage der Beziehung

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

<em>Aus Osnabrücker Bestand:</em> „K 208“. Repro: MuseumAus Osnabrücker Bestand: „K 208“. Repro: Museum

Das Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus zeigt Werke von Friedrich Vordemberge-Gildewart. In dieser Serie stellen wir ausgesuchte Exponate vor.

Gegen die drei mächtigen Farbfelder wirken die schmalen Rechtecke, die in der Bildmitte versammelt sind, hoffnungslos unterlegen. Doch sie liefern die Energie, die das Bildgefüge überhaupt in Bewegung setzen. Der Clou: Sie setzen mit ihren Farbwerten Antipoden gegen die großen Felder. Das zarte Weiß behauptet sich als Nichtfarbe zum Schwarz als der zweiten Nichtfarbe in diesem Bild. Das kleine Rot leuchtet tapfer in das große Grün hinein - als dessen Komplementärfarbe. Und das zarte Gelb stichelt gegen das Blau. Gelb und Blau stehen zueinander wie Rot und Grün - im kräftigen Kontrast komplementärer Farben, die sich gegenseitig zum Leuchten bringen.

Friedrich Vordemberge-Gildewart (VG) führt mit diesem Bild, „K 208“ aus dem Jahr 1957, vor, das schiere Größe nicht alles ist. Kraft und Energie entstehen nicht durch Masse, sondern durch Kontrast. Und Kontraste sind eine Form von Beziehung. VG hat in seinem Werk in endlos vielen Variationen vorgeführt, wie solche Beziehungen funktionieren können. „K 208“ führt dieses Prinzip auf den Höhepunkt, auch deshalb, weil es mit feinen malerischen Valeurs glänzt. Die ausgefranste Grenze zwischen Grün und Blau zeigt Pinselspuren, das kleine blaue Quadrat in der großen blauen Fläche eine raue Oberfläche. VG erzeugt Lebendigkeit mit feinen Signalen.

Dieses schöne Beispiel für sein Lebenswerk gehört übrigens zu den wenigen Bildern des Osnabrücker VG-Bestandes. Der Osnabrücker Museums- und Kunstverein kaufte das Bild Mitte der neunziger Jahre an. Jetzt hängt es als Dauerleihgabe im Felix-Nussbaum-Haus.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN