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Blick in den urbanen Raum Afrika Festival in Osnabrück lenkt den Blick diesmal auf den boomenden Kontinent



dö Osnabrück. Afrika ist nicht, wie die Medien es vermitteln. Afrika „ist mehr als der Kontinent, der Probleme macht“, sagt Oberbürgermeister Boris Pistorius. Afrika, das sind Länder mit reicher Tradition, mit Potenzial, mit Megastädten. Und gerade die sind es, auf die das Afrika Festival in diesem Jahr den Blick lenken will.

Die Fußball-WM hat Afrika in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt, und das durchaus jenseits der Fußballstadien. Danach sind die zusätzlichen Kamerateams und Zeitungsreporter wieder abgerückt, und das vielfältige Bild vom bunten, kulturell reichen Kontinent, das kurzzeitig aufblitzte, ist wieder dem von Dürre, Aids und politischer Instabilität gewichen.

Dabei gibt es auf dem afrikanischen Kontinent Städte wie Lagos, einer 10-Millionen-, andere Quellen sprechen von einer 15-Millionen-Stadt, welcher der niederländische Stararchitekt Rem Koolhaas Beispielcharakter für die Metropolen des 21.Jahrhunderts zuschreibt. Denn Afrika ist kein einsamer Stern, sondern ein Kontinent, der die weltweiten Trends zur Urbanisierung genauso abbildet wie die asiatischen, arabischen oder amerikanischen Megastädte. Darum hat das Team um die Leiterin des Büros für Friedenskultur, Katharina Opladen, das diesjährige Afrikafestival unter das Motto „Urbane Welten in der Stadt – Metropole Afrika“ gestellt.

Im Zentrum steht dabei die Kunst im urbanen Raum – und die Frage, „was machen die jungen Leute“ in den afrikanischen Metropolen? So gibt bei der Eröffnung des Afrika Festivals am 1. Juni der Fotograf Akinbode Akinbiyi einen ersten Eindruck von der Megacity Lagos. Im Verlauf des Festivals sollen dann, so Opladen, Kultur, Musik und Theater auf der einen Seite im Zentrum des Festivals stehen, entwicklungspolitische Fragen auf der anderen.

In vielen Projekten fließen beide Aspekte zusammen. So stellt Anna Pöppelmeyer vom Verein Mimmis e.V das Projekt „Squatter Camp“ vor, eine Art Wohnsiedlung nach dem Vorbild des sogenannten „informal Settlements“ in Südafrika. Dort leben Migranten am Rand der großen Städte unter schlichtesten Bedingungen: Im Gegensatz zu den „formal Settlements“ müssen sie auf Strom- und Wasseranschluss verzichten, stehen aber immerhin unter dem Schutz der demokratischen Verfassung. Im Hasepark nun entsteht eine solche Siedlung aus Wellblech und Plastikplanen als Kunstprojekt, angereichert mit Street Art aus Deutschland und Afrika, Ausstellungen, Theateraufführungen und Konzerten.

Für den entwicklungspolitischen Schwerpunkt ist traditionell das Aktionszentrum 3. Welt zuständig. So kündigt A3W-Vorsitzender Reinhard Stolle einen Vortrag über den African National Congress (ANC) mit Denis Goldberg an, wird der katholische Pastor Stefan Hippler sein Buch „Gott – Aids – Afrika“ vorstellen, befassen sich Vorträge mit einem Phänomen wie dem Armutstourismus, mit Fragen der kulturellen Identität oder internationale Beziehungen aus afrikanischer Sicht.

Ebenfalls mit gesellschaftspolitischem Anspruch stellt sich der Verein Governance Network International e.V. vor. „Wir wollen zeigen, dass Afrika mehr ist als nur tanzen“, sagt David Sidaba Tchakoura, der Präsident des Vereins. Stattdessen will er den Blick in Vorträgen explizit auf ein modernes Afrika lenken.

In gewisser Weise spiegelt auch das Programm des musikalischen Festival-Höhepunkts diesen Anspruch wider: Beim Marktplatz-Open-Air „Afrikamie“ steht mit der Y’akoto nicht nur eine Sängerin auf dem Weg zur Weltkarriere auf der Bühne. Die 24-Jährige ist auch Schirmherrin des Festivals – und symbolisiert mit ihren deutschen und ghanaischen Wurzeln so etwas wie eine Synthese beider musikalischen Welten. Daneben gibt es Hip- Hop aus Togo, Singer/Songwriting von der Insel La Réunion – und Choreografien aus Osnabrück des Hip-Hop-Meisters Henry Style.

Nun wurde ja das Afrika Festival unter dem Druck der Finanznot 2010 vom jährlichen Festival zur Biennale umgewandelt. Das Engagement für das Festival ist gleichwohl ungebrochen: Die Aktivitäten von 50 Vereinen und Institutionen hat das Organisationsteam aus A3W, Büro für Friedenskultur, Fokus und Lagerhalle gebündelt und koordiniert. Darüber freut sich nicht nur Katharina Opladen, sondern auch OB Pistorius – dem die Veranstaltung 122000 Euro wert ist, bei einem Gesamtetat von rund 160000 Euro. Dafür gibt es ein Programm vom 1. Juni bis zum 1. Juli, und sogar eine Erweiterung: Der Afrikanische Markt dauert diesmal zwei Tage.

 

Afrika Festival: 1. Juni bis1. Juli. Weitere Infos: www.osnabrueck.de/afrika und www.facebook.com/afrikainosnabrueck


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