Grundstücksdeal vorbereitet Osnabrück sichert sich 1,9 Hektar Acker als Bauland in Hellern

Von Rainer Lahmann-Lammert

Ackerland soll Bauland werden: Die Stadt will die annähernd quadratische Fläche am Kampweg (in der Bildmitte) kaufen, um Wohnraum zu schaffen. Foto: André HavergoAckerland soll Bauland werden: Die Stadt will die annähernd quadratische Fläche am Kampweg (in der Bildmitte) kaufen, um Wohnraum zu schaffen. Foto: André Havergo

Osnabrück. In Hellern will die Stadt einem Landwirt 1,9 Hektar Acker abkaufen, um daraus Bauland zu machen. Die Fläche liegt am Kampweg, direkt neben dem Regenrückhaltebecken. Eine erste Projektskizze lässt erkennen, dass dort etwa 60 bis 70 Wohnungen entstehen sollen.

Planer und Politiker in Osnabrück stehen unter Druck, mehr Wohnraum zu schaffen. Die kommunalen Handlungsmöglichkeiten seien begrenzt, heißt es in der Vorlage für den Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt am kommenden Donnerstag. Die Stadt habe nur wenig Einfluss auf private Eigentümer von Grundstücken und Gebäuden.

Selbst bei bestehendem Planungsrecht ließen sich viele von ihnen nur schwer bewegen, ihre Flächen zu bebauen oder vorhandene Gebäude aufzustocken, und das, obwohl die Genehmigungspraxis der Stadt „durchaus großzügig“ sei. Auffällig sei zudem, dass es im Stadtgebiet viele freie Grundstücke mit Baurecht gebe, deren Eigentümer aber offensichtlich kein Interesse hätten, klagt der Fachbereich Städtebau.

Übergang zur freien Landschaft

Aus diesen Gründen will die Stadt aktiv dazu beitragen, dass mehr Bauland auf den Markt kommt. Bislang wurde dabei der Schwerpunkt auf Flächenrecycling, etwa von Kasernenflächen, gelegt. Auch für die kleinräumige Nachverdichtung bestehender Siedlungen (zum Beispiel Bauen in der zweiten Reihe) gab es einen Konsens in der Politik. Neu ist, dass jetzt auch Flächen in den Blick geraten, die laut Verwaltungsvorlage „nicht im Zusammenhang mit bebauten Ortsteilen stehen oder noch nicht im wirksamen Flächennutzungsplan der Stadt als Baulandflächen ausgewiesen sind“.

Der Maisacker am Kampweg befindet sich schon am Übergang zur freien Landschaft. Bis zur Düte, die als FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) unter Schutz gestellt werden soll, sind es nur 300 Meter. Auf der anderen Seite liegt die Schneppersche Tongrube, die in den 80er Jahren als Bauland vorgesehen war. Wegen der Altlast und der von ihr ausgehenden Methanausdünstungen wurde das Vorhaben aber in letzter Minute gestoppt.

Mehr als ein Maisacker

Solch eine böse Überraschung ist auf der Fläche am Regenrückhaltebecken nicht zu erwarten, denn sie wird seit Generationen als Acker bewirtschaftet. Der Stadtentwicklungsausschuss soll am Donnerstag entscheiden, ob der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet wird. Eine breite Mehrheit gilt als sicher, denn das Land in Hellern sei verfügbar, lasse sich an den Siedlungszusammenhang anschließen und ist laut Verwaltungsvorlage „vorbehaltlich weitergehender ökologischer und verkehrlicher Untersuchungen grundsätzlich geeignet, als Neubaugebiet entwickelt zu werden“, wie der Fachbereich Städtebau vermerkt.

Nach Informationen unserer Redaktion ist der Deal mit dem Landwirt bereits eingefädelt. Sobald der Bebauungsplan rechtskräftig ist, kann die Stadt die 1,9 Hektar zu einem festgelegten Preis erwerben. Beim Blick auf die ersten Entwürfe fällt auf, dass das Plangebiet im Südosten nicht an der Ackergrenze endet. Dort besitzt die Stadt bereits eine kleinere Fläche, die jetzt in die Überlegungen einbezogen werden soll.

Im Fachbereich Städtebau ist ein erstes städtebauliches Konzept entstanden, das eine gestaffelte Bebauung vorsieht. Am Kampweg sind mehrere Mehrfamilienhäuser vorgesehen, nach Westen schließen sich Reihenhäuser, Doppelhäuser und freistehende Einfamilienhäuser an. Auch Kompensationsflächen sind eingeplant, als Wiedergutmachung für den Eingriff in die Landschaft.


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