Immobilien mit hoher Rendite Warum es sich lohnt, in Osnabrück zu investieren

Von Wilfried Hinrichs

Podiumsdiskussion auf der Investorenkonferenz: (von links) Marco Graf, Boris Groth, Wolfgang Griesert, Olaf Petersen, Thomas Voßkamp und Moderator Tom Hegermann. Foto: hinPodiumsdiskussion auf der Investorenkonferenz: (von links) Marco Graf, Boris Groth, Wolfgang Griesert, Olaf Petersen, Thomas Voßkamp und Moderator Tom Hegermann. Foto: hin

Osnabrück. Wohin mit dem Geld, fragen sich Investoren? Nach Osnabrück, antwortet die Wirtschaftsförderung. Die wachsende Stadt biete etwa auf dem Büromarkt deutlich höhere Renditen als die Metropolen. „Hier ist Musik drin“, sagte Olaf Petersen, Experte für Handelsimmobilien, während der Investorenkonferenz am Donnerstagabend – nicht nur mit Blick auf die Maiwoche.

Einmal im Jahr lädt die Wirtschaftsförderung Osnabrück Entscheider aus der Immobilienbranche in die Friedensstadt ein, um deren Potenziale zu präsentieren. „Darum Osnabrück!“ hatte die Chefin der Wirtschaftsförderung, Marina Heuermann, den Abend im NOZ-Medienzentrum überschrieben und legte harte Daten vor, die das „Darum“ untermauerten: Die Einwohnerzahl ist seit 2012 um über sechs Prozent auf 168000 gestiegen, 5700 neue Arbeitsplätze sind seither entstanden (plus 6,7 Prozent), die Zahl der Studenten ist seit 2012 um 33 Prozent auf 28000 angewachsen, darunter sind 4300 Studierende der Informatik- oder Ingenieurwissenschaften. Gute Rahmendaten, eine gute Mischung aus Industrie, Handel und Dienstleistungen und eine ausgezeichnete Lebensqualität zeichneten den Wirtschaftsstandort Osnabrück aus, so Heuermann.

Gute Rendite

Und dass Investoren hier Geld verdienen können, machte sie an einem Vergleich deutlich: Auf dem Büromarkt erzielen Investoren in Osnabrück eine Nettoanfangsrendite von fünf Prozent. Das ist deutlich mehr als in Metropolen wie Düsseldorf (3,7), Köln (3,6), Frankfurt (3,3), Hamburg (3,1) München (3,0) oder Berlin (2,9). Heuermann erwartet weiter steigenden Bedarf an Büroimmobilien in der Friedensstadt. Zurzeit liegen der Wirtschaftsförderung nach ihren Angaben Anfragen für 10500 Quadratmetern Büroflächen vor. Aber auch Industrie und Gewerbe suchen: knapp 20000 Quadratmeter Produktionsflächen, 82 Hektar Grundstücke. Heuermann: „Osnabrück ist kein Hidden Champion, sondern ein Champion.“

L & T deutschlandweit im Gespräch

Diese Einschätzung bestätigten die Experten Thomas Voßkamp (bullwiengesa AG), Boris Groth (Dr. Lübke & Kelber GmbH), Olaf Petersen (Comfort Management Services GmbH), Marco Graf, IHK-Hauptgeschäftsführer, und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert in der Podiumsdiskussion, die der freie Journalist Tom Hegermann moderierte. Handelsexperte Olaf Petersen sieht den Standort Osnabrück gut gerüstet für den Wettbewerb mit dem Onlinehandel, weil die Innenstadt mit etwas mehr als 100000 Quadratmetern Verkaufsfläche die „kritische Masse“ überschreite und eine starke Wirkung auf das direkte Einzugsgebiet mit 700000 Menschen entfalte. Ein Leuchtturm sei das neue Sporthaus von L & T. „Das ist deutlandweit Branchengespräch“, so Petersen. Auch weil es in einem inhabergeführten Geschäft im relativ kleinen Osnabrück realisiert worden sei und nicht in Hamburg oder München. Dass insgesamt aber ein „gemischter Eindruck“ bleibe, hänge am Neumarkt. Da hätte längst etwas passieren müssen.

Lieber Osnabrück als München

„Wir kommen lieber nach Osnabrück als nach Münden“, sagte Boris Groth, der sich auf dem deutschen Wohnungsmarkt bestens auskennt. Die Risiken seien übeschaubar, Chancen und Renditen für Investoren attraktiv. Skepsis ließ Groth beim Thema Sozialer Wohnungsbau durchklingen. Von den rund 300000 Wohnungen, die bundesweit im vergangenen Jahr gebaut wurden, seien nur 15000 Wohnungen gefördert worden. Investoren biete der soziale Wohnungsbau zurzeit zu wenig Anreize.

Büromarkt-Experte Thomas Voßkamp stufte Osnabrück im Vergleich mit Städten vergleichbarer Größe und Struktur „weit vorne“ ein. Der Osnabrücker Büromarkt sei relativ klein, aber von hoher regionaler Bedeutung und mit starker Ausstrahlung auf das Umland. 4300 Studierende in IT- und Technikstudiengängen seien ein Potenzial für die Zukunft.

Darauf legte auch IHK-Geschäftsführer Marco Graf sein Augenmerk. Um das Wachstum zu erhalten, sei es wichtig, die Hochschulabsolventen an die Region zu binden und ihnen hier Entwicklungschancen zu bieten. Osnabrück profitiere zurzeit von einem Wachstumsimpuls, den der Abzug der britischen Streitkräfte vor zehn Jahren ausgelöst habe, indem 160 Hektar plötzlich als Entwicklungsflächen frei wurden. Graf mahnte die städtische Kommunalpolitik, das Umland nicht aus dem Blick zu verlieren. „Ich würde mir vor allem in der Verkehrspolitik wünschen, dass die Stadtpolitik mehr Verantwortung für die Region übernimmt“, sagte Graf.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert brachte die aktuelle Marktlage so auf den Punkt: „Kapital sucht Stein.“ Die Stadt Osnabrück lade Investoren ein, schaue aber auch genau hin, welche Projekte wohin passten.

Zuvor hatte Stadtbaurat Frank Otte den etwa 50 Zuhörern die wichtigsten Potenzialflächen in der Stadt vorgestellt. Dazu zählen der Berliner Platz, die ehemaligen Kasernen an der Landwehrstraße und auf dem Limberg, die geplanten Baugebiet am Finkenhügel und am Friedhof in Eversburg sowie der Neumarkt.


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