Sommerfestival ab 31. Mai Höfische Ränke und poetische Wildnis auf Ippenburg

Von Kerstin Balks


Bad Essen. 150 Aussteller, Deutschlands größter Küchengarten und das einzigartige Rosarium sind die Superlative des Ippenburger Festivals. Hinzu kommt diesmal ein besonderes Spannungsfeld: Auf über zwei Hektar ist botanische Wildnis erlebbar, im Schloss hingegen zeigt eine Ausstellung zu Sophie Charlotte höfische Etikette und preußische Tugenden. Wobei – ein bisschen wild ging es an den Adelshöfen ja durchaus auch zu…

Es kann einem schon schwindlig werden bei all den Namen: Sophie, Dorothea, Georg, Friedrich, Ernst August… - und mittendrin Sophie Charlotte, erste preußische Königin, Mutter des „Soldatenkönigs“ und Schwester des englischen Königs Georg I., in Iburg geboren und in enger Verbindung zum Hause von dem Bussche stehend. Die Brüder Albrecht Philip und Johann von dem Bussche waren nämlich in Diensten von Georgs und Sophie Charlottes Vater Ernst August von Hannover – als Erzieher und Minister, und Johann gar als Ehemann von Georgs erster Mätresse. Dessen zweite Mätresse wiederum wurde mit Ernst August Philip von dem Bussche, dem ältesten Sohn der ersten Mätresse verheiratet. Komplizierte Verhältnisse, Kabale und Liebe bei Hofe, die Viktoria von dem Bussche für 30 Gewinner aus der Leserschaft der Neuen Osnabrücker Zeitung bei einer exklusiven Führung durch Schloss und Gärten aufklärte. Die Ausstellung, die für die Festivalbesucher zugänglich sein wird, erstreckt sich über fünf Räume des Schlosses und umfasst 70 Exponate. Ein begleitender Flyer enthält ausführliche Informationen zu den historischen Persönlichkeiten sowie einen Stammbaum, der die erstaunlichen deutsch-englischen Verwandtschaften und Verflechtungen veranschaulicht.

„Zurück-zur-Natur-Projekt“

Die Freifrau selbst muss auch an England gedacht haben als sie sich entschloss, das Gelände der wechselnden Themengärten in einen eleganten Landschaftspark mit Rasen, Bäumen und Schafen zu verwandeln. Doch wie so oft im Leben kam es anders als geplant, nur dass im konkreten Fall Singvögel an einem Sommermorgen den Anstoß gaben: „Der Zauber des Ortes und die Intensität des Vogelgezwitschers waren so groß, dass ich meinen Plan zugunsten eines verwilderten geheimen Gartens umgehend verworfen habe“, erinnert sich Viktoria von dem Bussche. Bei der Umsetzung erhielt sie Unterstützung von der Cloppenburger Künstlerin Bärbel Hische, die den poetischen Leitfaden für dieses „Zurück-zur-Natur-Projekt“ entwickelte. Es lädt ein zu einem Spaziergang vorbei an Bienenstöcken, einem Planetarium, an Lauben und Nistkästen, Feen- und Philosophengärten, hin zum Wasser und zu einer von Beinwell und Baldrian bewachsenen Wildnis, einem geheim(nisvoll)en Ort. „Es ist erst der Anfang eines auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Projekts, das von Jahr zu Jahr dichter und üppiger wird. Und es werden immer mehr Singvögel und Insekten dazukommen“, so die Freifrau, die dieses Projekt durch Gutachten zum Singvögel- und Libellenvorkommen begleiten lässt.

Kunst und Genuss

Wie immer aber ist das Ippenburger Festival das ideale Ziel für einen Sommerausflug mit Genuss für alle Sinne. Etwa bei der „Grill & Chill“-Show in der Remise, wo auf fast 30 laufenden Metern Koch- und Grillfläche angesagte „Grilleros“ ihre Kunst zeigen und sich in die Töpfe schauen lassen. Dazu Führungen durch die Ippenburger Rosenblüte mit Fachfrau Ursula Gräfen, die Bilder der Malerin Feodora Hohenlohe, Trüffelsuche, Mundraubgarten, und, und, und - Info:Ippenburger Sommerfestival vom 31. Mai bis 3. Juni, jeweils von 11 bis 18 Uhr, Eintritt Erwachsene 12 Euro an der Tageskasse, 10 Euro im Vorverkauf, Eintritt zur Ausstellung im Schloss „Auf den Spuren von Sophie Charlotte“, Erwachsene 3 Euro an der Tageskasse.


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