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24.05.2018, 15:51 Uhr VERSICHERTE BRAUCHEN LANGEN ATEM

Cannabis als Medizin: Krankenkassen stellen sich stur

Kommentar von Sebastian Stricker

Getrocknete Cannabisblüten als Medikament. Foto: Sebastian StrickerGetrocknete Cannabisblüten als Medikament. Foto: Sebastian Stricker

Osnabrück.  Das Beispiel des Schmerzpatienten aus dem Raum Osnabrück zeigt: Auch wenn die Abgabe von Cannabis als Medizin seit über einem Jahr gesetzlich geregelt ist, müssen Versicherte noch immer hart darum kämpfen. 

Die Kassen begründen ihre große Zurückhaltung bei der Genehmigung entsprechender Anträge zwar auch mit steigenden Kosten, vor allem aber damit, dass für einen dauer- und regelhaften Leistungsanspruch in der gesetzlichen Krankenversicherung der Nachweis der Wirksamkeit fehle. Tatsächlich ist Hanf als Medikament noch nicht vollständig erforscht. Trotzdem: Ob eine Cannabis-Therapie infrage kommt, bestimmt der behandelnde Arzt. 

Mit ihrem Medizinischen Dienst (MDK) verfügen die Krankenkassen allerdings über ein geeignetes Instrument, um dessen Urteil auszuhebeln. Dann wird wie hier bei der Barmer zur Ablehnung eines Antrags eben ein Gutachten vorgeschoben, das weder unabhängig ist noch auf eigenen, gründlichen Untersuchungen fußt. Denn der MDK entschied im vorliegenden Fall wie so oft nach Aktenlage.

Dass der Versicherte sich am Ende doch mit sämtlichen Forderungen durchsetzte, ist wohl in erster Linie seiner Hartnäckigkeit und der Unterstützung durch seinen Arzt und seinen Anwalt zu verdanken. Aber warum musste die Sache erst vor Gericht landen, ehe sich die Barmer bewegte? Möglicherweise ahnte sie, dass ihre Karten wegen offensichtlich schlampiger und zu langsamer Antragsbearbeitung dort schlecht sein könnten. Auch wenn die Kasse offiziell das Gegenteil behauptet und ihr Einlenken lieber als Kulanz verkauft.


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