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Vater in Untersuchungshaft Misshandeltes Baby in Osnabrück starb an Schlägen gegen den Kopf

Corinna Berghahn, Jörg Sanders und Mark Otten

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Das mit Schlägen gegen den Kopf misshandelte Baby starb am Dienstag im Christlichen Kinderhospital in Osnabrück. Foto: Gert WestdörpDas mit Schlägen gegen den Kopf misshandelte Baby starb am Dienstag im Christlichen Kinderhospital in Osnabrück. Foto: Gert Westdörp 

Osnabrück. Das in Osnabrück misshandelte Baby starb an den Schlägen gegen den Kopf. Das ergab die Obduktion am Mittwoch. Der Vater des Säuglings sitzt in Untersuchungshaft.

Die Obduktion habe ergeben, dass massive Gewaltanwendung gegen den Kopf die Todesursache war, sagte am Donnerstag Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer. Seit einer Woche sitzt der 24-jährige Vater des Babys in Untersuchungshaft. Nach dem Tod des Kindes ermittelt die Polizei nun wegen des Verdachts des vollendeten Totschlags gegen den Mann.

Er soll das Kind schwer misshandelt haben, weil es geschrien hatte. In einer Vernehmung gab der Vater laut Staatsanwaltschaft an, das Baby mit der Hand geschlagen zu haben, weil es so laut gewesen sei. Das geschah nur wenige Stunden nach Entlassung der Familie aus der Entbindungsstation eines Osnabrücker Krankenhauses. Dort war das Kind vier Tage vor dem Vorfall zur Welt gekommen. Laut Retemeyer hatte sich das Kind am Tattag erst vier Stunden in Obhut der Eltern befunden.

Die Rolle der ebenfalls 24-jährigen Mutter des Säuglings ist „etwas unklar“. Sie habe sich vermutlich nicht in der Wohnung aufgehalten, als ihr Partner das Kind schwer misshandelt haben soll, so Retemeyer. Allerdings soll sie den Kindsvater gedeckt haben. Gegen sie wird aktuell nicht ermittelt.

Erfundene Hundeattacke

Am vergangenen Dienstag war der wenige Tage alte Säugling mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Christliche Kinderhospital Osnabrück (CKO) eingeliefert worden. Die Eltern hatten eine Hundeattacke für die Verletzungen angegeben, ein eingeschalteter Rechtsmediziner schloss das jedoch aus.

Jugendamt seit April in Kontakt mit Eltern

Bereits seit Mitte April war das Jugendamt in Kontakt mit dem Paar. Die Behörde hatte einen Hinweis aus der Familie der Eltern bekommen. Dabei sei es nicht um das Thema Gewalt gegangen, sagte Stadtsprecher Sven Jürgensen unserer Redaktion.

Das Amt habe zunächst Kontakt mit der Mutter gehabt, den Vater habe es aber auch kennengelernt. In den Gesprächen hätten sich die Eltern kooperativ gezeigt, sodass es keinen Anlass zur Sorge um das Kindeswohl gab. Mit den Eltern sei vereinbart worden, dass sie sich nach der Geburt beim Jugendamt melden, um gemeinsam zu besprechen, welche Hilfe und Betreuung die Eltern bekommen könnten. Dazu kam es nicht mehr. Das Kind kam früher als geplant in einem Osnabrücker Krankenhaus zur Welt und war dort einige Tage zur Beobachtung. In diesem Zeitraum habe es keinen Kontakt zwischen Eltern und Jugendamt gegeben, so Jürgensen.

Keine Ermittlungen gegen Jugendamt

Weil der Kontakt zum Jugendamt grundsätzlich freiwillig ist, waren die Eltern nicht verpflichtet, sich nach der Geburt zu melden. Auch das Krankenhaus mussten sie nicht über den Kontakt zum Amt informieren.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück wird nicht gegen Mitarbeiter des Jugendamts ermitteln. „Ich sehe da keinen Anfangsverdacht“, sagte Retemeyer unserer Redaktion. Das Jugendamt werde den Fall jedoch intern besprechen und prüfen, ob die mit dem Fall Betrauten alles richtig gemacht haben, so Jürgensen. (mit dpa)


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