Performance „We war we“ Ayumi Paul nutzt die Kunsthalle Osnabrück als Klangraum

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Ayumi Paul bei ihrer Performance „We are we“ in der Kunsthalle Osnabrück. Foto: Hermann PentermannAyumi Paul bei ihrer Performance „We are we“ in der Kunsthalle Osnabrück. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Die Berliner Künstlerin Ayumi Paul hat ihre Klangperformance „We are we“ in der Kunsthalle Osnabrück präsentiert.

Ein künstliches Spotlicht braucht Ayumi Paul nicht. Sie stellt sich in einen Lichtkegel, der durch das Sonnenlicht entsteht, das durch die Fenster scheint. Im Licht stehend beginnt sie zu spielen, und es hallen schwebende, langsame, sich wiederholende Geigenklänge durch die Kunsthalle Osnabrück.

„We are we“ nennt die Berliner Künstlerin ihre Performance. Während sie auf ihrer Geige improvisiert und die besondere Akustik des ehemaligen Kirchenschiffs der Kunsthalle nutzt, trägt sie ein Kleid, das den japanischen Nähstil Boro repräsentiert. Er entstand im 19. Jahrhundert in der japanischen Bauernklasse, als Frauen aus materieller Not heraus verschiedene alte Textilien aneinandernähten und so wiederverwendeten. Paul hat für ihren Boro-Kimono Stoffteile bei den Frauen gesammelt, die ihr etwas bedeuten. Das Kleid erzählt damit weibliche Geschichten.

Musik in Echtzeit

Ihre Performance hat Paul bereits Anfang des Jahres in National der Gallery Singapore aufgeführt. Für die Performance in Singapur hatte sie zunächst eine Komposition für Stimme und Violine geschrieben, merkte aber, dass die Musik in „Echtzeit in Erscheinung treten muss“ und nicht vorbereitet sein kann. So basiert die Musik nun auf den Stoffen, die sie trägt. Denn Paul ist überzeugt, dass alles miteinander verknüpft ist.

Typisch für die Künstlerin ist, dass sie die Gegebenheiten ihrer Umgebung nutzt. Das ehemalige Kirchenschiff der Kunsthalle wird bei „We are we“ zum Klangkörper. Durch den Hall überlagern sich die Geigentöne schon mal, und es klingt, als wären zwei Instrumente zu hören. Dazu setzt Ayumi Paul immer zu einem engelhaften Gesang. Sie füllt den Raum mit Klang.

Meditativ und wunderschön

Während die Künstlerin spielt, wechselt sie immer wieder ihren Standort, wandert von Lichtkegel zu Lichtkegel und ist so mal nah und mal fern. Dem zu folgen, hat etwas Meditatives, Andächtiges, Wunderschönes. Die Performance knüpft natürlich auch an die Tradition des Kirchenraums an, verändert die Bedeutung des Raums aber. Denn wo früher das Wort männlicher Priester galt, geht es nun um weibliche, irdische Geschichten.

(Weiterlesen: Konzert von Ayumi Paul in der Kunsthalle Osnabrück)


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