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Bilanz nach zwölf Tagen Maiwoche 2018: Zwischen Besucherrekord und Betreiberunmut

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Gut besucht: das Konzert von Dirty Deeds am ersten Wochenende der Maiwoche. Foto: André HavergoGut besucht: das Konzert von Dirty Deeds am ersten Wochenende der Maiwoche. Foto: André Havergo 

Osnabrück. Bei bestem Wetter ist die 46. Maiwoche am Montag zu Ende gegangen. Laut Stadt kamen in diesem Jahr so viele Besucher auf das Osnabrücker Straßenfest wie noch nie. Zwei große Veranstalter üben aber laute Kritik und fordern eine Kehrtwende.

„Wir freuen uns über einen neuen Rekord von schätzungsweise 850.000 Besuchern auf der Maiwoche“, bilanziert Petra Rosenbach, Geschäftsführerin der Osnabrück – Marketing und Tourismus GmbH (OMT). Die Maiwoche bleibe das Highlight im Veranstaltungskalender der Stadt Osnabrück.

„Die beliebtesten Tage waren die beiden Samstage, aber auch an den Freitagen war es richtig voll in der Stadt“, sagt Rosenbach. Dies würden die lasergestützten Passantenfrequenz-Messungen in der Innenstadt zeigen. „Mit Ausnahme der Unwetter-Unterbrechung am ersten Sonntag hatten wir in diesem Jahr bestes Maiwochen-Wetter. Insgesamt konnten wir die Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr noch einmal steigern. Das freut mich natürlich für mein Team und alle Beteiligten, die jedes Jahr mit einem immensen Einsatz und viel Herzblut zum Gelingen der Maiwoche beitragen“, so die OMT-Geschäftsführerin.

Kritik von Betreibern

Ganz so rosig sehen es zwei Veranstalter allerdings nicht. Frederik Heede ist seit 15 Jahren auf der Maiwoche, er musste dieses Jahr zum ersten Mal auf das „Maidorf“ am Platz des Westfälischen Friedens verzichten. Die Stadt hatte wegen Sicherheitsbedenken die Genehmigung verweigert. Kurzerhand musste er umplanen und machte daraus ein ruhigeres Alpendorf. Statt Partymusik gab es nun das Plätschern des Bürgerbrunnens. Viele Besucher schienen mit dem „kleinen Maidorf“ zufrieden zu sein. Doch Betreiber Heede ist es nicht.

„Ich muss etwa 80 Prozent Umsatzrückgang verzeichnen“, sagt der Unternehmer. Man habe sich zwar sehr viel Mühe gegeben, um ein ansprechendes Ambiente zu schaffen, doch ein gleichwertiger Ersatz zum Maidorf sei dies nicht. „Wir haben dieser Alternative eine Chance gegeben, doch fürs nächste Jahr hoffe ich wieder auf die klassische Variante.“

Des Weiteren übt er starke Kritik an der Stadt. „Die Gebühren überrollen einen“, sagt der 55-Jährige. 10,06 Euro zahle er für den Quadratmeter, beim Weihnachtsmarkt seien es nur etwas mehr als zwei Euro. „Damit ist ein Niveau erreicht, das kaum noch finanzierbar ist“, sagt Heede. Er stellte deshalb die Frage in den Raum, ob die Stadt nicht einen Zuschuss leisten möchte. Für ein NDR-Konzert, für die Stadthalle oder für das Theater sei genügend Geld da. „Für die Maiwoche lässt die Stadt aber keinen Cent springen.“ Im Übrigen müsse sich die Stadt klar werden, wo sie mit der Maiwoche hin wolle. „Wodurch unterscheiden wir uns noch von einem beliebigen Dorffest?“, fragt Heede. Sie sei lieblos zusammengestellt und völlig austauschbar geworden.

„War nie richtig voll“

In ein ähnliches Horn bläst Christoph Sierp, der mit seiner Firma Sierp Gastro die Stände zwischen Neumarkt und Domhof betreibt. „Wir hatten so gute Wetterbedingungen wie schon lange nicht mehr“, sagt der Eventmanager, „trotzdem sind wir mit dem Ergebnis unzufrieden.“ Die Stimmung sei zwar „sensationell“ gewesen, doch es habe seiner Ansicht nach an Menschen gefehlt. „Richtig voll, sodass man sich durch die Massen quetschen musste, war es an keinem Abend“, sagt Sierp.

Seiner Meinung nach liege das an der mangelnden überregionalen Anziehungskraft. „Uns fehlen einfach die Leuchttürme.“ Wenn man kein Geld von der Stadt bekomme, könne man keine bekannten Bands nach Osnabrück bringen. „Momentan haben wir Osnabrücker Bands, die für Osnabrücker Bürger spielen.“ Man brauche eine Kehrtwende, sonst stehe irgendwann nur noch ein Bierfass auf dem Marktplatz. Er betont, dass es auch bei den anderen Betreibern viel Unmut gebe.

In einigen Wochen soll es eine Nachbesprechung mit der Stadt geben, darum hatte Heede gebeten. Dann will er die Probleme und die zukünftige Entwicklung ansprechen. Die nächste Maiwoche findet vom 10. bis 19. Mai 2019 statt.


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