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Alte Berufsbezeichnung Osnabrück: Wetzel war die Koseform von Werner

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Osnabrück. Neue-OZLeser Rudolf Wetzel aus Osnabrück kann sich vorstellen, dass sein Familienname mit dem Tätigkeitswort „wetzen“ zu tun hat, vielleicht im Zusammenhang mit dem Schärfen von Werkzeugen.

Mit rund 21000 Namensträgern in Deutschland ist Wetzel ein sehr häufiger Nachname. In Österreich und in der Schweiz kommen noch etwa 1400 Personen hinzu. Wetzel findet sich überall in Deutschland. Es ist aber festzustellen, dass der Name im Südwesten und im Raum Thüringen/Sachsen besonders verbreitet ist.

Ein Zusammenhang mit dem Wort wetzen ist durchaus denkbar. In der Tat scheint es im 16./17. Jahrhundert einen Berufsnamen „Wetzel“ gegeben zu haben, der allerdings nur zweimal in Texten bezeugt ist. Durch den jeweiligen Zusammenhang wird nicht klar, welche Tätigkeit der Wetzel ausübte. Im Einzelfall mag der Name mit dieser mutmaßlichen Handwerkerbezeichnung zusammenhängen.

In der Masse der Fälle hat der Name aber einen anderen Ursprung, denn Wetzel ist identisch mit einem alten Rufnamen. Der von jeher im gesamten deutschsprachigen Gebiet beliebte Vorname Werner ist durch Verkürzung aus der ursprünglichen Namensform Warinhêr entstanden, die die beiden Namenwörter Warin (Bedeutung wahrscheinlich „bewahren, beschirmen“) und hêr („Heer, Kriegsheer“) enthielt. Warinhêr wurde fast überall über die Zwischenform Werinhêr zu Wernher/Werner. Zu Werner wurde ein Kosename Wezilo gebildet, der seit dem 9. Jahrhundert nachzuweisen ist. Neben vielen anderen Namenvarianten entwickelte sich Wetzel als Standardform. Dass Wezilo/Wetzel zu Werner gehören, ergibt sich durch Zeugnisse von Personengleichheit. So erscheint etwa ein Hildesheimer Bürger 1084 als „Wezilinus“ und als „Werinharius“.

Die Kosenamen mit -zel sind typisch süddeutsch. Einige wenige dieser Namen waren aber auch im niederdeutschen Gebiet verbreitet. Neben Wetzel war dies der Name Wessel, der eigentlich als Variante von Wetzel entstand, dann aber jahrhundertelang parallel zu Wetzel existierte: Der Greifswalder Bürger „Wessel Santkrogher“ (1378) ist im Jahre 1400 als „Wetzel Santkruger“ bezeugt.

Als Familienname bezeichnete Wetzel den Sohn dessen, der mit Rufnamen Wetzel hieß. Der Nachname ist seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts sehr häufig bezeugt: 1215 „Teoldus Wezcil“ (Altkirch/Elsass), 1260 „Nicolaus Wetzelinus“ (Alsfeld/Hessen), 1299 „Heinrich Weccel“ (Straßburg), 1302 „Uolricus Wetzel“ (Basel).

Heutige Schreibvarianten beim Familiennamen sind Wetzell, Wetzl, Wettzel, Wezel und Wätzel.

Im Internet finden Sie die Familiennamen, die Dr. Breidbach schon im Auftrag unserer Zeitung untersucht hat: www.noz.de/namen .
Namensvorschläge bitte an namensforscher@noz.de
Gutachten: www.ifn.name


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